Eutin : Der Ärger über parkende Polizisten

Kein Durchkommen für größere Fahrzeuge: Das rief die Polizei auf den Plan, die eine Ordnungswidrigkeitenanzeige fertigte.
Kein Durchkommen für größere Fahrzeuge: Das rief die Polizei auf den Plan, die eine Ordnungswidrigkeitenanzeige fertigte.

Parkplatz am Kaiser-Wilhelm-Berg ist zur gefragten Stellplatz-Adresse geworden / Behörden zeigen sich machtlos gegen Dauerparker

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11. Dezember 2014, 04:30 Uhr

Parkplätze in Eutin sind tagsüber meistens proppenvoll belegt, das ist nichts Neues. Dass aber der früher eher spärlich genutzte Parkplatz auf dem Wilhelmsberg an der Landesstraße 174 nach Malente jetzt andauernd von Limousinen zugestellt ist, das sorgt für Rätselraten: Welches Ziel dort lockt so viele Besucher an, wollen etwa alle den nahen Kaiser-Wilhelm-Turm besteigen?

Des Rätsels Lösung liegt nicht in der Anziehungskraft des verwunschen aussehenden Denkmals, sondern im allzu menschlichen Drang nach größtmöglicher Bequemlichkeit begründet: Die meisten Dauerparker an der L 174 sind junge Polizisten, die während ihrer Ausbildung in der Seniorenwohnanlage Wilhelmshöhe Quartier bezogen haben – und die ihr Auto lieber an der nahen Straße abstellen als auf dem weiter entfernt liegenden Parkplatz der Bereitschaftspolizei.

So verständlich die Vorliebe der Beamten für kurze Wege zwischen Auto und Wohnung ist, so ärgerlich reagieren andere Verkehrsteilnehmer. „Ich fahre fast täglich am Kaiser-Wilhelm-Berg vorbei. Manchmal würde ich dort gerne meine Lenkzeit unterbrechen – geht nur leider nicht“, beschwerte sich ein Berufskraftfahrer. Seinen Namen will er lieber nicht in der Zeitung lesen, denn seine Kritik richte sich ja gegen „Angehörige der Polizei“.

Doch in der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und die Bereitschaftspolizei trifft die Beschwerde auf großes Verständnis. Rüdiger Schwarz, Pressesprecher der Polizeidirektion, sagt ohne Umschweife: „Es gab schon mehrere solcher Beschwerden. Dieses Parkverhalten ist auch uns ein Dorn im Auge.“ Aber es zu ändern sei schwierig, weil es außer höflichen Bitten keine andere Handhabe für die Vorgesetzten gebe. Schwarz: „Wir haben den Kollegen Alternativen aufgezeigt, aber die stellen ihr Autos trotzdem da ab – und das Recht ist auf ihrer Seite, denn es ist ein öffentlicher Parkplatz, ohne jede Beschränkung.“

Zeitlich gibt es fürs Parken laut Beschilderung kein Limit. Aber natürlich gilt auch auf dem Rastplatz das Gebot der Rücksichtnahme. Was bedeutet, dass abgestellte Autos andere Platznutzer bei der Zu- oder Abfahrt nicht behindern dürfen. Dagegen wird allerdings des öfteren verstoßen, wie Beamte der Polizeizentralstation Eutin bei gelegentlichen Kontrollen feststellen und mit Knöllchen ahnden.

Betroffen von der Blech-Fülle auf dem Parkplatz sind auch Müllwerker des Zweckverbandes Ostholstein: Sie kamen mit ihrem Transporter nicht an die dort vorhandenen Sammelgefäße, mit der Konsequenz, dass der Müll wochenlang nicht abgefahren wurde und „zum Himmel stank“, wie ein Anwohner dem Ordnungsamt meldete.

Im Eutiner Rathaus hat man bereits zahlreiche Beschwerden über die Zustände auf dem Parkplatz zu hören bekommen, auch die Kreisverkehrsbehörde kennt das Problem. Daran ändern können beide aber nach eigenem Bekunden nichts, solange der Landesbetrieb Verkehr als Flächeneigentümer an der bisherigen Park-Ausweisung nichts ändern will.

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