Der „unreine“ Vogel

Der Wiedehopf ist als Zugvogel in Ostholstein nur zu Gast.
Der Wiedehopf ist als Zugvogel in Ostholstein nur zu Gast.

Der Wiedehopf – auf der Durchreise in Ostholstein

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25. Juli 2014, 11:21 Uhr

Er nimmt bezüglich der Gefiederfärbung, seiner Haube, des Schnabels und seiner Stimme eine Sonderstellung unter den europäischen Vogelarten ein, und er ruft oft stundenlang sein penetrantes hu-pu-pu, was auch in vielen Sprachen zu seinem dortigen und wissenschaftlichen Namen geführt hat – Upupa epops, der Wiedehopf.

In den Urlaubsgebieten am Mittelmeer ist der Vogel gar nicht so selten; der Klimawandel wird sicher dazu beitragen, dass er sich auch in nördlichere Regionen als Brutvogel niederlassen wird. Die Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland liegen noch in den Tallandschaften Frankens, im Oberrheingraben, im Rhein-Main-Gebiet und im rheinhessischen Hügelland.

„Kothahn“ nannte man ihn, weil seine Jungen sich mit Gestank gegen Feinde imprägnieren – ähnlich wie Stinktiere können sie sich mit Hilfe einer Stinkdrüse gegenüber potenziellen Fressfeinden unbeliebt machen. Diese Abschreckung aber galt und gilt nicht für italienische Speisentöpfe. Ihr bevorzugter Lebensraum ist die offene Landschaft, die in warmen und trockenen Klimaten liegen sollte. Wiedehopfe lieben eine schüttere Pflanzendecke, um ihre Bodenjagd zu gestatten. Und sie hüpfen dabei nicht, was man aus dem Namen entnehmen könnte. Ihre Nahrung ist ausschließlich animalisch und besteht aus großen Insekten, Regenwürmern sowie Schnecken, vereinzelt auch aus Fröschen, nicht so selten aus Eidechsen und ausnahmsweise auch aus Eiern anderer Vogelarten.

Wiedehopfe sind Zugvögel, und ihre Beringung als nicht flügge Exemplare erbrachte, dass die Vögel aus Westfalen im September Jugoslawien und Italien (Toskana) aufsuchten, aus Niedersachsen sich auf Sizilien einfanden, aus Rheinland-Pfalz nach Frankreich, Neapel und Sizilien zogen und noch einmal aus Westfalen an die Rhone flogen – alles keine ausgesprochenen Weitflüge. Aber dazu wird eine Ausnahme bekannt: Ein in Weißrussland beringter Wiedehopf flog deutlich weiter und wurde zwei Jahre später auf Malta geschossen.

Der erste sowie der aktuelle Brutvogelatlas Schleswig-
Holsteins widmen dem Wiederhopf aus verständlichen Gründen keine Aufmerksamkeit. Im „Vogelleben zwischen Nord und Ostsee“ (Schmidt/Brehm, 1974) wird er mit einem sporadischen Vorkommen im 19. Jahrhundert beschrieben, besonders in holsteinischen Wald-Knick-Wiesen-Biotopen mit letzten Bruten um 1910. Ab etwa 1950 gab es vereinzelt Brutversuche in heimischen Kieskuhlen, und 1968 soll es im schleswig-holsteinischem Grenzgebiet zur damaligen DDR eine erfolgreiche Ansiedlung gegeben haben. Die zitierte Quelle berichtet weiterhin, dass die Anzahl der Zuggäste in den letzten zehn bis 15 Jahren deutlich zugenommen hat.

Gerhard Pfeifer nennt in seinem Buch „Die Vögel der Insel Sylt“ (2003) seit 1968 immerhin 17 Beobachtungen des Wiedehopfes, möglicherweise verdriftete Tiere aus dem
kleinen und unregelmäßigen Brutvorkommen in Dänemark. Auch auf anderen Nordseeinseln und Halligen, zumal auf Helgoland, wurden Nachweise notiert. Der Wiedehopf erscheint seit 1949 auf der Insel Fehmarn als vermehrter Durchzügler Schleswig-Holsteins; es handelte sich aber immer um einzelne Beobachtungen. In „Die Vögel der Insel Fehmarn“ (Berndt u. a., 2005) ist zumindest vermerkt, dass 1982 in Mecklenburg-Vorpommern noch 40 Brutpaare brüteten. Die fehmarnschen Vögel sind sicherlich Streifgäste – so liest man – von brutwilligen Wiedehopfen aus den kleinen Ansiedlungen im Norden und Osten gewesen, aber es bliebe die Hoffnung, dass der interessante Vogel sich wieder einmal auch bei uns brutwillig sehen ließe.

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