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Ostholsteiner Anzeiger

15. Dezember 2017 | 02:21 Uhr

Der Blick auf den Menschen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Die Jahre kommen und gehen“ heißt eine Ausstellung von Armin Mueller-Stahl, die ab Sonntag im Ostholstein-Museum zu sehen ist

shz.de von
erstellt am 25.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Das Ostholstein-Museum widmet Armin Mueller-Stahl die Ausstellung „Die Jahre kommen und gehen“. Anlässlich dessen bevorstehenden 85. Geburtstags zeigt das Haus ab Sonntag rund 80 Arbeiten des Schauspielers, Musikers und Malers. Die meisten schuf der Maler Mueller-Stahl, der in Kalifornien und Ostholstein zu Hause ist, in den vergangenen fünf Jahren. Die Ausstellung ist bis zum 31. Januar 2016 im Erdgeschoss des Museums am Eutiner Schloss zu sehen.

Nach den Künstler-Porträts (2005) und der thematisch ausgewählten Bilderschau steht dieses Mal der Mensch im Mittelpunkt, wie Museumsleiterin Dr. Julia Hümme bei der gestrigen Pressekonferenz in Anwesenheit des Künstlers sagte. Die Arbeiten belegten den intensiven Blick Mueller-Stahls auf den Menschen, bewiesen aber auch die enorme Entwicklung des bildenden Künstlers. Das wiederum habe sie bei der Hängung allerdings schon ein wenig herausgefordert, gesteht die Kunsthistorikerin. Galerist Frank-Thomas Gaulin lobt die Bilderwahl Hümmes: Die Auswahl folge einem didaktischen Prinzip, ohne, dass der Betrachter es merke.

Der Titel „Die Jahre kommen und gehen...“ basiere auf einem sehr schönen Gedicht von Heinrich Heine, sagte Mueller-Stahl, der die zwei Strophen der „Heimkehr“ rezitierte. In seinem Alter vergehe die Zeit sehr schnell. Wenn seine Jugendliebe hereinkäme, würde er fragen, „wo warst Du so lange?“. Rückblickend aber sei das Leben sehr kurz. Hümme selbst möchte dem Verstreichen der Zeit weniger die negative, denn viel mehr die positive Sicht entnehmen. Das komme Mueller-Stahl sehr entgegen, der nicht den Jahren hinterher trauere, sondern erwartungsvoll auf das Kommende blicke. „Die Jahre kommen und gehen...“ ist auch der Name eines Ölgemäldes von 2014, das dem begleitenden Ausstellungskatalog sein Gesicht gibt.

Die eigenen Werke mochte Mueller-Stahl nicht erläutern: „Ich kann meine Arbeiten ganz schlecht kommentieren.“ Doch sie entstünden mit Hilfe des Zufalls. „Meine Vorstellung kann ich nie eins zu eins umsetzen.“ Laufe Farbe über das Bild und stelle er es zwei Stunden zur Seite, habe sich das Bild schon verändert. „Der Zufall hat es verändert. Ich habe mich kaum eingemischt“, sagt Mueller-Stahl.

Was ihm schnell von der Hand gehe, gelinge ihm auch, sagte der Deutsch-Amerikaner. Von schnell hingeworfenen Bildern könnten fünf an einem Tag entstehen. Die freie Leinwand braucht Mueller-Stahl dabei nicht als Grund. Der Künstler hat schon häufig auf Drehbuchvorlagen, Lexikonseiten und anderes Papier zurückgegriffen. Die Seite eines Nachschlagewerks aus dem 18. Jahrhundert regte den Künstler an, weil „das Papier selbst schon lebt. Da sind Sie ganz sparsam mit dem Pinsel.“

„Der einzige Ort, wo ich fliegen kann, ist Malen“, sagt Mueller-Stahl. In allen anderen Berufen, die er ausgeübt habe, sei er abhängig gewesen. Näher ausführen wollte Mueller-Stahl den Aspekt nicht. Das habe er schon so häufig gelesen. Nun wolle er sich disziplinieren. „Fliegen müsste reichen“, sagt er und lässt dann doch zwei Worte fallen: die Freiheit.

Ein Thema, das den in Ostpreußen geborenen und später erfolgreichen DDR-Schauspieler anscheinend immer noch beschäftigt: Unter den jungen Werken der Schau ist eines von 2009 zu sehen. Mit dem grau gehaltenen großformatigen „Blick über die Mauer“ (Öl auf Leinwand) erinnert Mueller-Stahl an die Maueröffnung 1989. Zur heutigen Flüchtlingssituation befragt, sagt der aus der DDR auf eigenen Wunsch „entlassene“ Mueller-Stahl: „Das ist eine sehr menschliche Haltung, die Frau Merkel zeigt.“ Vor 25 Jahren habe ihn ein Schauspielerkollege in den USA noch mit „Heil Hitler“ begrüßt. Heute sei Deutschland wieder ein sehr anerkanntes Land in der Welt. „Ich hoffe, dass Frau Merkel das in den Griff bekommt.“

Landrat Reinhard Sager freute sich sichtlich über „den erneut wunderbaren Kontakt“ zu dem Weltbürger und Ostholsteiner Armin Mueller-Stahl. Mit einem Festakt will der Kreis Ostholstein auf Anregung des Lübecker Galeristen Frank-Thomas Gaulin den Künstler würdigen und auf dessen Geburtstag am 17. Dezember hinweisen.

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