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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 14:17 Uhr

Der Spatz: Erst begrüßt, dann bekämpft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bereits in den 50er Jahren befasste sich der vor 25 Jahren verstorbene Vogelkundler Günther A. J. Schmidt mit dem Spannungsfeld zwischen Vogelschutz und -Abwehr

Aus einem vollen, ornithologischen Schaffen heraus verstarb am 13. März 1992, also vor gut 25 Jahren, der erst 64-jährige Kieler Studiendirektor und vogelkundliche Lehrer des Autors dieser Zeilen, Dr. rer. nat. Günther Alfred Julius Schmidt, Gründer der „Vogelkundlichen Arbeitsgruppe Schleswig-Holstein (1968)“. Schmidt stammte aus Büttel unweit der Elbe, und er wurde bereits in einem Lehrerhaushalt geboren – seine Vorfahren waren jedoch Bauern in der Wilstermarsch.

Der Autor mit vogelkundlichen Erlebnissen als Schüler im Flensbuger „Verein zum Schutze der Vögel“ groß geworden, nach entsprechendem Umzug 1979 Vorsitzender der „Eutiner Gruppe im Deutschen Bund für Vogelschutz“, suchte nach Weiterbildung im ornithologischen Bereich innerhalb Schleswig-Holsteins und wurde in der Schmidtschen Exkursionsgruppe freundlich aufgenommen. Dieser Mann war mit seinem umfangreichen, ornithologischen Wissen und seiner lebendigen, mitreißenden Art in der Lage, dem Jüngeren die Tür zur kenntnisreichen Freilandornithologie weit aufzustoßen.

Bereits 1954 befasste sich Schmidt in einer wissenschaftlichen Festschrift für die Familie Hähnle, die 1899 in Stuttgart den „Bund für Vogelschutz“ gegründet hatte, mit Bemerkungen zur Sperlingsbekämpfung. Gemeint war der Haussperling, dessen Zahl hierzulande mittlerweile stark abgenommen hat. Schmidt berichtete, dass die Einwohner von Philadelphia (USA) 1869 durch ihren Oberbürgermeister Tausend Haussperlinge freiließen, die Insektenschäden im Pflanzenbereich der Region „in den Griff bekommen sollten“.

Nur wenige Jahre vergingen, und es erscholl der Ruf nach Verfahren zur Reduzierung der Getreideschäden durch den Spatz – so schnell kann es gehen. Hier manifestiert Schmidt bereits die grundsätzlich unterschiedlichen, diffizilen Auffassungen zwischen Vogel-Schutz und Vogel-Abwehr im Naturschutz – die Reihe der Konflikte lässt sich aus heutiger Sicht fortsetzen: Zahl der Kormorane und Binnenfischerei, Gänsearten in der Landwirtschaft, Pfeifenten auf Fehmarn, Möwenarten in Touristenhochburgen an den Küsten, Schwalbenschmutz im Carport, Drosseln und Erdbeeren, Krähenvögel und Singvogelverluste oder auch Stare und Kirschenernte.

Auf Grund des freundlichen Entgegenkommens des Pfanzenschutzamtes Kiel hatte Schmidt 1953 mehrfach Gelegenheit, nach Klagen aus der Landwirtschaft und aus den Stadtrandbezirken (Gärten) an den Bekämpfungsaktionen gegen die Sperlinge mit grün gefärbtem Giftweizen aus biologischer und wissenschaftlicher Sicht teilzunehmen. Schmidt sah diese Aktionen durchaus kritisch, zumal jeder tote Sperling einen Kostenaufwand von 0,90 bis 1 DM erforderte und jedes Jahr aufs neue Jungsperlinge nachrücken, die die Lücken kurzfristig auffüllen würden. Die Kontrollen ergaben, dass es nicht zu verhindern schien, dass auch andere Körnerfresser wie Goldammern, Buch-, Berg- und Grünfinken sowie Meisen- und Drosselarten sich unter den Vergifteten fanden, was unliebsame Kontroversen aller Institutionen und Vereinigungen mit sich bringen würde. Schmidt wies in diesem Zusammenhang auf die Forderung hin, dass auf eine einwandfreie Handhabung und vor allem auf die Sonderstellung des Feldsperlings zu achten wäre, der unter der allgemein apostrophierten Bezeichnung „Sperling“ mit abgeurteilt wurde.

Zeitlich parallel zu den Vergiftungsaktionen wurden seitens des „Bundes für Vogelschutz“ in Zusammenarbeit mit der Firma Schwegler Fangkörbe entwickelt, die Schmidt in den Vordergrund seiner Empfehlung stellte. In seinen letzten Lebensjahren hat er seine jüngeren Mitwanderer immer wieder darauf hingewiesen, dass er sich ausgesprochen warme Sommermonate wünsche, mit einem reichlichen Insektenvorkommen, damit Mehrfachbruten der Haussperlinge mit zahlreichen Jungvögeln möglich wären – ihre Situation und der Zeitgeist hatten sich in den letzten 75 Jahren erheblich gewandelt.

Weitere Informationens finden sich unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 12:21 Uhr

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