Der Segen der Seen

von
17. August 2018, 13:06 Uhr

In diesem Sommer gehe ich besonders gern frühmorgens im See schwimmen. Täglich. Die morgendliche Stille und die Frische des Wassers laben mich. Das kühle Wasser erfrischt meinen Körper nachhaltig für bestimmt zwei Stunden, die Stille weitet mein Herz. Außer dem leisen Plätschern bei jeder Schwimmbewegung und dem Geschnatter einiger Gänse gibt es kein Geräusch.
Und es gibt Gewohnheiten, die auf Gewohnheiten treffen, berührende Begegnungen und dramatische Geschichten. So begrüße ich allmorgendlich das Blässhuhnpaar, das unter der Brücke schläft, stehend und auf einem Bein. Der Haubentaucher, der allein mit einem Kind übrig blieb, kommt nun nicht mehr. Eines morgens schwammen zu viele Federn auf dem See, vermutlich vom anderen Elternteil und zweiten Kind. Auch wenn es vermutlich der Seeadler war, der ebenfalls Kinder zu füttern hat, ist es irgendwie traurig. Aber die Krähe, die gelernt hat, bei großer Wärme morgens zu baden, ist inzwischen eine mir liebe Bekannte.

Neulich, vor ein paar Tagen, schwamm plötzlich keine vier Meter von mir entfernt eine Geschwisterschar von fünf halbstarken Enten vorbei. Das leise mahnende Piepen der weiter hinten schwimmenden Mutter ignorierten sie. Mutter Ente hatte mich natürlich längst als potentielle Gefährdung entdeckt. Die jungen Enten aber ließen sich nicht irritieren. Ich meinerseits machte nur noch so kleine Bewegungen im Wasser, dass ich gerade eben nicht unterging und hielt den Atem an, so gut ich konnte. Gleich am nächsten Tag zu eben der Zeit kamen sie wieder vorbei. Genau so nah. Dieses Mal die Entenmama mitten zwischen ihren Jungen; so kann man schließlich besser aufpassen. Und jetzt erwarte ich sie jeden Morgen, dankbar für solche Momente, in denen ich mich der Natur näher empfinde als sonst. Und dankbar, dass ich hier leben darf, in diesem wunderschönen Fleckchen Erde mit all seinen Seen.
Rosemarie Schrick

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