Eutin : Der Kreis hat ein eigenes Kraftwerk

Einen der beiden  Motoren des BHKW zeigen Wilfried Kober (links) und Holger Zimmer, der Chef der Hausmeisterei. Foto: Krauskopf
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Einen der beiden Motoren des BHKW zeigen Wilfried Kober (links) und Holger Zimmer, der Chef der Hausmeisterei. Foto: Krauskopf

Ein Blockheizkraftwerk soll sich vor allem wegen des hohen Stromverbrauchs der Kreisverwaltung schon nach vier Jahren bezahlt machen.

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15. April 2011, 11:22 Uhr

Eutin | Es sind fast "normale" Automotoren aus japanischer Produktion. Sie treiben aber kein Fahrzeug an, sondern erzeugen rund um die Uhr Strom und Heizungswärme. Im Keller der Kreisverwaltung in Eutin sind sie Herz eines neuen Blockheizkraftwerkes (BHKW). Das hat 110 000 Euro gekostet, soll sich aber angesichts der immensen Stromrechung der Verwaltung schon in vier Jahren amortisieren.

Die gestern in einem Pressetermin genannten Zahlen sind beachtlich: Um die 900 000 Kilowattstunden Erdgas seien bislang zur Beheizung des Gebäudes im Jahr verbraucht worden, sagte Wilfried Kober. Der Ingenieur ist bei der Kreisverwaltung für Energiecontrolling zuständig. Dieser Erdgasverbrauch entspricht etwa dem Bedarf von 30 durchschnittlichen Einfamilienhäusern.

Aber: Mit 400 000 Kilowattstunden Elektrizität kommt der Kreis auf den Verbrauch von rund 100 Einfamilienhäusern. Dieser vergleichsweise hohe Wert resultiere vor allem aus der Computeranlage, sagte Kober: "Fast jeder Arbeitsplatz hat einen Computer, und die Server müssen Tag und Nacht laufen."

So soll das BHKW mit seinen zwei Motoren vor allem die Stromrechnung dämpfen: Mit 140 000 Kilowattstunden Jahresproduktion wird kalkuliert, das wäre etwa ein Drittel des Stromverbrauchs der Kreisverwaltung. Dem steht ein höherer Erdgasverbrauch gegenüber, denn das BHKW wird rund um die Uhr mit Gas angetrieben. Trotzdem werde sich schon nach vier Jahren die Investition von 110 000 Euro gelohnt haben, ist Kober sicher.

Dabei ist die Summe, die aus Mitteln des Kreises bezahlt werden musste, eher symbolisch: "Wir konnten Fördermittel aus dem Konjunkturpaket II einwerben", sagte Landrat Reinhard Sager. Der Bund habe fast 84 000 Euro gegeben, das Land 14 000 Euro. Blieben für den Kreis ebenfalls 14 000 Euro.

Ein BHKW in der Kreisverwaltung sei nicht zuletzt durch die Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes im Jahr 2009 rentabel geworden, erklärte der Landrat weiter. Obwohl die neue Anlage mit zwei Modulen mit je 15,4 Kilowatt elektrischer Leistung vor allem Strom produzieren soll, hilft die in einem 1 500 Liter fassenden Wassertank gespeicherte Wärme, die beiden vorhandenen Heizkessel zu entlasten.

Das sei eben auch ein Vorteil eines BHKW, ergänzt Kober: 90 Prozent der eingesetzten Energie würden in Elektrizität und Wärme verwandelt. Bei großen Kraftwerken liege die Ausbeute nur bei 40 Prozent, weil die Abwärme ungenutzt bleibe. Der Kreis habe seit 1982 für seine Immobilien, die alle zusammen 69 800 Quadratmeter Fläche hätten, ein Energie-Management. Seit 2000 gebe es ein von Wilfried Kober eingeführtes, EDV-gestütztes Energiecontrolling mit Schwachstellenanalyse.

Nach der Kreisverwaltung, in der 400 Menschen auf rund 10 000 Quadratmetern arbeiten, seien bereits die Berufsschulen in Oldenburg und Eutin mit BHKW ausgestattet, sagte der zuständige Fachdienstleiter Dr. Hartwig Barg. Ein weiteres sei für die Berufsschule in Neustadt in Planung. Dr. Barg weiter: "Es gibt auch kleine Projekte für die Verbesserung der Energiebilanz. So wollen wir sukzessive die Lampen in der Kreisverwaltung durch LED-Leuchten ersetzen."

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