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Kritik an Niedriglöhnen : Der DRK-Fahrdienst kommt auf Prüfstand

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Veröffentlichungen über Kritik und Schicksal von zwei Busfahrern zeigen Wirkung: Das Deutsche Rote Kreuz in Ostholstein will nach Verbesserungen suchen. Dabei soll der Landesverband helfen.

Der DRK-Kreisverband Ostholstein will seinen Behindertenfahrdienst auf den Prüfstand stellen und – je nach Ergebnis – auch optimieren. Das versprachen DRK-Geschäftsführer Martin Broziat (Foto) und der Eutiner Rechtsanwalt Hans-Jürgen Clausen gestern vor Journalisten. Hilfe nimmt der DRK-Kreisverband dabei vom Landesverband in Anspruch.

Der Fahrdiente, eine nicht tarifgebundene gemeinnützige GmbH, war in die Schlagzeilen geraten, weil zwei mittlerweile entlassene Fahrer im OHA die Umstände ihrer Kündigungen und einen geringen Stundenlohn von teilweise unter 5 Euro kritisiert hatten. Sie beklagten, dass sie zu den gegen sie erhobenen – teilweise schweren – Vorwürfen vor ihrer Kündigung keine Stellung mehr nehmen konnten.

Außerdem würden für 59,6 monatliche Arbeitsstunden gerade mal 335 Euro gezahlt, ein Stundenlohn von 5,62 Euro. Die Arbeitszeit beginne erst beim ersten Fahrgast. Zeiten für Fahrten mit den DRK-Bussen zur Wagenpflege oder in die Werkstatt würden überhaupt nicht angerechnet, so die Vorwürfe.

„Die Fahrer haben mehr Geld für ihre Arbeit verdient, das wäre bestimmt nicht unangemessen“, lenkte Geschäftsführer Martin Broziat gestern ein. Doch der DRK-Kreisverband Ostholstein bewege sich mit seinem Behindertenfahrdienst am Markt und müsse sehen, was der Markt hergebe. Die Werkstätten zahlten dem DRK-Fahrdienst lediglich eine Fahrkostenpauschale, in dessen Rahmen man sich bewegen müsse.

„Das ergibt am Ende einen relativ geringen Lohn“, sagte Rechtsanwalt Hans-Jürgen Clausen. Es sei erfreulich, dass die DRK-Fahrer „Dienen vor Verdienen stellen“. Clausen bekräftigte, dass die Struktur des Fahrdienstes auf den Prüfstand gestellt werden solle. Dabei könnte durch Einsparungen der Tourenplan optimiert werden. Clausen: „Und davon sollen dann auch die Fahrer partizipieren.“

Gemeinsam mit den Mitarbeitern und dem DRK-Landesverband werde eine Lösung gefunden. „Sobald wir Luft haben, geben wir das an unsere Mitarbeiter weiter“, sagte Clausen.

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Michelle Hardwege aus Lübeck hatte den Stundenlohn für die DRK-Fahrer als „sittenwidrig“ kritisiert. Doch Rechtsanwalt Clausen sieht „nicht einmal den Ansatz, sittenwidrig gehandelt zu haben“. Die DRK-Fahrdienstleiterin Kerstin Siebrecht räumtevoffen ein, sie habe für die Gewerkschaft verdi und ihre Äußerungen „gar nichts übrig“.

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erstellt am 07.Sep.2013 | 04:00 Uhr

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