Eutin : Der Brunnen kommt weg – aber wohin?

Richtig gesprudelt hat der Brunnen auf dem Berliner Platz nicht, und Wasser steht in ihm nur bei  Regenwetter.
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Richtig gesprudelt hat der Brunnen auf dem Berliner Platz nicht, und Wasser steht in ihm nur bei Regenwetter.

Eine Mehrheit im Bauausschuss beschließt: Ein alter Springbrunnen soll vom Berliner Platz verschwinden und vorläufig eingelagert werden - wenn es die Denkmalpflege zulässt

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05. Juni 2014, 12:15 Uhr

Es ist ein historisches Stück. Aber niemand weiß es so recht zu würdigen. Und richtig funktioniert hat es auch nur kurz. Die Rede ist von dem Springbrunnen, der seit 1993 auf dem Berliner Platz vor dem Eingang des Edeka-Marktes seine vorläufige Bestimmung gefunden hat. Ursprünglich war er Teil des Ehrenmals am Kreisel.

Der Brunnen sprudelt allerdings nicht. Stattdessen wird er als „Mülleimer“ zweckentfremdet. Und weil das alles andere als ansehnlich ist, wird seit Wochen spekuliert, was man mit diesem Brunnen anfangen könnte.

Einen Schritt weiter gekommen ist nun der Eutiner Bauausschuss mit einem mehrheitlich gefassten Beschluss. Danach soll der Brunnen, wenn es die Denkmalpflege zulässt, auf jeden Fall vom Berliner Platz verschwinden und so lange eingelagert werden, bis über die Zukunft entschieden ist.

Eine Option wäre zum Beispiel, die Steine des Brunnens schlicht anders zu verbauen. Das war ein Vorschlag des SPD-Stadtvertreters Klaus Kibbel, der in dieser
Rigorosität im Ausschuss aber keine Mehrheit fand.

Schauen wir einmal auf die Geschichte dieses Brunnens: Gebaut wurde er als Teil des Ehrenmals 1928 zum Gedenken der Opfer des 1. Weltkriegs. Da stand er auf der Apsis vor den Gedenktafeln. Wie Regine Jepp von der Bürgergemeinschaft Eutin recherchierte, gab es schon kurz nach Fertigstellung der Anlage Probleme mit der Wasserversorgung des Brunnens.

1949 wurde das Ehrenmal zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkriegs erweitert, der Brunnen durch den bis heute vorhandenen Sarkophag ersetzt. Im Oktober 1955 – immerhin sechs Jahre später – wurde das Verschwinden des Brunnens durch ein Mitglied des Magistrats kritisiert. Der Stadtvertreter beantragte, den Brunnen als „Symbol des Lebens, das aus der Tiefe kommt und vergeht“, wieder aufzustellen.

In der Vorlage des Verwaltung heißt es weiter: „1961 wurde dem Magistrat eine Vorlage hinsichtlich der Umgestaltung des Ehrenmals vorgelegt. Dabei wurde durch das Stadtbauamt vorgeschlagen, das Plateau der Apsis um eine Stufenhöhe tiefer zu legen und im Vorraum der Stufen den Brunnen neu zu installieren. Der Kulturausschuss hatte diesem Vorschlag bereits seine einstimmige Zustimmung erteilt.

Für die vorgenannte Umgestaltung wurden Zeichnungen gefertigt und eine Kostenschätzung erstellt, die sich auf 3 950 DM belief. Am 8.6.1961 stimmte der Magistrat diesem Vorschlag zu und verwies die Angelegenheit hinsichtlich der Kosten an den Finanz- und Haushaltsausschuss. Im September 1962 wurden die erforderlichen Maßnahmen ausgeschrieben, nach Aktenlage allerdings wohl nie umgesetzt...“

1992 kam der Brunnen wieder ins Spiel: Im Zug der Neugestaltung des Berliner Platzes wurde für ihn ein Platz gefunden als „Sperre“ zwischen Fahrzeugverkehr sowie Geh- und Radweg. Sanierung, Aufbau auf dem Berliner Platz und Elektro- sowie Wasserinstallation kosteten 14 500 DM. Doch lange gesprudelt hat er dort nicht: die Düsen setzten sich immer wieder zu. Als Folge wurde der Brunnen vor etlichen Jahren abgestellt.

Eine Rückversetzung des Brunnens zum Ehrenmal und Restaurierung würden gemäß Angebot einer Fachfirma rund 6900 Euro kosten – Wasser- und Stromanschluss nicht enthalten. Aber dafür zeichnet sich zurzeit keine Mehrheit ab.

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