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Der Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit verbunden

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 06.Jan.2016 | 00:32 Uhr

In anderen Städten wie zum Beispiel Lüneburg sind Straßen nach ihm benannt worden: Christoph Johann Rudolph Christiani. Der Geistliche, der heute vor 175 Jahren starb, machte als rationalistischer Theologe Karriere. Zu seinen Wirkungsstätten zählten Kopenhagen, Oldenburg (Ostholstein), Lüneburg – und Eutin, wo er zwei Jahre lang Propst und Konsistorialrat war.

Christiani veröffentlichte zahlreiche Schriften, die Aufsehen erregten, gründete ungewöhnliche Schulen, die sich am Ideal des Philanthropismus (die Lehre von der Erziehung zur Natürlichkeit, Vernunft und Menschenfreundschaft) orientierten, und wurde wegen seines fortschrittlichen und volksaufklärerischen Engagements von Zeitgenossen sowie Historikern mit Honoré Gabriel Victor Riqueti, Comte de Mirabeau, verglichen. Der trat während der Französischen Revolution als Abgeordneter des dritten Standes und Autor fortschrittlicher Erziehungsprogramme hervor. Bei genauem Hinsehen erreichte Christiani freilich nicht die Bedeutung Mirabeaus, sein Wirken blieb aber zumindest in Norddeutschland über seinen Tod hinaus von Bedeutung. In Lüneburg erinnert eine Christiani-Schule an ihn. Außerdem wird er in aktuellen dänischen sowie deutschen Lexika gewürdigt.

Christiani wurde am 15. April 1761 in Norby nahe der Schlei bei Eckernförde geboren. Sein Vater fungierte hier und später in Flensburg als Pastor. Die Mutter des Jungen war eine Tochter des Theologen Gerhard Langreuther in Rendsburg. Da wundert es nicht, dass er schon früh auf eine kirchliche Laufbahn orientiert wurde. Nach der ersten Ausprägung im Elternhaus und dem Besuch der Flensburger Lateinschule studierte Christiani an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Theologie. Er entwickelte sich zum rationalistischen Theologen, der 1788 seine erste Pfarrstelle in Angeln in Südschleswig erhielt und mit ersten Veröffentlichungen im neuen Zeitgeist auf sich aufmerksam machte. Das trug ihm 1793 die Berufung nach Kopenhagen ein, wo er die Schlüsselstellung eines deutschen Hofpredigers übernahm und zur maßgeblichen „deutschen Stimme“ am dänischen Hof gedieh.

Christiani, inzwischen mit der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Caroline Auguste Fernandine Venturini, Tochter eines Mitgliedes der Wolfenbüttler Hofkapelle, verheiratet, legte in Kopenhagen richtig los.
Der rationalistische Hofprediger gründete ein Erziehungsinstitut im Geiste des Philanthropismus, wo auch die Naturwissenschaften, die musische Erziehung sowie die Körperertüchtigung auf dem Stundenplan standen, veröffentlichte weitere Schriften wie „Zur Veredlung der Menschheit“ und erlangte mit seinen Überlegungen deutsche Bekanntheit.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau und zweiter Heirat mit Anna Metthea Hallagen, der Tochter eines Schulmeisters, und angesichts wachsender antideutscher Tendenzen am dänischen Hof übernahm Christiani 1809 die Stelle eines Hauptpastors an der Johanniskirche im holsteinischen Oldenburg. 1812 wurde er nach Eutin zum Propst der Michaeliskirche und Konsistorialrat berufen, wo er zwei Jahre in seinem fortschrittlichen Sinne wirkte, bis man ihn 1814 nach Lüneburg abwarb.

Hier erlebte er arbeitsmäßig seine zweite Jugend. Christiani wirkte als „Pastor primarius“ sowie Superintendent, promovierte an der Universität von Marburg
zum Dr. theol., gründete neben dem Johanneum die erste öffentliche Schule der Stadt und gab das „Lüneburger Wochen- und Intelligenzblatt“ heraus. Diese Zeitschrift gedieh zu seinem Sprachrohr, verbreitete seine Überlegungen zur Kirche, zum Staatswesen und zur Erziehung und machte ihn als Volksaufklärer noch bekannter.

Darüber starb Christiani am 6. Januar 1841 in Lüneburg, ein Jahr vor seiner zweiten Frau. Während zwei Kupferstiche zu ihm in Kopenhagen überliefert sind, gehört das erhaltene Ölgemälde mit der Darstellung Christianis zum Bestand in Lüneburg.

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