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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 10:23 Uhr

Zarnekau : Der Innenminister schoss ein Tor

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Hoher Besuch im Jugendhaus des Deutschen Kinderschutzbundes in Zarnekau: der Innenminister des Landes und der Fußball-Präsident spielten Fußball mit jugendlichen Flüchtlingen.

Sein Team hat 2:3 verloren. Aber der für Sport zuständige Innenminister des Landes hat ein Tor geschossen. Andreas Breitner (SPD) und der Präsident des Landesfußballverbandes, Hans-Ludwig Meyer, kickten gestern mit Jugendlichen, die vom Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Neustadt betreut werden: Bewohner des Therapeutischen Kinder- und Jugendhauses Zarnekau, in der Mehrzahl minderjährige Flüchtlinge.

Anlass für den hohen Besuch mit aktivem Sportteil war die Tatsache, dass der Kinderschutzbund im Frühjahr beim Integrationspreis des Deutschen Fußballbundes den zweiten Platz gewonnen hatte (wir berichteten). Der Minister wollte sich gestern anschauen, was der DFB und der Sponsor Mercedes Benz mit 10 000 Euro Preisgeld bedacht hatte – „der höchste Preis, den der DFB jemals nach Schleswig-
Holstein vergeben hat,“ wie Meyer gestern anmerkte.

Das Geld wird, wie DKSB-Einrichtungsleiter Rüdiger Tuschewski sagte, weiter in den Sport fließen, der wichtiges Instrument der Integration sei. Nicht zuletzt durch den sportbegeisterten Erzieher Ole Schöning steht für die Jugendlichen regelmäßig Fußball auf dem Programm, es werden jedes Jahr auf dem dörflichen Sportplatz zwei, manchmal drei Turniere ausgerichtet.

Zwei ehemals Betreute kickten immer noch beim TSV Süsel, berichtet Schöning. Und aktuell versuche man, sieben Jugendliche über die BSG Eutin ins Spielgeschehen einzubinden.

„Wenn mit den Jugendliche nichts mehr geht – Fußball geht immer“, hat Andrea Belitz festgestellt, Leiterin des in Pulverbeck untergebrachten „Lernreichs“. In dieser Einrichtung des
DKSB werden minderjährige Flüchtlinge auf den Besuch einer Schule oder andere
Bildungseinrichtung vorbereitet.

Tuschewski ergänzt: „Viele Jugendliche sind durch Erlebnisse auf der Flucht traumatisiert. Und Sport dient eindeutig zum Spannungsabbau, einfach mal abschalten und alles von sich lassen.“ Oder bei Turnieren lernten Jugendliche kickende Polizisten kennen, für sie ist bis dahin Polizei meistens angstbesetzt.

Der Minister zeigte sich überrascht von der Fülle der Aufgaben des DKSB Neustadt, die Geschäftsführer Henning Reimann schilderte. In den Einrichtungen – darunter viele Offene Ganztagsschulen und Kindergärten – sind rund 300 Angestellte beschäftigt. Damit sei Neustadt die zweit- oder drittgrößte Kinderschutzbund-Einheit in Deutschland.

Zwangsläufig kamen im Gespräch mit dem Minister auch Probleme auf den Tisch, die sich für die minderjährigen Flüchtlinge ergeben, die vor allem aus Afghanistan, Syrien, Algerien und Eritrea kommen: Tuschewski sagte, dass die jungen Leute keine Sozialhilfe mehr bekommen, sobald sie 18 werden und noch eine Schule besuchen. Sie würden im Grunde zum Verlassen der Schule gezwungen. Diesem Hinweis wolle er nachgehen, versprach Breitner.

An einem anderen Problem des Asylrechtes werde gearbeitet, sage der Minister: Dass ein Bleiberecht für Flüchtlinge auch vom Grad der Integration abhängig gemacht werde. Eine entsprechende Gesetzesänderung sei in Vorbereitung.

Klar ist, dass der Strom von Flüchtlingen eher zu- als abnehmen wird. Allein vom ersten zum zweiten Quartal in diesem Jahr habe es einen Zuwachs von 64 Prozent gegeben, sagte Breitner. „Wir rechnen dieses Jahr in Schleswig-Holstein mit 5000 Asylanten.“

Der DKSB betreut zurzeit 17 Jugendliche, die in zwei Wohngruppen und in Zarnekau untergebracht sind. Mit jeder Kontrolle auf der Vogelfluglinie können neue dazu kommen.

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erstellt am 05.Aug.2014 | 14:56 Uhr

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