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Feiermeile und Schaumburg : Der Marktplatz und seine bewegte Geschichte

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Er war Viehmarkt und Handelsplatz, Ort großer Sportveranstaltungen, Feiermeile und sogar Filmkulisse – der Eutiner Markt

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erstellt am 27.Jan.2014 | 00:34 Uhr

Er war Viehmarkt und Handelsplatz, Ort großer Sportveranstaltungen, Feiermeile und sogar Filmkulisse – der Eutiner Markt kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Wie wichtig er auch heute noch für seine Bürger ist, wurde Freitagabend in der Kreisbibliothek deutlich. Über 50 Besucher waren im Rahmen der Facebook-Ausstellung „Du lebst schon lange in Eutin, wenn…“ gekommen, um gemeinsam über ihren Markt zu sprechen und Erinnerungen auszutauschen. Eröffnet wurde der Abend mit einem Impulsvortrag von Stadtgeschichtler Klaus Petzold. Er berichtete den Zuhörern über die Entstehung des Marktplatzes als wichtigen Umschlagplatz von Waren, über große Veränderungen im Laufe der Jahre und seine Bedeutung für die Einwohner der Stadt. Alles unterlegt mit Archivbildern, die den großen Wandel verdeutlichten.

Die eine oder andere Anekdote ließ Petzold bei seinen Erzählungen nicht vermissen, besonders wenn es um den Markt als Feiermeile ging. „Wir wurden vorne rausgeschmissen und sind hinten wieder reingegangen“, schmunzelte er bei seinen Erinnerungen an das Hotel Stadt Kiel. Überhaupt war der Marktplatz die Adresse Nummer eins, wenn es darum ging, einmal wieder richtig schön feiern zu gehen. Das Schlosshotel, Tante Fine, das Witwenpalais, das Hotel Stadt Kiel und die Hansa Stuben – die Auswahl war damals noch groß. Das Schlosshotel erwies sich als besonders vielfältig. Klaus Petzold erzählte von Variete-Veranstaltungen, bei denen auch eine junge Frau hoch zu Pferd durch den Saal geritten sei, und an zünftige Vereinsfeiern.

Boxkämpfe im Schwergewicht fanden ein kleines Stück weiter in den Schlossterrassen statt. „Wenn man nicht bis zu fünf oder sechs Meter am Ring saß, hat man nichts von den Boxern gesehen, weil damals so viel geraucht wurde“, erinnerte sich Klaus Schläfke und kehrte zum Markt zurück. Auch sonst sei es beim Feiern gerne hoch hergegangen: „Nicht selten hat jemand Pril in den Springbrunnen gekippt.“ Der Markt sei anschließend zu einer kleinen Schaumburg geworden.

Keinen Hehl machten die Besucher daraus, dass ihnen die großen Veränderungen auf dem Markt nicht immer gefielen. „In den 70er- und 80er-Jahren sind Bausünden begangen worden, die irreparabel sind“, äußerte ein Teilnehmer und erntete dafür große Stimmung. Ein besonderer Dorn im Auge der Eutiner: der 1979 erfolgte Rückbau der Blumenbeete rund ums Kriegerdenkmal. Generell sei man früher eifriger gewesen, wenn es darum ging, sich mit ehrenamtlichem Engagement bei der Gestaltung der Stadt einzubringen. „Es ist traurig, aber man muss sich damit abfinden“, meinte Schläfke.

Dennoch wollen die Eutiner ihren Markt auch heute nicht missen. „Wir haben allen Grund, stolz auf unseren Wochenmarkt zu sein. Wir müssen uns dafür einsetzen, ihn in dieser Form zu erhalten“, unterstrich Regine Jepp von der Bürgergemeinschaft. An diesem Punkt setzte OHA-Redakteur Harald Klipp an, der die Ausstellung gemeinsam mit Gruppen-Gründer André Deutschländer ins Leben gerufen hatte. Für ihn sei der Wochenmarkt auch heute noch ein wichtiger Umschlagplatz von Meinungen: „Da gibt es vor allem sonnabends die unmittelbare Rückmeldung zur aktuellen Zeitungsausgabe.“

Kein Wunder also, dass hier auch die politischen Großveranstaltungen der vergangenen Jahrzehnte stattfanden. Neben Willy Brandt nutzte ihn auch Helmut Kohl für einen Wahlkampfauftritt. Die wohl größten Massen zog jedoch ein anderes Ereignis an. „Ende der 40-er Jahre wurde ein Drahtseil vom Dach der Michaeliskirche zum Rathaus gespannt, über das jemand balanciert ist. Der Marktplatz war schwarz von Menschen“, erinnerte sich Petzold.

 

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