Malente : Der Mann, der Sport versteht, geht in Rente

Das Jahr 2019 hat Harald Kitzel, hier in seinem Büro, künftig nur noch als Privatmann im Blick.
Das Jahr 2019 hat Harald Kitzel, hier in seinem Büro, künftig nur noch als Privatmann im Blick.

Seit 1990 leitete Harald Kitzel das Sport- und Bildungszentrum des LSV

shz.de von
14. März 2018, 17:00 Uhr

An seine Einstellung beim Landessportverband (LSV) erinnert sich Harald Kitzel noch gut. Der gebürtige Grüppenbührener (zwischen Bremen und Oldenburg) hatte in Köln ein Diplom als Sportlehrer erworben und danach als Vereinssportlehrer gearbeitet. Weil ihm die Arbeitszeiten bis tief in den Abend nicht zusagten, absolvierte er ein Aufbaustudium als Sportökonom und meldete sich dann beim Arbeitsamt. Aufgrund seiner Doppel-Qualifikation wurde der damalige LSV-Präsident Hans Hansen auf ihn aufmerksam.

Hansen ließ sich mit Kitzel verbinden und schon eine halbe Stunde später saß der im Büro des späteren Präsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB). „Am Donnerstag war das Vorstellungsgespräch. Dann hat er gesagt, fahren Sie morgen nach Malente, gucken sich alles an, und Montag fangen Sie an“, berichtet Kitzel. Genauso kam es. Das war 1983. Kitzel wurde stellvertretender Verwaltungsleiter, 1990 übernahm er selbst die Leitungsposition. Am heutigen Tag verabschiedet der LSV den 63-Jährigen mit einer Feier. Von April an wird Kitzel dann Rentner sein. Wer sein Nachfolger und damit Chef von 15 fest angestellten und sieben Aushilfskräften wird, steht noch nicht fest, soll aber bald entschieden werden.

Kitzel hinterlasse ein gut bestelltes Haus, sagt LSV-Geschäftsführer Thomas Behr. „Wir brauchen jemanden, der Sport versteht, der erkennt, wie das Haus voll wird, aber auch die Belegung gut koordiniert“, erklärt Behr, der seit 1990 mit Kitzel zusammengearbeitet hat. Der Job ist knifflig. Das Sport- und Bildungszentrum hat 145 Betten. Um die auszulasten, müssen immer gleichzeitig Aktive verschiedener Sportarten im Haus sein, weil die Kapazitäten für jede Sportart jeweils begrenzt sind. „Das ist die Kunst, die man erst im Laufe der Jahre lernt“, weiß Behr.

Mit ihm wird Kitzel weiter zusammenarbeiten, allerdings nur auf Vereinsebene beim TSV Malente. Die beiden wechseln sich ab bei der Leitung des Angebots „Sport für sie und ihn“. Außerdem spielt Kitzel noch bei den alten Herren Handball. „Aber keine Punktspiele.“ Und er ist Leiter der Triathlonsparte. Seinem Abschied beim LSV blickt Kitzel mit gemischten Gefühlen entgegen. „Ich werde mehr Zeit haben, aber mir wird auch etwas fehlen“, sagt er. Schließlich sei er meistens gerne zur Arbeit gegangen.

Um das Sport- und Bildungszentrum einschließlich Schwimmhalle in Schwung zu halten, hat sich Kitzel mit den Jahren einige Angebote ausgedacht: etwa Radwanderwochen, Seniorenakademie, Fasten und Wandern, kulturelle Tenniswochen mit Opernbesuch und Ausstellungen, Zirkuswochen, Erlebniswochen
für Schulklassen oder Schwimmwochen für Schulen. Nebenbei waren die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Kleinere Verletzungen mit einem Pflaster versorgen oder ein Kind trösten, das Heimweh hat. Man sei Sozialpädagoge, Krankenschwester, Psychologe und Lebensmittelhygieniker – von allem ein bisschen, sagt Kitzel.

Alle drei bis vier Jahre waren außerdem größere Baumaßnahmen zu stemmen, bei denen der Betrieb weiterlaufen musste. Die größte war der 3,3 Millionen Euro schwere Neubau des Sport- und Seminargebäudes, das 2006 in Betrieb ging. „Das war schon hammerhart, das Jahr“, blickt Kitzel zurück. Als nächstes soll die Schwimmhalle ein neues Dach und eine neue Lüftung bekommen. Aber darum wird sich nun jemand anderes kümmern müssen.

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