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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 15:56 Uhr

Der Vogel mit dem platten Schnabel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

OHA-Serie Vogelkunde: Eine Vogelart ist auf dem Vormarsch. Der sogenannte Löffler breitet sich an der Nordseeküste immer weiter aus

Als wichtigstes Nachschlagewerk über die europäische Vogelwelt gilt seit 50 Jahren „Das Handbuch der Vögel Mitteleuropas“ (Herausgeber Urs N. Glutz von Blotzheim) mit seinen 22 Bänden, die fast einen Meter Platz im Bücherbord einnehmen. Während im Jahre 1966 im ersten Band für das gesamte Wissen um den Löffler gerade mal 13 Seiten reichten, sind in der Zwischenzeit die Kenntnisse um die Avifauna so gewachsen, dass zum Beispiel im Falle des Stars im Rahmen der weiteren Bearbeitung aller Vogelarten bereits 81 Seiten bedruckt wurden.

In einem Bericht über „Bemerkenswerte Brutvorkommen 2013“, herausgegeben vom Dachverband Deutscher Avifaunisten („Vögel in Deutschland“), steht, angesichts der Zunahme des Löfflers an der Nordseeküste sei es nicht ganz überraschend, dass der erste Brutversuch dieses Vogels nun auch im Binnenland festgestellt wurde, und zwar in Baden-Württemberg. Der schleswig-holsteinische Brutbestand des Koloniebrüters auf Föhr (seit 2007), Trischen (seit 2002), Oland (seit 2000) und Südfall (seit 2009) liegt dieses Jahr bei 220 Paaren. Es sind also stets Inseln oder Halligen, die zur Anlage ihrer Bodennester gesucht werden. Das aus gutem Grund: In der Regel sind die Eilande noch frei von Prädatoren (Fraßfeinden).

In der gleichen Abhandlung wird übrigens die erste deutsche Brut des Heiligen Ibis im Jahre 2013 in Bayern beschrieben; diese Meldung ist falsch. Der Autor dieser Zeilen hatte in einem Beitrag der Vogelkunde
bereits am 30. Juli 2004 über drei Brutpaare in Ostholstein berichtet.
 Zurück zum Löffler: In den letzten Jahrzehnten hat sich sein Brutgebiet, ausgehend von den Niederlanden, deutlich erweitert. 1982 wurde dort ein Programm der individuellen Kennzeichnung mit farbigen Ringen gestartet, um Zugverhalten und Dynamik der Ausbreitung zu untersuchen. Nach dem Jahre 2002 gibt es eine internationale Zusammenarbeit, und seitdem sind ungefähr 1000 Löffler im Nest beringt worden. Dieser Stelzvogel zieht ab August/September entlang der atlantischen Küstenlinie in afrikanische Küstengewässer, der überwiegende Teil verlebt den Winter im Senegal und Gambia, einzelne Individuen versuchen aber gelegentlich, im Rheindelta zu überwintern.

Bei der Nahrungssuche „durchschnattert“ der Löffler das Wasser und den Schlamm nach Nahrung,
wobei er den Schnabel seitlich hin und her schwenkt. Dabei erfasst er
Fische, Wasserinsekten, Krebse sowie Schnecken und Muscheln inklusive ihrer Gehäuse. Zur Nahrungssuche neigt der Löffler genauso wie die in den letzten Jahren bei uns häufiger zu beobachtenden Silberreiher dazu, sich dort niederzulassen, wo sich
bereits weiße Vögel wie Möwen oder sogar weiße Gänse aufhalten.

Das für die Jungen herbeigebrachte Futter wird nicht nach Storchenart dem Nachwuchs in den Horst hervorgewürgt, sondern die Jungvögel müssen sich selbst aus dem Kropf der Altvögel bedienen (eine Zeichnung nach einem Foto und eigenen Beobachtungen findet sich im „Glutz“).

Vor dem Verlassen der Kolonie wechseln die Jungvögel oft auch in fremde Nester, so dass verschieden großer und unterschiedlich alter Nachwuchs dort zusammen stehen können, oder sie finden sich zu einem „Kindergarten“ nach Art der Eiderenten zusammen.


www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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von
erstellt am 04.Aug.2015 | 13:05 Uhr

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