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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 22:10 Uhr

Der Elferrat – Motor des Karnevals

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Karneval am Lachsbach“ erfordert handfesten Einsatz des TSV Schönwalde / Heute Generalprobe mit freiem Eintritt

Wenn heute Abend zum Auftakt der tollen Tage beim „Karneval am Lachsbach“ der Elferrat mit den Funken- und Tanzgarden um 18 Uhr zur Generalprobe in den Saal des Landhauses einzieht, dann liegen hinter den Männern des Elferrates bereits einige Tage voller Arbeit. Zu den Aufgaben des Elferrates gehört in Schönwalde weitaus mehr als an vorderster Front zu Feiern und das Narrentreiben anzuführen.

Der „eingeschworenen Truppe“ um Roland Hamann, wie der Präsident des Elferrates die Männer in den roten Sakkos nennt, obliegt die gesamte Organisation des inzwischen 66. Karnevals am Lachsbach. 1950, als Schönwalder Urgesteine wie Heinz Waldow, Walter Giese und Hermann Michaelsen den „Karneval am Lachsbach“ ins Leben riefen und der berühmte Lachsbach-Marsch mit dem Narren-Ruf „Schönwalde Laba“ komponiert wurde, dürfte der Elferrat noch mehr repräsentativen Charakter gehabt haben, vermutet Hamann.

Wie er ins Amt des Präsidenten gekommen ist, kann der Polizeibeamte nicht mehr sagen. In den Elferrat habe ihn Anfang der 90er Jahre der damalige 1. Vorsitzende des TSV Schönwalde, Dieter Achtenberg, geholt. Hamann war gerade zu dessen Stellvertreter im Vorstand gewählt worden. „Als Dieter ging, war ich dann plötzlich der Präsident, aber eine Wahl hat es nicht gegeben.“, erinnert sich der 58jährige. Ähnlich unspektakulär ist auch der Weg in den Elferrat, der auch gerne mal zwölf oder 13 Mann groß sein darf. So genau nimmt man es mit der Narrenzahl am Bungsberg nicht. Wer Interesse hat, der meldet sich, und „wenn er in die Truppe passt kann er mitmachen. Standesunterschiede gibt es nicht.“. Dabei spielt sicher auch eine gewisse Art von Pragmatismus eine Rolle. Nur wenn alle mit anpacken und jeder verlässlich „zum Dienst erscheint“ ist die Arbeit, die vor dem Vergnügen kommt, zu bewältigen.

„Einige nehmen rund um den Karneval zwei Wochen Urlaub. Und auch auf meiner Dienststelle ist inzwischen bekannt was der Rosenmontag für mich bedeutet und die Schichten werden entsprechend eingeteilt.“ beschreibt Hamann das persönliche Engagement der einzelnen. Bei anderen hilft die Selbstständigkeit oder ein handwerklicher Hintergrund bei den Vorbereitungen. Eine Woche vor Rosenmontag geht es auf dem Saal des Landhauses in die heiße Phase. Dann sind die organisatorischen Belange aber längst erledigt. Die sind für einen Umzug derart groß, dass man sich nur alle fünf Jahre daran wagt. Dann stünden der Umzug in Punkto Länge und Stimmung denen aus Marne oder Lübeck in nichts nach, findet der Hauptorganisator. Inzwischen wissen alle was zu tun ist, und vieles geht ohne Worte. Das ist auch das Ergebnis einer Krankheit, die Hamann vor einigen Jahren wenige Wochen vor dem Karneval aus dem Verkehr zog. „Da hat man gemerkt, was für eine gute Truppe wir sind. Jeder hat sich gekümmert, damit der „Karneval am Lachsbach“ stattfinden konnte.“ Damit der Saal in seiner rot-weißen Pracht erstrahlt werden unter anderem 1500 Luftballons aufgeblasen. Zwar mit Hilfe eines Kompressors, aber jeder einzelne ist von Hand verknotet. Immer wieder wird an kleinen Verbesserungen getüftelt, die den Aufbau erleichtern. So besteht der Bühnenausbau inzwischen aus Modulen, die nur zusammengesteckt und an vorhandenen Punkten verankerten werden. Auch die Anzahl der Ballons für die vielen Trauben überall im Saal wurden reduziert. Man greift inzwischen auf Mega-Ballons mit 120 Zentimetern Durchmesser zurück: „Das braucht nur einen Bruchteil der Zeit.“ Andere Veränderungen, wie der Einsatz eines DJs an Stelle einer Liveband, führten Ende der 90er Jahre zu mehr Diskussionen. „Wir probieren dann einfach mal etwas aus und ziehen daraus unserer Schlüsse.“, nennt Hamann ein Geheimnis des Erfolges. So habe sich der „Karneval am Lachsbach“ über Jahrzehnte dem Zeitgeist angepasst. Vor etwa vierzig Jahren war die Männergarde aus den Fußballern des TSV Schönwalde entstanden. Zuvor hatte mit der Frauengarde Musik fern ab der Märsche der Funkengarde für neuen Pepp gesorgt. Erstmals konnten in diesem Jahr nicht genügend Tänzer für die Männergarde gefunden werden. Einer, der dort einmal das Tanzbein schwang ist als „Neuer“ zum Elferrat gestoßen. Matthias Wermter stockt den Elferrat in diesem Jahr auf das Minimum an Mitgliedern auf. Beim Aufbau geht der gelernte Zimmermann als „Praktikant“ dem „Urgestein des Karnevals“ Thomas Bolowski, genannt „Oki“, zur Hand. Der schätzt seine Mitgliedschaft im Elferrat auf 30 Jahre. Auf die fünf Meter hohe Leiter, auf der sich Wermter gekonnt bewegen kann, steigen diesmal Torsten Appel und der Prinz Karneval Michael Asmuß, denn auch der Prinz tritt vorher in Arbeitshose zum Dienst an.

Den Weg auf den dunklen Dachboden, um die großen
Deckenleuchter herabzulassen, hat der Präsident persönlich angetreten. Es packen eben alle mit an, damit es am Sonnabend beim „Karneval am Lachsbach“ wieder „Schönwalde Laba“ heißen kann und hunderte Jecken die fünfte Jahreszeit feiern können. Dabei sorgt der Elferrat dann auch noch für Ordnung unter den Feiernden und hat auch das Transportproblem für die in Halendorf ausgelagerten Bänke und Tische, an das erst keiner gedacht hatte, gelöst. Damit seine Mitglieder beim Feiern nicht zu kurz kommen, geht es seit 2008 in unregelmäßigen Abständen auch mal zum Kölner Karneval. Dann aber zum Sessionsbeginn am 11.11., denn am Rosenmontag werden alle wieder in Schönwalde gebraucht.

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