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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 18:40 Uhr

Der Weltenbrand aus Heimatsicht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die letzten Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat der OHA aus seinen alten Ausgaben Revue passieren lassen. Lesen Sie heute den letzten Teil der Serie „Eutin vor 100 Jahren“ – Das stand vom 3. bis 9. August 1914 im Anzeiger.

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 11:09 Uhr

Der Aufmacher am 4. August ist „Krieg mit Rußland“, während zwei Tage später die Liste gleich fortgeschrieben wird „Krieg mit Rußland, Frankreich und England“. Man macht sich Gedanken „Wie viel kostet ein europäischer Krieg?“ und versichert sich selbst „Reichsbanknoten sind so gut wie Gold“. Die vom Kaiser befohlene Mobilmachung wird durch das Generalkommando des IX. Armeekorps am 4. August bekanntgegeben. Ausnahmslos alle Offiziere und Mannschaften haben sich bei freier Eisenbahnfahrt sofort an ihrem Gestellungsort zu melden.

 Zwischenzeitlich berichtet der „Anzeiger“, dass er überregionale Nachrichten nur noch über das Wolffsche Bureau beziehen wird. Dies ist der offizielle Depeschendienst, hier werden amtliche Mitteilungen des Generalstabs veröffentlicht, Gerüchte werden ignoriert.

 Am 5. August beginnt die Rubrik „Nachrichten vom Kriege“ – niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass sie für fast viereinhalb Jahre fester Bestandteil der
Zeitung werden sollte. Wirtschaftliche und finanzielle Kriegsbetrachtungen wechseln sich in den ersten Tagen ab mit den Bekanntmachungen über die Einstellung des öffentlichen Eisenbahnverkehrs infolge der Mobilmachung des Reichsheeres und Meldungen über Beschränkungen des Post-, Telegraphen- und Fernsprechverkehrs mit dem Ausland ab. Auch wird das Aufsteigenlassen von Luftfahrzeugen untersagt. Parallelen zum vor 44 Jahren begonnen Krieg werden gezogen. Patriotische Gedichte von Friedrich Sieck, Süsel, werden veröffentlicht und mit dem Artikel „Wir treten zum Beten …“ gibt auch die Kirche den Kampfhandlungen ihren Segen. Auch Großherzog Friedrich August ruft „seine Oldenburger“ zur Armee und hofft, dass sie es „ihren Vätern in Manneszucht und Mannesmut gleichtun werden“. Bereits am 9. August vermeldet der „Anzeiger“ die Einnahme von Lüttich.

 Auf regionaler Ebene hat der Krieg direkte Auswirkungen auf dem Schulbetrieb, der nach den Sommerferien gerade wieder geordnet anlaufen müsste. Die Realschule verschiebt den Unterrichtsbeginn um fast 14 Tage, da neun Lehrer einberufen sind. Es werden Aushilfskräfte gesucht. Am Gymnasium machen die Primaner die Notreifeprüfung, darunter die Eutiner Hans Drenckhan – Stendorf, Karl-Wilhelm Hanssen – Neumeierei und Robert Holtermann. Der Unterricht an der kaufmännischen Fortbildungsschule fällt bis auf weiteres aus.

 Der Vaterländische Frauenverein bildet Helferinnen aus und bittet um Spenden in Form von Tabak und Zigarren. Auch Kirchenrat Rahtgens ruft zur Teilnahme auf. Für die katholische Kirche bietet Schwester Gebharda einen Krankenpflegekurs an, die Kollekte wird für Familienangehörige der im Feld stehenden Soldaten verwendet.
 Die Geschäftswelt reagiert ebenfalls schnell: die Uhrmacher und Optiker Lankenbeck und Schlüter bieten Soldatenuhren, Armee-Ferngläser und Schießbrillen an. Der Lokal-Handelsverein bittet allerdings während der Dauer des Krieges um Barzahlung.

 Am 9. August beschreibt der „Anzeiger“ die Begeisterung, die Eutin am 08. August ergriffen hat, als das III. Bataillon seine bisherige Heimat verlässt, um sich seinem Regiment in Lübeck anzuschließen. „Eine große Menschenmenge gab den Vaterlandsverteidigern bis zum Bahnhof das Geleit. Kurz vor Abgang des Sonderzuges wurde dem Publikum gestattet, den Bahnsteig zu betreten, wo Herr Bürgermeister Mahlstedt im Rahmen der Bürgerschaft Eutins den Scheidenden ein herzliches Lebewohl sagte. Herr Major von Forstner dankte hierauf im Namen des dritten Bataillons für alles Gute, was denselben hier zuteil geworden sei. „Deutschland, Deutschland über alles“ wurde angestimmt und vorwärts ging‘s, um für die Ehre des Vaterlandes einzutreten. Die Berichterstattung schließt mit einem plattdeutschen Gedicht: „To’n Abschied vun uns Battljohn“.
 Damit stehen auch Eutiner in einem unvorstellbaren Gemetzel, das vier Jahre anhalten wird.

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