Freisprechung : "Deutschland ist Bäckerland"

Die freigesprochenen Bäcker und Bäckereiverkäuferinnen aus Ostholstein und Plön. Foto: dobkowitz
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Die freigesprochenen Bäcker und Bäckereiverkäuferinnen aus Ostholstein und Plön. Foto: dobkowitz

In Lensahn wurden die Gesellen der Bäckerinnung Ostholstein-Plön freigesprochen. Besondere Gäste waren die einzigen weiblichen Wandergesellen des Bäckerhandwerks.

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06. September 2011, 12:04 Uhr

Lensahn | Jeweils 15 Lehrlinge des Bäckerhandwerks und Verkäuferinnen sprach der Obermeister der Bäckerinnung Ostholstein-Plön, Helmut Börke, am Sonnabend in Lensahn frei. Besondere Gäste der Feier in der Volksbank waren Ursula und Sara, die einzigen beiden deutschen Bäckergesellinnen, die auf der Walz sind. Sie gaben Einblick in die Tradition der "Tippelei", wie die Wanderschaft heißt, und lieferten so ein Beispiel der Möglichkeiten, die sich mit einer Ausbildung eröffnen.

Ursula, freie Bäckerin im "Freien Begegnungsschacht", ist seit acht Monaten unterwegs. Nach drei Jahren Gesellenzeit wollte sie Abstand vom Alltag und kehrte als erste Frau ihres Handwerks ihrer Heimat im Allgäu den Rücken. Drei Jahre und einen Tag darf sie ihrem Heimatort nicht näher als 50 Kilometer kommen.

Wie sieben andere Gesellen ihrer Zunft habe es sie nach Österreich, in die Schweiz und nach Belgien verschlagen. Arbeit habe sie nicht nur als Bäckerin gefunden, auch Plaster- oder Putzarbeiten habe sie schon bewältigt.

Nicht nur andere Arbeiten, sondern auch Menschen lerne man kennen. Der Zusammenhalt unter allen Handwerkern auf der Walz sei groß: Man helfe und unterstütze sich, und dieser Zusammenhalt ende nicht nach den drei Jahren.

Wer Wandergesellen Glück und Erfolg wünschen wolle, der verabschiedet sie mit den Worten "Fixe Tippelei" und erhalte dafür "Fixen Dank". Der Hut des Wandergesellen sei, wie Ursula weiter berichtete, Zeichen der Freisprechung. In einer Zeit, als Hüte nur Adeligen und hochgestellten Bürgern vorbehalten gewesen seien, hätten sich schon Handwerksgesellen die Freiheit genommen, einen Hut zu tragen.

Den Tag der Freisprechung der Bäckerinnung fiel zusammen mit dem ersten "Tag des Handwerks". "Wir können auf das Handwerk nicht verzichten", betonte Klaus Treimer, Vorstand der Volksbank, der die enge Verbindung zwischen Handwerk und regionaler Kreditwirtschaft unterstrich.

Die Vielfalt der Entwicklungsmöglichkeiten beleuchtete Stefan Schäfer, Personalcoach der Bank, der sich mit dem sonst fremden Handwerk beschäftigt hatte und zu dem Ergebnis kam: "Deutschland ist Bäckerland". In keinem Land der Welt sei die Vielfalt an Backwaren so hoch und die Ausbildung so fundiert. Zum Thema Qualitätssicherung stellte er fest: "Qualität ist, wenn der Kunde zurückkommt und nicht die Ware."

Als Beste des Jahrganges ausgezeichnete wurde (Schulstandort Neustadt) Bäckerin Inga Nabrovskis (Lehrbetrieb "Scheels Backstuv" in Neustadt), die auch am Landeswettbewerb der Bäckergesellen auf dem Priwall teilnehmen wird. Bester Geselle im Kreis Plön wurde Tim Kliegis (Bäckerei Schlüter, Heikendorf). Bei den Verkäuferinnen wurden mit Sabrina Lamp (Stadtbäckerei Klausberger, Eutin) und Andrina Rüder (Inselbäcker Börke, Burg) zwei junge Frauen ausgezeichnet, im Bereich Plön stellte die Bäckerei Dirk Schlüter mit Merle Blank auch bei den Verkäuferinnen die Prüfungsbeste.

Außerdem freigesprochen wurden: (Bäcker) Andre Albinski, Marcel Lauterwald (beide Scheels Backstuv, Neustadt), Christian Born (Bäckerei Peter Möller, Gleschendorf), Anne Christin Hopp, Kevin Henz (beide Landbäckerei Puck, Grube), Andreas Pienkoß (Berufsbildungswerk Bugenhagen, Timmendorfer Strand), Rene Pietsch (Thaysens Backstube, Malente), Andre Rohde (Bäckerei Sesselberg, Neustadt), Christian Brandt (Passader Backhaus, Passade), Niko Kummutat (Bäckerei Hubertus Bosmann, Wankendorf), Jan Niemann (Probsteier Bäcker, Schönberg), Sascha Nitz (Landbäckerei Grundmann, Dannau) und Sebastian Wicht (Bäckerei Glüsing, Stakendorf). Die Ausbildung zur Verkäuferin beendeten erfolgreich: Saskia Bastian, Lisa Bünning (beide Scheels Backstuv, Neustadt), Jaqueline Dagis, Annika Schwannecke, Yvonne Tarnowski (alle Bäckerei Seßelberg, Neustadt), Anna Deutschmann (Bäckerei Junge, Lübeck), Annemarie Kinder (Landbäckerei Puck, Grube), Katharina Heiber (Bäckerei Glüsing, Stakendorf), Sina Heinath (Bäckerei Wäger, Mönkeberg), Lina Schwanke (Bäckerei Holger Hamer, Raisdorf), Sandra Steiner (Lila Bäcker, Lütjenburg) und Finja Ruppert (Bäckerei Dirk Schlüter, Heikendorf). Bereits im Februar schlossen Peter Kühlsen (Mien Bäcker) und Alexander Herdt (Scheels Backstuv) ihre Bäckerlehre ab.

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