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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 08:51 Uhr

Der Maskenmann

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 14:29 Uhr

In einer kleinen Stadt lebte ein Mann, dessen Gesicht niemand wirklich kannte. Der Mann lebte einsam und alleine. Immer bevor er die Wohnung verließ, setzte er, je nach Gelegenheit, die passende Maske auf.

Ging er zur Arbeit, war es die unnahbare „Lass-mich-in-Ruhe-Maske“. Traf er sich mit Vorgesetzten, war es die unterwürfige „Jasager-Maske“. Ging er spazieren, so war es die über alles hinwegschauende „interessiert-mich-nicht-Maske“. Wenn er sich mit anderen Leuten unterhielt, war es die „Bei-mir-ist-alles-in-Ordnung-Maske“. Hatte er mit Kindern zu tun, dann setzte er die allwissende und belehrende „Zeigefinger-Maske“ auf. Und wenn er traurig war, dann war es die starre, ja versteinerte Maske „Nur-keine-Gefühle-zeigen“.

So gab es noch viele Gelegenheiten mit vielen passenden Masken. Der Maskenmann war überall bekannt, aber es wollte keiner etwas mit ihm zu tun haben.

Abends kam der Mann nach Hause, und nachdem er die Tür geschlossen hatte, ließ er seine Maske fallen und zum Vorschein kam ein Gesicht mit Augen, die zu oft das Leid gesehen haben; mit Ohren, die zu oft nur zugehört haben; mit einem Mund, der zu oft umsonst geredet hat; mit einer Nase, die er zu oft in Dinge gesteckt hat, die andere schon aufgegeben haben. So blieb ihm nichts anderes übrig, als über sein verwundetes Seelengesicht einen Schutz zu ziehen.

Vielleicht ist Ihnen so ein Maskenmensch auch schon begegnet und vielleicht wartet er ja nur darauf, dass einer kommt und ihm seine Maske vom Gesicht reißt, und dass Sie ihn mit einem Lächeln anschauen. Dann aber legen zuerst Sie Ihre Maske ab und vergewissern Sie sich, dass Sie darunter nicht noch eine zweite haben, denn erst dann geht ein Lächeln auch wirklich unter die Haut.

Bei Jesus gibt es keine Masken, sondern ganz klare Worte: Gottesliebe, Nächstenliebe, sich selbst lieben. Jesus lädt ein, den Schritt in die Verbindlichkeit Gottes zu tun. Dabei benennt er ganz deutlich das höchste Gebot, Gott an die erste Stelle zu setzen, ihn zu lieben von ganzem Herzen, das heißt, mit der ganzen Persönlichkeit ohne Einschränkung, von ganzer Seele, also mit allen Regungen, Gefühlen und Empfindungen des Lebens, von ganzem Verstand – mit dem Vermögen des eigenen Denkens, Planens und Überlegens

Von ganzer Kraft – mit all den Aktivitäten des Lebens.

Der Maskenmann hat sich anders entschieden. Er hat sich verschlossen, sozusagen alle Klappen dicht gemacht. Er hat nicht bedacht, welche Chance ihm entgeht, die Chance zu einem erfüllten reichen Leben. Vor Gott braucht niemand eine Maske, weil er die Menschen sowieso schon liebt.

Lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen! Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.

Lesen Sie doch einmal im Markusevangelium, Kapitel 12, 28-34.

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