Der Wunsch nach Freiheit im Ehrenamt

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Arbeitskreis Ehrenamt-Netzwerk tagte

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07. Juni 2018, 11:31 Uhr

Ehrenamtler wollen helfen, sind aber nicht erpicht auf Weiterbildung. Dies ist eine Erkenntnis des dritten Arbeitskreises Ehrenamt-Netzwerk in Ostholstein. Bei dem gestrigen Treffen stand die Gewinnung von Ehrenamtlern im Vordergrund. Unter Leitung des Soziologen Holger Wittig-Koppe (71, Foto) vom Paritätischen Landesverband erörterten zwölf Teilnehmende die Herausforderungen des Themas.

Die Motive der Menschen, die ehrenamtlich arbeiteten oder arbeiten wollten seien heute andere als noch vor 30 Jahren, sagte Wittig-Koppe. Statt Pflichtgefühls oder familiärer Tradition stünde heute der Sinn einer freiwilligen Arbeit im Vordergrund. Damit sei ein starkes Bedürfnis des Ehrenamtlers nach Freiheit verbunden und somit das Risiko, dass der Helfer wieder gehe, sobald ihm etwas nicht gefalle.

Diese Haltung stehe den Strukturen traditionsbewusster Vereine entgegen. Wittig-Koppe regte an, innerhalb der Organisationen die eigenen Strukturen auf Aktualität und die Bereitschaft für neue Ideen und Haltungen zu prüfen. Vor allem in der Flüchtlingshilfe hätten sich wenig nachhaltige Hilfsmotive wie Mitleid und falsche Erwartungen von Helfern herauskristallisiert.

Eine Ehrenamtsbeziehung scheitere oft an den unterschiedlichen Erwartungen des Hilfswilligen auf der einen und der Organisation auf der anderen Seite. Holger-Wittig schlägt den Verbänden vor, sich bei Bedarf neu auszurichten und dem Freiwilligen den Sinn des Ehrenamtes zu erläutern.

Das Dilemma der Schulungsmüdigkeit bei Freiwilligen konnte nicht gleich gelöst werden. Oft würden Weiterbildungen von ihnen nicht genutzt, da den Helfern ihre praktische Erfahrung genüge. Mit einem Rat erinnerte Wittig-Koppe an den Wunsch nach Augenhöhe aller Beteiligten: „Wir müssen aus dem Konkurrenz- in den Kooperationsmodus.“

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