Feuerwehr : Dickes Auto – schwere Geburt

Symbolische Schlüsselübergabe vor dem neuen Tanklöschfahrzeug: Wolfgang Mevs (rechts)  und sein Stellvertreter Klaus-Peter Lundius (links)  mit Tobias Schneider (2. von links) und Holger Reimer.
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Symbolische Schlüsselübergabe vor dem neuen Tanklöschfahrzeug: Wolfgang Mevs (rechts) und sein Stellvertreter Klaus-Peter Lundius (links) mit Tobias Schneider (2. von links) und Holger Reimer.

Die Beschaffung des neuen, 280 000 Euro teuren Löschfahrzeugs der Eutiner Wehr war mit einigen Schwierigkeiten verbunden.

shz.de von
18. November 2013, 05:00 Uhr

„Was lange währt, wird endlich gut.“ Diese Worte fielen bei der symbolischen Schlüsselübergabe für das neue Tanklöschfahrzeug (TLF) an die Eutiner Ortswehr gleich zwei Mal. Sowohl Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz sprach den Satz aus als auch Mario Grudda als Vertreter des in Ulm (Baden-Württemberg) beheimateten Herstellers Magirus.

Schulz hatte aber auch noch eine andere Formulierung parat: „Pleiten, Pech und Pannen.“ Bereits 2010 sei die Beschaffung des 280 000 Euro teuren Fahrzeugs angeschoben worden, im März 2012 sei dann der Auftrag erteilt worden. Erste Schwierigkeit: Die Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen schlugen sich in dieser Zeit mit dem Kartellamt herum, weil sie Preise abgesprochen hatten. „Wir hatten in der Bestellphase das Problem, Vertrauen zu den Herstellern aufzubauen“, erinnerte sich Schulz.

Als diese Phase überstanden war, zeigte sich das nächste Problem. Der Bau und erst recht die Lieferung des Fahrzeugs ließen auf sich warten. Normalerweise müsse sich ein Unternehmen doch freuen, wenn es einen Auftrag bekomme, wunderte sich Schulz. Die Ulmer schienen den Auftrag dagegen schlicht zu ignorieren. „Wir mussten böse Schreiben loslassen, um die Firma zur Terminplanung zu bewegen und dazu, das Fahrzeug abzuliefern“, berichtete der Verwaltungschef vor etwa 60 Gästen, darunter Vertreter von anderen Wehren, von Hilfsorganisationen sowie aus Politik und Verwaltung.

Grund sei eine Restrukturierung des Unternehmens gewesen, erklärte Grudda, der von einer „Zangengeburt“ sprach. Die Produktion von Tanklöschfahrzeugen sei aus Weisweil bei Freiburg nach Ulm verlegt worden. Das habe für Reibungen im Produktionsprozess gesorgt – anders als bei den Leiterfahrzeugen, die schon immer in Ulm produziert worden seien. Bei der vor einem halben Jahr gelieferten Drehleiter für die Malenter Wehr gab es keine Klagen.

Als Eutins Wehrführer Wolfgang Mevs Mitte Oktober mit weiteren Mitgliedern der Wehr das neue Auto im Werk abholte, entdeckte Gerätewart Matthias Mevs dann zu allem Überfluss auch noch diverse Mängel. So funktionierte beispielsweise das extralaute Signalhorn nicht. Das wurde zwar an Ort und Stelle behoben, doch einige kleinere Mängel müssen noch abgearbeitet werden.

Dennoch zeigte sich Ortswehrführer Wolfgang Mevs sehr angetan von dem neuen Wagen im Fuhrpark: „Wir haben ein Super-Fahrzeug erhalten, auch wenn noch einige Nacharbeiten erforderlich sind.“ Das Löschfahrzeug verfüge über eine 4500 Liter fassenden Wassertank, auf den die Wehr sofort zurückgreifen könne, ohne erst zeitaufwändig eine Löschwasserversorgung aufzubauen. Mevs übergab das Fahrzeug an Gruppenführer Tobias Schneider und seinen Stellvertreter Holger Reimer.

Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt sprach von einem mit dem neuen TLF „gut aufgestellten Fahrzeugpark“ der Eutiner Wehr. Der Vorgänger – ohne Wassertank – habe mit Baujahr 1977 nicht mehr den heutigen Anforderungen entsprochen. Der Nachfolger werde außerdem in die überörtliche Wassertransportbereitschaft integriert. Mit seinen 4500 Litern an Bord verfüge der 300 PS starke 15-Tonner fast über so viel Wasser, wie fünf Fahrzeuge der Bosauer Gemeindewehr zusammen, betonte Andreas Riemke als Vertreter des Kreisfeuerwehrverbands.

Besonders geländegängig ist das Fahrzeug mit Iveco-Fahrgestell dank extra großer, grobstolliger Reifen, Allrad und Einzelbereifung an der Hinterachse obendrein. Damit ist es auch für den Einsatz bei Wald- oder Stoppelfeldbränden gut geeignet. Und fahren lässt sich der 3,30 Meter hohe Koloss ebenfalls recht mühelos, berichtete Mevs – dank Automatikgegriebe.

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