zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 06:41 Uhr

Den Slawen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kersten Jungk hat seine langjährigen Forschungen zur Slawenzeit in Ostholstein jetzt in einem Buch veröffentlicht. Dabei spielt ein fast sieben Meter langer Einbaum eine große Rolle.

Er ist mehr als ein altes Stück Holz. Mit dem fast sieben Meter langen Einbaum sind vor rund 1000 Jahren Menschen zum Fischen auf den Pönitzer See hinausgefahren. Heute ist das mittelalterliche Zwei-Mann-Boot im Museum für Regionalgeschichte in Pönitz zu bewundern.

Geborgen hat es 1993 Dr. Kersten Jungk mit anderen Hobby-Forschern der archäologischen Tauchgruppe Ostholstein. Die Zeit der frühen Besiedlung – besonders die der Slawen – hat Kersten und seine Mitstreiter fasziniert. Wie hat das hier eigentlich früher ausgesehen? Eine Frage, die Jungk nie losließ.

Seit rund 30 Jahren erforscht der Scharbeutzer Internist die slawische Besiedlung Ostholsteins. Und als Vorsitzender des Vereins für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung liegt dabei das Hauptaugenmerk auf dem Süden des Kreises – der Region zwischen Lübeck und Neustadt.

Kersten machte in den vergangenen Jahren bedeutende Funde – wie den Einbaum. In seinem neuen Buch „Versunkene Burgen – Frühmittelalterliche Unterwasserfunde im südlichen Ostholstein“ dokumentiert der langjährige ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger aber nicht nur diese spektakulären Orte. Neben Scherben und Knochen geben auch Fundstücke wie Pfeilspitzen und Trensen Einblicke in das Leben der Slawen in der Region.

Das 100 Seiten starke Buch war eigentlich als zweite Doktor-Arbeit gedacht, sagt Jungk. „Mit einer wissenschaftlichen Arbeit erreicht man die Leute aber nicht. Dabei hat die Region viele spannende Geschichten zu erzählen“, sagt der Hobby-Forscher. Jungk entfernte Fußnoten, schrieb Passagen um und neu. Heraus kam ein kurzweiliges, aber dennoch wissenschaftlich fundiertes Werk.

Viele Erkenntnisse gewann Jungk über seine unterwasserarchäologischen Erkundungen mit der archäologischen Tauchgruppe Ostholstein. Die Unterwasser-Forscher sind die Entdecker der steinzeitlichen Siedlung in der Ostsee vor Neustadt, mit der sie bundesweit bekannt wurden.

Besonders in den Seen rund um Pönitz wurden die Hobby-Forscher fündig, entdeckten zuletzt, dass vielerorts Pfahlbauten – meist (Flucht-)Burgen – weit vom Ufer entfernt standen. „Jeder See hat seine eigene Geschichte, viele waren bisher unbekanntes Land für die Forschung“, sagt Jungk. Und viele der Seen seien zur Slawenzeit wesentlich größer gewesen, als sie heute noch sind. Jungk wies dies etwa für den Barkauer See nach. „Das alte Seeufer lag damals um einen bis zwei Meter höher.“ Über die Jahrhunderte seien große Teile zwischen Gothendorf, Barkau und Kesdorf trockengefallen oder vermoort. Insofern verwundert es nicht, wenn auf Feldern in der Umgebung Siedlungsspuren zu finden sind. „Die Slawen haben damals an Ufern gesiedelt, heute ist dort nur Acker“, sagt der Pönitzer Museumschef und Buchautor.

Viele Abbildungen und durchweg farbige Grafiken und Karten verdeutlichen im Buch die neuen Erkenntnisse über Ostholsteins Geschichte. Dazu gehört auch der Einbaum, den die Tauchgruppe 1993 aus dem Pönitzer See geborgen hat. Er ist zusammen mit vielen anderen Funden im Museum zu sehen – und jetzt auch in einem separaten Kapitel in Jungks neuen Buch.


Weitere Infos zum Museum für Regionalgeschichte in Pönitz gibt es unter www.museum-scharbeutz.de


zur Startseite

von
erstellt am 20.Nov.2015 | 00:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen