Der Kampf der Natur mit der Hitze

Vermutlich erstickt: Der Fisch schaffte den Aufstieg an der Eutiner Sohlgleite Neumühle nicht, blieb in einem der Ruhebecken stecken,
Vermutlich erstickt: Der Fisch schaffte den Aufstieg an der Eutiner Sohlgleite Neumühle nicht, blieb in einem der Ruhebecken stecken,

Fischer aus Eutin und Malente sehen Gefahren für Fische und fürchten das Umkippen der Seen wegen Sauerstoffmangels

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26. Juli 2018, 12:35 Uhr

Felder brennen ab, Landmaschinen überhitzen, die Gefahr von Waldbränden wächst täglich. Die hochsommerliche Hitze hat die Menschen in der Holsteinischen Schweiz fest im Griff. Da hilft manchmal nur ein erfrischendes Bad im kühlen Nass der Schwentine, die sich durch die Holsteinische Seenlandschaft schlängelt. Doch in den Seen wartet schon das nächste Drama: Sauerstoffarmut und Fischesterben.

„Das Problem in den Seen beginnt bei Temperaturen von 28 Grad Celsius aufwärts“, weiß Sabine Schwarten, Fischwirtschaftsmeisterin aus Eutin. Besonders für große Maränen und Forellen würden die Temperaturen allmählich zur tödlichen Gefahr. Sabine Schwarten erinnerte sich im OHA-Gespräch an einen Sommer vor mehreren Jahren, als nach langer Trockenheit durch Starkregen Schmutz und Staub in die Seen transportiert wurden. Staub und Schmutz sorgten für eine Sauerstoffzehrung und ein Umkippen der Gewässer. Allein aus dem Großen Eutiner See seien damals etwa 120 Kilogramm verendete Maränen gefischt worden. Das könnte jetzt durch den erwarteten Starkregen auch wieder passieren.

Helmut Schwarten, Fischwirtschaftsmeister auf dem Kellersee, stöhnt ähnlich und blickt auf frühere Sommer zurück: „Da war schon einmal der Neukirchener See komplett umgekippt. Diese Gefahr sehe ich jetzt auch.“ Große Seen hätten verschiedene Sauerstoffzonen und kippten zum Teil auch nur stellenweise um. So seien einmal 1000 Kilo Edelmaränen in der Fissauer Bucht verendet.

Eine große Gefahr sieht Helmut Schwarten durch den niedrigen Wasserstand auch im Ufersaum: „Das ist ein hochsensibler Bereich und da sind die Fische jetzt ohne Schutz.“ Ohne Wasser gebe es in der produktiven Fläche als Biomasse kein Leben mehr. Helmut Schwarten: „Durch die Modernisierung der Klärwerke sind die Seen deutlich sauberer geworden. Sie werden die Hitze wohl gut überstehen.“

Ein Problem bei der aktuellen Hitzewelle sind auch die Wasserstände in den Seen. Allein in den vergangenen vier Wochen ist der Wasserstand im Großen Eutiner See um vier Zentimeter gefallen. „Die Ufer fallen trocken und vor allen Dingen die Schatten spendenden Bäume werden so in Mitleidenschaft gezogen und fallen sogar teilweise um“, weiß Sabine Schwarten. Sie fürchtet, dass der Wasserstand im Großen Eutiner See weiterhin so rapide sinkt und weiter unter den Mittelstand von 26,69 Meter sinkt. Besonders gravierend sei der Zustand des Sibbersdorfer Sees: „Er liegt zwischen 30 und 35 Zentimeter unter dem Mittleren Wasserstand.“ Auch hier fürchtet Sabine Schwartau Sauerstoffprobleme für die Fische.

Der Kellersee bei Malente hat in diesen Tagen gerade den Niedrigwasser-Rekord vom August 2014 eingestellt. Da lag der See bei 24,10 Meter und jetzt, fast vier Jahre später, schon bei 24,08 Meter. Er verlor allein in den vergangenen vier Wochen acht Zentimeter an Wasserhöhe. Aber auch der Dieksee durstet nach mehr Wasser. Der Mittlere Wasserstand liegt bei 22,36 Meter. Der war bereits vor vier Wochen um zehn Zentimeter unterschritten worden und liegt jetzt mit 22,20 Meter noch mal tiefer. Bis der am 8. September 1973 gemessene bisherige Tiefststand von 22,14 Meter erreicht wird, hat es noch etwas Zeit.

Und die die Seen durchfließende Schwentine? Sie weist an ihrem Messpegel in Plön beachtliche Zahlen auf: Waren es am 28. Juni noch 1,92 Meter Wasserstand so sind es fast vier Wochen später nur noch 1,46 Meter – ein Verlust innerhalb von vier Wochen um dramatisch 46 Zentimeter. Auch hier scheint die Wanderung der Fische schwer beeinträchtigt zu sein. Seite 13

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