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Ostholsteiner Anzeiger

16. August 2017 | 19:44 Uhr

EUTIN : Der Platz für Flüchtlinge wird knapp

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Mehr als 100 Flüchtlinge müssen Eutin und Süsel in diesem Jahr aufnehmen – Spätaussiedler und nachkommende Familie nicht mitgerechnet.

Es ist kalt, eiskalt im Lindenbruchredder. Hausmeister Daniel Bröker fährt mit der Schubkarre Holz vor jede Haustür der Baracken. Zwei Säcke pro Tag, sechs insgesamt, denn die mittlerweile 31 Flüchtlinge wollen auch am Wochenende heizen. Die Wege sind geräumt, kein Müll liegt auf der Wiese, kein Unrat zeichnet sich unterm Schnee ab. Der Lindenbruchredder ist beinah nicht wieder zu erkennen, lagen doch hier noch vor Monaten nicht nur die toten Ratten auf den Gehwegplatten (wir berichteten). „Die Stadt bemüht sich“, das merken die Flüchtlinge. „Es ist besser geworden“, sagen zwei junge Männer.

Doch es wird langsam eng. Eine Wohnung ist noch frei am Lindenbruch, die ist allerdings für die Neuankömmlinge anfang der Woche vorgesehen. Eine weitere wird renoviert, dann ist die Unterkunft voll. In der Riemannstraße ist laut Julia Lunau vom Ordnungsamt auch nur noch ein Zimmer frei. Lunau: „Wir mieten Wohnraum an und sind ständig auf der Suche nach Neuem.“ Bestenfalls werde die Stadt zehn Tage vor Ankunft der Menschen informiert. Noch gelinge es, in der kurzen Zeit eine erste Unterkunft bereitzustellen. Doch es wird knapp, sagt Lunau.

Die neuerworbene Immobilie Bahnhofstraße 15 könnte Abhilfe schaffen, steht jedoch erst ab März zur Verfügung. Lunau: „Die alte Eigentümerin räumt bis dahin aus. Danach müssen wir die Zimmer erst noch renovieren.“ Wie viele Flüchtlinge dort untergebracht werden können, sei noch nicht klar. Auch die Pläne in der Weidestraße werden weiterverfolgt.

Allein Eutin muss in diesem Jahr laut Quote 80 Flüchtlinge aufnehmen, Süsel 21. „In Süsel ist die Unterbringung allerdings schwer, wenn die Menschen gar kein Deutsch können, aber Bus fahren müssen, um zu allen wichtigen Einrichtungen zu kommen“, sagt Julia Lunau. Vereinzelt werde auch hier Wohnraum gesucht, die Erstunterbringung muss jedoch aus den genannten Gründen auch von Eutin geschafft werden. Ein großes Problem bereite der Stadt derzeit die Rückkehr vieler Spätaussiedler aus dem einstigen alten Jugoslawien und Syrien, wie Lunau sagt. „Sie waren schon mal bei uns, haben Eutin deshalb als letzte Meldeadresse in Deutschland und werden sofort wieder hierher geschickt, sobald sie zurückkommen“, erzählt Lunau. Diese Menschen werden – ebenso wenig wie Familien, die hier aufgenommene Flüchtlinge nachholen – nicht auf die Quote angerechnet, müssen von der Kommune aber dennoch untergebracht werden. „Und das stellt uns echt vor Probleme.“ 150 Personen und mehr seien deshalb laut Stadt eher realistisch als Flüchtlingszahl für Eutin und Umgebung.

Wegen des großen Platzmangels die Bevölkerung um Mithilfe zu bitten, komme derzeit für die Stadt noch nicht in Frage: „Wir haben einige Angebote von privaten Vermietern, die bereit sind, Flüchtlinge unterzubringen, wenn sie sich eingewöhnt haben und über Deutschkenntnisse verfügen. Aber Wohnungen für die Erstaufnahme wollen die Menschen nicht. Diesen Wunsch respektieren wir.“

 

 

 

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erstellt am 07.Feb.2015 | 07:00 Uhr

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