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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 07:56 Uhr

Der Gimpel, der auch Dompfaff heißt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der rote Bauch der Männchen erinnerte die Menschen an die Talare von Domprälaten / Der Kleinvogel ist ein reiner Vegetarier

Im deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm steht wörtlich, dass „der Gimpel im Volke als ein minderer Vogel gilt, und er wird unter den Vögeln niederer Klasse aufgeführt – er ist plump und einfältig“. So geht es oft im Leben: Da ist man – zumindest als Männchen – farblich prächtig ausgestattet, und schon gibt es dazu abfällige Bemerkungen.

Der ebenfalls gebräuchliche Name Dompfaff bezieht sich auf die leuchtend rote Farbe der Talare der Domprälaten. Der etwas abfällig klingende Wortteil „Pfaff“ ist wohl eine Anspielung auf die korpulente Gestalt des Vogels und jener Geistlichen. Die wiederum mussten sich umgekehrt den Spottnamen „Gimpel“ gefallen lassen, besonders dann, wenn sie „den Reichen Mäßigung predigten und selbst die Fülle des Lebens mit ihrer Leibesfülle zur Schau trugen.

In früheren Zeiten nahm man es mit der Artbestimmung der Vögel nicht so genau, nannte Vögel mit viel roter Farbe im Federkleid schnell einmal Loh- oder auch Blutfink, worunter dann großzügig neben dem Dompfaff auch Stieglitz, Buchfink oder eine der beiden Rotschwanz-Arten zu finden waren.

Während der Wintertage haben wir in Schleswig-Holstein neben großen Trupps an Gänsen und Schwänen ebenfalls zahlreiche Kleinvögel als Gäste aus dem Norden. Auch wenn Gimpel dann gerne am Futterbrett erscheinen, so sind sie in erster Linie doch Knospenspezialisten am Busch und Baum. Die Schweizer nennen sie daher auch „Bollenbicker“ oder „Bollenbysser“ – bitte im schweizer-dütschen Singsang auszusprechen. Unser Dompfaff kann außerdem etwas, was man bei anderen Samenspezialisten nicht in der gleichen Deutlichkeit beobachtet hat: er kann inhaltsergiebige von weniger lohnenden Samen unterscheiden.

Man kann unseren Vogel auch einen sich ökologisch korrekt verhaltenden Vegetarier nennen, da er immer nur dort erntet, wo räumlich konzentriert etwas gut im Angebot steht. Im Oktober bis in den Winter hinein öffnet er die Samen der Kräuter und Stauden, wenn der Schnee das Land bedeckt, hält er sich an Sträucher mit zum Beispiel Vogel- und Mehlbeeren. Beginnt der Frühling mit schwellenden Knospen, werden diese vorrangig aufgenommen, bevor die Blütenkätzchen von Weide und Pappel einen größeren Reiz auf ihn ausüben.

Bestimmungsbücher bestätigen den menschlichen Wanderer, der trotz der kontrastreichen Zeichnung unserer Gimpel erst durch seine charakteristischen leisen Rufe auf die heimlichen Vögel im Gelände aufmerksam geworden ist. Nordische Vögel, die sich als Wintergast bei uns aufhalten, rufen tiefer, sind auch ein wenig größer, was jedoch erst bei beiden Individuen im direkten Vergleich auffallen würde.

Der zweite Brutvogelatlas für Schleswig-Holstein (2014) erwähnt eine deutliche Zunahme an Brutvögeln des Dompfaffs und bestätigt Beobachtungen besonders in reich strukturierten Garten- und Parkanlagen rund um größeren Städte. Interessant ist, dass Dompfaffe kaum in Knicks brüten, die ihnen möglicherweise nicht dicht genug sind. Zur Nahrungssuche finden sie sich dort gerne ein und sind spezialisiert sich auf Samen der Brennnessel.

Die Paarungsbereitschaft und damit die Geschlechtsreife setzt wie bei vielen Kleinvögeln auch beim Gimpel im Jahr nach der Erbrütung ein. Bis vor Kurzem galt die Annahme, dass die bei kleinen Vogelarten seltene Dauerehe durch paarweise Beobachtungen über die Brutsaison hinaus beim Dompfaff ausnahmsweise stimmen könnte – allein: der Wissenschaft fehlen die seriösen Nachweise.

Englische Untersuchungen ergaben für Dompfaffe im Freiland eine durchschnittliche Lebenserwartung von 1,7 bis 1,9 Jahre. Dennoch: Ein britischer Gimpel trug seinen Ring immerhin neun Jahre, ein thüringisches Männchen wurde elfeinhalb Jahre alt, und ein Vogel in Niedersachsen verstarb verletzt als Vogelgreis mit 15 Jahren und zehn Monaten.

Weitere Infos unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de

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erstellt am 03.Jul.2017 | 11:25 Uhr

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