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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 14:25 Uhr

Der Krimi um zwei tote Seeadler

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Deutschland vor 35 Jahren: Ein betuchter Nürnberger entpuppt sich als Auftraggeber für den organisierten Raub von Greifvögeln

von
erstellt am 25.Sep.2015 | 12:31 Uhr

Im Oktober 2015 ist es 35 Jahre her, dass im Wildpark Eekholt ein Seeadlerpaar durch eine „ganz ausgekochte Organisation“ gestohlen und getötet wurde. Da auch in der heutigen Zeit immer wieder ungeklärte „Abgänge“ dieses Greifvogels zu beklagen sind, soll noch einmal an das Jahr 1980 erinnert werden, in dem in Schleswig-Holstein gerade mal vier Adlerpaare gebrütet haben.

Seitdem kann die Projektgruppe Seeadlerschutz auf einen beispiellosen Erfolg verweisen, waren doch im Jahr 2014 genau 83 Reviere besetzt, im Juli flogen 90 Jungvögel aus. Dankbar gratuliert jeder Vogelfreund den Verantwortlichen und ihren zahllosen Helfern der Projektgruppe Seeadlerschutz.

Zurück zum Diebstahl in Eekholt: Aufmerksame Zollfander sowie die Hartnäckigkeit des Parkbesitzers Hans-Heinrich Hatlapa (✝) ließen endlich die kriminelle Organisation auffliegen.

Der Vorgang liest sich wie ein Krimi. Bei den Ermittlungen spielte „Kommissar Zufall“ eine große Rolle. In der Nähe Nürnbergs war ein Millionärs-Ehepaar überfallen worden. Die eingeleiteten Ermittlungen der Polizei verliefen zunächst erfolglos, da ein Grund für den Überfall – bei diesem wurde der Mann zusammengeschlagen und der Frau die Nase abgeschnitten – nicht so recht erkennbar schien. Die Polizei vermutete, dass Erpressung eine Rolle vorliegen könnte, da auch der Millionär keine weiteren Aussagen machen wollte.

Weitere Untersuchungen des Falles riefen die Zollfahnder auf den Plan. Diese untersuchten nicht nur die Lebensgewohnheiten der reichen Leute, sondern nahmen auch das Gelände der Überfallenen unter die Lupe. Dabei wurden 37 ausgestopfte Greifvögel entdeckt – darunter das aus dem Wildpark Eekholt gestohlene und getötete „beste Seeadlerzuchtpaar der Ostseepopulation“.

Die Vermutungen der Polizei, dass die Überfallenen erpresst worden seien, bestätigten sich. In der Organisation der illegalen Tierfänger war es nämlich zu großen Differenzen gekommen. Als die Hilfskräfte nicht mehr Geld für die immer heißer werdende Ware erhielten, wurde der Auftraggeber unter Druck gesetzt und schließlich erpresst. Als der Millionär nicht mehr zahlte, kam es zu dem anfangs für die Polizei so unerklärlichen Überfall – dem reichen Nürnberger sollte „ein Denkzettel verpasst“ werden.

Der Diebstahl der beiden Greifvögel hatte damals bundesweit Aufsehen erregt. Der große Tierfilmer Heinz Sielmann (✝) sprach von einem „Verbrechen gegenüber jedermann“, und Hans-Heinrich Hatlapa selbst sprach als Präsident des Vereines „Deutsches Wildgehege“ und als Vorsitzender des Fördervereins Wildpark Eekholt auch aus der Sicht des Artenschutzes von einem „unbezahlbaren Verlust“.

Eigenen Notizen zufolge zahlte man damals – Angaben noch in der alten Währung – für eine präparierte Schneeeule bis zu 2500 Mark, für einen Uhu 1500, einen Wanderfalken 2000 und für einen nordischen Gerfalken 5000 bis 7000 Mark. Für einen lebenden Wanderfalken waren in einem orientalischen Land 20  000 Mark und für einen Gerfalken – möglichst das kräftigere Weibchen – 50- bis 100  000 Mark zu bekommen.

Das Washingtoner-Artenschutzabkommen von 1975 hat eine bundesweite Meldepflicht für bedrohte Tierarten in Gang gesetzt inklusive einer Implantation eines individuellen Chips, so dass die Vernichtung von jahrelangen Zuchtbemühungen Einhalt geboten worden ist.


Weitere Infos im Internet unter www.vogelschutzeutin-badmalente.

de.


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