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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 20:02 Uhr

Der lange Weg vor den Altar

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Volker Hein hat gerade in Ahrensbök den Abschlussgottesdienst seiner Prädikantenausbildung gefeiert und wird künftig als ehrenamtlicher Prediger für die Gemeinde tätig sein.

Für Volker Hein (51) hat St. Marien in Ahrensbök eine besondere Bedeutung. „Hier habe ich viel erlebt, von der Taufe und Konfirmation bis zur Beerdigung meiner Eltern“, sagt er. Hier hat er nun kürzlich den Abschlussgottesdienst seiner fast dreieinhalbjährigen Prädikantenausbildung gefeiert. Er darf künftig als ehrenamtlicher Prediger Gottesdienste mit Abendmahl leiten oder auch Taufen vornehmen, ohne jedoch für alle Aufgaben eines Pastors oder einer Pastorin befähigt zu sein. Zahlreiche Wochenenden hat Hein dafür gemeinsam im Pastoralkolleg in Ratzeburg zugebracht – und ist nun der erste Absolvent aus dem Kirchenkreis Ostholstein seit 2005.

Seine Mutter gab Volker Hein schon in frühen Jahren die Gewissheit mit auf den Weg, dass Gott auf ihn aufpassen werde. Sein Glaube war da noch sehr vage. „Ich habe mit 21 den Weg zur Kirche gefunden“, sagt er und verbessert sich: „zu Gott gefunden.“ Damals stand eine Rückenoperation an mit der Gefahr, querschnittsgelähmt aus der Narkose aufzuwachen. Doch Hein verspürte ein Urvertrauen, dass er so oder so in Gottes Hand sein werde. Hinzu kam, dass er in dieser Zeit Mitglieder freier Gemeinden kennenlernte, die ihn zu einem ökumenischen Gesprächskreis einluden. „Da habe ich gemerkt, dass es noch viel mehr als ein Urvertrauen gibt, ein bewusstes Leben mit Jesus Christus.“ Als er sich dann noch mit der damaligen Ahrensböker Pastorin Renate Modrow ausführlich unterhielt, „wurde mir klar, wie wichtig es ist, Jesus sein Leben zu geben“, sagt Volker Hein. Er erinnert sich noch sehr genau an jenes Gespräch, am Donnerstag, den 17. September 1987.

Und so wuchs der junge Mann von da an hinein in die Gemeinschaft der Gläubigen, nahm an großen Gottesdiensten in Hamburg teil, interessierte sich sehr für die Ökumene und leitete selbst erste Bibelkreise. „Ich wollte im Grunde die Welt missionieren.“ Für den Anfang hatte sich der damals 23-Jährige eine Aufgabe in Papua-Neuguinea rausgesucht, wo ein Mitarbeiter für Verwaltungsaufgaben in der Missionsarbeit gesucht wurde. „Zum Glück hat es nicht geklappt“, sagt Hein und lacht. Seit 1993 arbeitet er als Verwaltungsfachangestellter und Computerspezialist bei der Stadtverwaltung Eutin.

Ende der 1990er Jahre interessierte er sich sehr für den Besuch einer Bibelschule. Auf einem Seminar für biblisch-therapeutische Seelsorge weckte eine Dozentin sein Interesse dafür. Anschließend besuchte er eine zweiwöchige „Kurzbibelschule“, doch am Ende entschied er sich dagegen.

Mit Pastorin Kirstin Mewes-Goeze kam Volker Hein vor ein paar Jahren über die Prädikantenausbildung ins Gespräch. Er wollte im Gottesdienst gerne mehr Verantwortung übernehmen, sich nicht allein auf Gebete oder die Lesungen beschränken. „Ich möchte meine Freude, mein Verstehen von Glauben in der Predigt rüberbringen“, so Hein, der übrigens einige Jahre ehrenamtlich in der Telefonseelsorge tätig war.

Nun ist es nicht so, dass jeder Interessierte einfach eine Prädikantenausbildung beginnen kann. Neben Eignungs- und Vorstellungsgesprächen entscheidet letztlich ein Ausschuss der Nordkirche, welche Bewerber anfangen dürfen. Volker Hein konnte 2014 die Ausbildung beginnen und durfte ab 2015 erste Gottesdienste leiten. Die Abschlussgottesdienste der Prädikanten ziehen sich bei 20 Absolventen und Absolventinnen natürlich über viele Wochen hin. Bei jedem Einzelnen gibt es im Anschluss eine dreistündige Manöverkritik zur Gestaltung des Gottesdienstes und zur Predigt – was letztlich auch ein bisschen der Ersatz für eine Prüfung ist. Im September gibt es dann Zertifikate und Anfang 2018 werden die Neuen offiziell durch den Bischof in ihr Amt eingeführt.

Privat lebt Volker Hein in einer Partnerschaft und ist Vater einer 17-jährigen Tochter. Er ist Verfasser einiger Gedichtbände, tischlert und fährt gerne Mountainbike. Man kann ihn aber auch beim Laufen in den Wäldern rund um Ahrensbök antreffen. Wer sich da persönlich begrüßt fühlt, irrt nicht: „Beim Laufen kann ich hervorragend meine Begrüßungen für den Gottesdienst üben“, meint Hein schmunzelnd.

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erstellt am 13.Feb.2017 | 16:08 Uhr

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