Eutin : "Der Bagger kommt definitiv"

Das Ende naht: Der Altbau an der Plöner Straße ist abbruchfertig hergerichtet.  Foto: M. Kuhr
Das Ende naht: Der Altbau an der Plöner Straße ist abbruchfertig hergerichtet. Foto: M. Kuhr

Der Abriss der alten Villa in der Plöner Straße 82 hat angefangen. Die Bürgergemeinschaft übt heftige Kritik daran.

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21. Juni 2012, 11:41 Uhr

Eutin | Nach über hundert Jahren verschwindet heute eine Villa aus dem Eutiner Stadtbild: "Der Bagger kommt definitiv", kündigte gestern Architekt Oliver Franke den Abriss des Hauses Nr. 82 in der Plöner Straße an. Die Bürgergemeinschaft reagierte "schwer bestürzt" und kritisierte die Missachtung aller Bemühungen, das Gebäude zu retten.

Seit Montag hatten Handwerker bereits den Abbruch vorbereitet. Heizkörper und Dielenbretter wurden demontiert, die Fenster herausgerissen. Dass damit Fakten geschaffen wurden, obwohl von politischer Seite der Wunsch formuliert worden war, vorher noch nach einer Lösung zum Erhalt der Villa zu suchen, will Franke nicht sich und dem Bauherren angelastet wissen: "In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 7. Juni ist zwar angekündigt worden, dass man noch einmal mit uns sprechen will. Aber bis zum 18. Juni hat sich keiner bei uns gemeldet."
Sanierung finanziell nicht vertretbar

Ebenso wenig habe Landesdenkmalpfleger Dr. Michael Paarmann ihn kontaktiert. Offenkundig sei der kulturelle Wert der Villa doch nicht so hoch, wie einige in Eutin jetzt meinten. Der finanzielle Aufwand für eine Sanierung der maroden Bausubstanz sei aber wirtschaftlich unvertretbar. Franke: "Ich kann den Volkszorn ja verstehen, aber wenn es ans eigene Portemonnaie geht, dann sieht die Sache anders aus."

Die Bürgergemeinschaft erinnerte dagegen an die Übereinkunft im Ausschuss für einen Aufschub des Neubauvorhaben; das habe auch für das vom Verein angeregte Prüfverfahren der Denkmalpflege zur Schutzwürdigkeit der Villa gelten sollen. Vereinschefin Regine Jepp: "Fakten schaffen ohne Waffen. Es scheint so zu sein, dass der Eigentümer sowohl das Prüfverfahren der Denkmalpflege als auch die Ortsbesichtigung der Mitglieder des Ausschusses gescheut hat. Möglicherweise hatte der Planer befürchtet, seine Pläne so nicht durchsetzen zu können."

Kritisch bewertete sie zudem, dass die Stadtverwaltung mittlerweile das Einvernehmen für den Neubau erteilt hat. Das hatte Bauamtsleiter Bernd Rubelt damit begründet, dass im Ausschuss kein Beschluss gefasst worden sei, mit dem der Bauantrag für das Grundstück hätte auf Eis gelegt werden müssen.

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