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Energie : Die Angst vor dem großen Stromausfall

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Experten warnen: Regenerative Energien erhöhen „Blackout“-Gefahr drastisch.

Keine Frischwasserversorgung, keine Heizung, kein Telefon. Ein längerer Stromausfall in Schleswig-Holstein hätte katastrophale Konsequenzen – nach Aussagen von Experten war er nie so wahrscheinlich wie heute.

Grund ist die immer weiter zunehmende Erzeugung regenerativer Energien durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen. Denn im Gegensatz zu Kohle- oder Atomkraftwerken sorgen diese mit ihren von allen Wetterveränderungen abhängigen Leistungen für schwer berechenbare Schwankungen im Netz.

„Um die Netzfrequenz auf einem stabilen Level von rund 50 Hertz zu halten, sind unsere regulierenden Eingriffe ins Stromnetz von früher rund 300 pro Jahr auf derzeit um die 1000 angestiegen“, sagt Alexander Greß, Pressesprecher des auch für Schleswig-Holstein zuständigen Netzbetreibers Tennet. Dabei gehe es darum, Stromflüsse umzuleiten und Ressourcen ab- oder zuzuschalten. So werde eine Über- oder Unterspannung vermieden, die unweigerlich zum flächendeckenden Stromausfall führe. „Solch ein Szenario lässt sich aber trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht ausschließen“, so Greß.

Wie eine Warnung erscheint da eine Statistik der Bundesnetzagentur. Demnach gab es allein im Jahr 2013 bei den knapp 50 Millionen Haushalten rund 180 000 ungeplante Netz-Unterbrechungen. Rund 15 Minuten durchschnittlich war jeder Kunde ohne Strom.

„Es ist in der Branche unbestritten, dass die Gefahr eines „Blackouts“ angewachsen ist, bestätigt Ove Struck, Sprecher der Schleswig-Holstein Netz AG. Das Unternehmen betreibt in 80 Prozent der Landesfläche die Netze und hat rund 90 Prozent der erneuerbaren Energien angeschlossen. „In unserem Gebiet ist die Zahl aller Kraftwerke durch die regenerativen Energien von ehemals 30 auf 32 000 gewachsen“, so Struck. Bei einem schlagartigen Rückgang der Leistung sei es technisch sehr schwierig, mit im Unterhalt extrem teuren Reserve-Kraftwerken korrigierend nachzusteuern.

Im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls würde die Lage kritisch, sagt der Kieler Krisenforscher Frank Roselieb. Spätestens nach 48 Stunden seien private Essensvorräte verbraucht, es gebe kein Benzin mehr, Notstromaggregate fielen aus, Frischwasser werde knapp. Roselieb rechnet für den Fall mit Plünderungen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen im Land. „Dann kann man nur noch die Bundeswehr schicken – mit Waffen.“ Kommentar / Seite 10

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erstellt am 30.Nov.2014 | 19:59 Uhr

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