Der „Opel Manta“ ist seine besondere Liebe

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Der 56-jährige Jürgen Struck aus Ascheberg und der Opel Manta GTE begleiten sich bereist seit 33 Jahren / Der Schrauber kennt jedes Teil an seinem Gefährt

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21. März 2017, 13:54 Uhr

Eine besondere Liebe, die einige Klippen umschifft hat, verbindet Jürgen Struck mit seinem Auto. Den Manta GTE, der heute Kult-Status genießt, besitzt der Ascheberger seit 33 Jahren. Der 56-Jährige darf mit Fug und Recht behaupten, jede Schraube daran zu kennen. Fünf Jahre brauchte es, den Wagen zu zerlegen und von Grund auf zu restaurieren.

Die Geschichte beginnt 1978, als Struck bei Claus-Peter Estorff von Opel-Estorff in Plön eine dreijährige Ausbildung zum Kfz-Mechaniker antritt. Damit wird der Grundstein für „eine gewisse Opel-Affinität“ gelegt, der sich später auch Ehefrau Katrin (51) und die Kinder Momme (23) und Merle (21) nicht entziehen können. „Für die Kinder war es das erste Auto, mit dem sie gefahren sind“, sagt Struck rückblickend.

Für die Reederei Hamburg-Süd fährt er ab 1981 als Matrose zur See, schaut sich die ganze Welt an. 1984 kommt er nach Hause, will die Seefahrtsschule in Lübeck besuchen. „Ich brauchte ein Auto, um von Ascheberg dahin zu kommen“, erzählt Struck. Also schaut er sich bei Estorff um. „Im Auge hatte ich eigentlich einen Kadett D GTE in weiß, der kostete knapp 23  000 Mark. Im gleichen Raum stand der Manta für 21  500 Mark. Der war günstiger und irgendwie mehr Auto als der Kadett, hatte einen richtigen Kofferraum und war von der Form her gefälliger“, erinnert sich Struck noch gut an die Gründe, weshalb er den 110 PS-starken Wagen mit Erstzulassung 1. Oktober 1984 kaufte.

Jetzt hat Struck ein Auto, nutzt es aber nur phasenweise, denn die Ausbildung geht weiter: Mit dem Kapitänspatent mittlere Fahrt fährt er zwei Jahre als Wachoffizier zur See, studiert an der FH Oldenburg in Elsfleth im Fachbereich Seefahrt, erwirbt das Kapitänspatent große Fahrt, verbringt zwei weitere Jahre auf See als Wachoffizier. 1993/94 geht er an die FH nach Hamburg, wird Schiffsmaschinenanlagetechniker, fährt für die Reederei Hamburg-Süd bis 2001 und arbeitet seit 2002 als Lotse auf dem Nord-Ostsee-Kanal und auf der Trave.
Der berufliche Werdegang und insbesondere die Ausdauer, die Struck dabei an den Tag legt, stehen exemplarisch für die Geduld, die er aufbringen wird, um sein Auto komplett zu erneuern.

Bis 1997 fährt Struck seinen Manta, dann kommt das Auto in die Garage. „Ich konnte keinen TÜV mehr bekommen, das Bodenblech auf der Fahrerseite war vom Rost zerfressen, die Längsträger auf beiden Seiten waren kaputt. Damals habe ich für mich beschlossen, der Manta kommt erst weg, wenn ich mir einen Porsche 911 leisten kann (also nie). Man muss sich ja treu bleiben“, sagt Struck mit einem Schmunzeln.

Bis 2011 steht der Manta in der feuchten Garage. „Es gab keine Ecke, wo nicht Blecharbeiten zu machen waren.“ Noch ahnt Struck nicht, dass es bis Mai 2016 dauern wird, das Auto komplett in seine Einzelteile zu zerlegen und neu zusammen zu setzen. Struck belegt einen Lehrgang Oldtimer-Restaurierung in Schweinfurt, holt sich von dort den Karosseriebaumeister Karl-Heinz Bender zu Hilfe. „Nach dem Sandstrahlen wurde das ganze Elend offensichtlich. Er ist ein wahrer Künstler, der kann Blech biegen! Ohne ihn hätte ich es nicht in der Zeit und nicht in der Qualität gepackt. Das nahm kein Ende und war eine Sisyphusarbeit.“

Nur die Freude darauf, das Projekt fertig und das Auto wieder zum Laufen zu kriegen, lässt ihn durchhalten. 36  000 Euro steckt er in sein Hobby, scheut weder Mühe noch Kosten. Mehrere Lagen Blech werden geschweißt, dann geht es nach Stuttgart in ein Tauchbad zum Entrosten und Entlacken, es folgen ein kathodisches Tauchbad als Korrosionsschutz, eine gute Lackierung und eine Hohlraumversiegelung mit Wachs. Der Original-Motor kommt nach Nürnberg zur Überholung, erhält alles neu, was neu muss.

An der Werkbank im Keller wird die Technik des 1000 Kilogramm schweren Fahrzeugs zurechtgebastelt: Ehefrau Katrin, mit der Struck seit 1986 zusammen ist, hilft mit. „Früher bin ich auch mit dem Manta gefahren, seit der Restaurierung weigere ich mich“, gesteht sie lachend. 235  000 Kilometer hat der Wagen heute auf dem Tacho und ist einer von 1390 Manta, die beim Kraftfahrtbundesamt bundesweit gemeldet sind, sagt Struck. All die Jahre bleibt sein Manta angemeldet, damit er das Kennzeichen nicht verliert.

Ein H-Kennzeichen für Oldtimer ab 30 Jahren will er aus demselben Grund nicht. Obwohl er damit in städtische Umweltzonen fahren dürfte. Weil er jedoch beruflich viel auf dem Wasser ist und ein Auto für den Alltag besitzt, ist ihm das nicht wichtig. Der Manta darf nur bei gutem Wetter raus. Manchmal geht es zu Oldtimer-Treffen, und ab und zu wird er auf sein Auto angesprochen, erzählt Struck. „Das nächste Projekt ist auch schon in Sicht“, verrät er. „Ein Kadett B von 1972 von meiner Schwester. Der steht seit 15 Jahren in einer Garage.“  

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