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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 10:21 Uhr

Der neue Immenhof trägt wieder Ziegel

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Nach rund einem Jahr Bauzeit auf Gut Rothensande sind die alten Gebäude entkernt und neue entstehen. Mitte 2018 sollen die ersten Feriengäste einziehen

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 14:41 Uhr

Ole Marxen steht im Rohbau des künftigen Verwaltergebäudes auf Gut Rothensande, das direkt neben der Scheune entsteht. In dem neuen Torhaus werden einst die Gäste einchecken, die ihren Urlaub auf Gut Immenhof verbringen wollen. „Das ist doch klasse“, schwärmt Marxen über die Architektur mit Zierelementen im Giebel und elegantem Torbogen. „So baut heute kein Mensch mehr.“

Das Gut, das in den 50er Jahren als „Immenhof“ in die Fernsehgeschichte einging, übt bis heute eine enorme Anziehungskraft auf Fans aus. Marxen kennt den in der Schweiz lebenden Eigentümer seit Kindheitstagen. Für ihn hält der 51-Jährige hier die Fäden in der Hand, organisiert den Aus- und Umbau der gesamten Anlage samt Scheunen, Ställen sowie Tor- und Herrenhaus zu einer Ferienanlage mit Reitbetrieb.

Die Fassade des neuen Torhauses besteht aus rotem Klinker – nicht irgendeinem: Die Ziegel wurden eigens in der Form nachgebrannt, wie sie an bestehenden Gutsgebäuden vorgefunden wurden. In den vergangenen Jahrzehnten fristeten sie ihr Dasein unter vielen Farbschichten, die nun – Stein für Stein – abgeschliffen werden. Verbaut werden die neuen Ziegel auch in den beiden Remisen zur Nord- und zur Südseite des alten Torhauses, deren Vorläufer aufgrund von Baufälligkeit abgerissen wurden. In weiß erstrahlen wird allerdings auch künftig das Herrenhaus.

Die tägliche Betriebsamkeit auf der Baustelle ist beeindruckend. Rund 20 Firmen aus dem nordöstlichen Schleswig-Holstein hat Marxen beauftragt. Vier große Baukräne stehen auf dem Gut, täglich sind Dutzende Bauarbeiter auf den Gelände. Was das alles kostet, darüber schweigt Marxen. Aber für Malente seien die Investitionen mehr als ein Glücksfall.

Die Arbeiter ziehen Wände hoch, decken Dächer und richten unmittelbar an der Landesstraße 174 einen Parkplatz für rund 180 Fahrzeuge her. Sie haben zahlreiche Bäume gefällt, die Kastanienallee zum alten Torhaus ausgelichtet und sämtliche Gebäude entkernt.

Die ehemals düstere Ausstrahlung des Herrenhauses mit seinen abgehängten Decken und dunklen Holzvertäfelungen ist verflogen. Das Innere offenbart nun ein großzügiges Raumgefühl. „Das sind richtige Hallen geworden“, findet Marxen. Hier entstehen zwölf Zimmer, jeweils sechs im alten Verwalterhaus und im alten Pferdestall. Im alten Torhaus sind 23 Gutssuiten mit jeweils vier Betten für Familien geplant. Weitere Ferienwohnungen befinden sich in den Gebäuden auf dem Beutzkamp, die bereits weitgehend saniert sind.

Das Melkhaus mit seiner Gastronomie wird einen Veranstaltungssaal mit gewaltigen Dimensionen beherbergen: Bis zu 350 Gäste können hier einmal Konzerte und Lesungen erleben oder Hochzeiten feiern. Vor dem Melkhaus entsteht eine Terrasse mit Kellersee-Blick. Gäste können dann sehen, wie in unmittelbarer Nähe die Kellersee-Fahrt anlegt. Für die Energieversorgung der gesamten Anlage ist ein Blockheizkraftwerk mit einem Megawatt Leistung geplant.

Mitte 2018 sollen die ersten Gäste kommen: „Das ist nach wie vor richtig sportlich“, sagt Marxen. Denn die Herausforderungen sind immens. Besonders die Gründung des gesamten unter Denkmalschutz stehenden Ensembles verlangt den Bodengutachtern und Statikern einiges ab. Für die Neubauten wurden 70 Pfähle mit einer Länge von 18 Metern in den Boden gerammt. Bei den bestehenden Gebäuden müsse nun jede einzelne Stütze des Ständerwerks unterfüttert und mit einer Bodenplatte aus Stahlbeton befestigt werden, berichtet der Projektbetreuer. „Das hat vorher keiner gewusst. Die Statiker haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.“ Aufwendige Bodengutachten seien nötig gewesen. Besonders dringend war die Sanierung der alten Scheune, deren Giebel zeitweise abgestützt werden musste, weil sie bereits 30 Zentimeter aus dem Lot geraten war. Dennoch ist Marxen zufrieden mit dem Baufortschritt: Mehr kann man in einem Jahr nicht schaffen“, sagt er.

Marxen baut in gewissem Sinne auch für sich selbst. Denn der Malkwitzer will den künftigen Immenhof einmal selbst betreiben. Bis zu 45 Mitarbeiter sollen pferdebegeisterte Feriengäste umsorgen. „Sie sollen den Immenhof neu erleben können“, sagt Marxen. Er verspricht eine Vier-Sterne-plus-Ausstattung, die preislich aber eher bei drei Sternen liegen soll. „Ein Ferienhof für jedermann“, das ist die Idee. Besonders für Pferdeliebhaber: Die Gäste sollen ihre Vierbeiner mitbringen können. 18 von 23 Boxen werden für sie reserviert sein. „Das gibt es hier in Schleswig-Holstein selten“, weiß Marxen.

Ob auch das Immenhof-Museum seinen Platz auf dem Gut finden wird, ist noch nicht entschieden.
Marxen weiß derzeit nicht, wo er das Museum unterbringen könnte. „Man denkt immer, das ist ein großer Hof.“ Aber die zur Verfügung stehende Fläche sei bis auf den letzten Quadratzentimeter verplant.

Seine heutige Form verdankt das Gut übrigens Franz Blessmann, der Rothensande 1911 erwarb. Er hätte an dem neuen Immenhof-Gesicht mit offen zu Tage liegenden Klinkern wahrscheinlich seine helle Freude gehabt. Der Mann, der das repräsentative Gutshaus und das Torhaus im Stile historischer Herrenhäuser bauen ließ, war schließlich Eigentümer einer Ziegelei in Kiel. Einen Teil des Vermögens, das er mit deren Verkauf machte, steckte er in Rothensande.

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