Den Bildern wieder Leben geben

Arne Schütt zeigt das Voß-Buch und fährt heute mit Robert Schmidtke, Anna Redderberg, Marjan Braun, Andreas Wendt und Anna Schletter nach Kiel.
1 von 2
Arne Schütt zeigt das Voß-Buch und fährt heute mit Robert Schmidtke, Anna Redderberg, Marjan Braun, Andreas Wendt und Anna Schletter nach Kiel.

Filmprojekt von Schülern des Voß-Gymnasiums wird heute in Kiel ausgezeichnet / Fortsetzung geplant

Avatar_shz von
09. Juni 2015, 09:28 Uhr

Fast alle der 327 Schüler sind in Uniform abgelichtet, nur von
wenigen gibt es ein anderes Bild im dicken Buch der Voß-Schule. Für das Projekt „Krieg vor Ort“ begaben sich acht Oberstufenschüler auf eine Zeitreise und fanden Nachfahren einstiger Voß-Schüler, die im Krieg ihr Leben ließen. Ihr Ziel: „Wir wollen den Bildern wieder ein Leben geben“, sagte Gymnasiast Robert Schmidtke.

Einer der Gefallenen ist Helmut Herrnberger. Als Sohn eines Malenter Kaufmannes wurde er am 6. April 1922 geboren. Von 1931 bis 1939 war er Voß-Schüler. Am 21. März 1945 fiel er als Flugzeugführer in Ungarn. Mehr steht nicht über ihn im handschriftlichen Schülerverzeichnis des Gymnasiums. Die Schüler fanden jedoch seine Tochter, die ihren Vater nie selbst kennenlernte, aber eine Menge über ihn zu erzählen wusste. So machte er beispielsweise nach dem Notabitur in einer Kieler Werft ein Praktikum und schließlich eine Ausbildung als „Maschinenbaubeflissener“, wie ein Zeugnis attestiert. Ab 1940 sei er nachweisbar Soldat gewesen und habe eine Ausbildung zum Piloten absolviert. Das Wichtigste, so erzählt seine Tochter, sei seine Familie für ihn gewesen: „Bei seinem letzten Heimaturlaub, zur Heirat meiner Mutter, gab er meinem Onkel und meinem Großvater beim Abschied seinen Ehering mit den Worten, sie mögen sich gut um mich kümmern und dafür sorgen, dass ich einigermaßen friedlich aufwachsen kann. Ich finde, das haben sie gut hinbekommen.“ Es war das letzte Mal, dass Helmut Herrnberger seine Familie sah.

Berührende Momente wie diese Aufnahmen der Tochter haben die Schüler in einem Film festgehalten und beim Wettbewerb des Deutschen Volksbundes eingereicht. Heute sind die Voß-Schüler Robert Schmidtke, Anna Redderberg, Marjan Braun, Arne Schütt, Andreas Wendt, Anna Schletter und Merlin Stumpe zusammen mit Stadtvertretern aus Eutin im Kieler Landeshaus zur Preisverleihung.

Unabhängig davon, welche Platzierung sie letztlich in den Händen hielten, sei es für alle sehr spannend und ausbauenswert gewesen. „Ich fand es spannend, wie unterschiedlich die Erlebnisse der einzelnen Befragten gewesen sind“, sagte Arne Schütt. Denn neben zwei Nachfahren von einstigen Voß-Schülern sprach die Gruppe mit Zeitzeuginnen aus dem DRK-Pflegeheim und machte eine Umfrage in der Innenstadt. Das Ergebnis: „Etwa 75 Prozent unserer Befragten aus den verschiedensten Altersgruppen wussten nicht, wie Eutin den Zweiten Weltkrieg erlebt hat“, sagte Robert Schmidtke. Das Ergebnis ist Grund genug für die Schüler und ihre Lehrerin Katharina Pörksen, das Projekt auszubauen. Pörksen: „Wenn sich noch mehr Schüler dafür interessieren und wir auch noch mehr Nachfahren finden, wäre das ein tolles Projekt für unser Jubiläumsjahr.“ Die Acht, die das Projekt bisher in ihren Bann gezogen hat, wollen auf jeden Fall weiter machen, schreiben nächstes Jahr aber auch Abitur. Im September gehen sie erstmal auf Studienfahrt in die Normandie, um sich dort verschiedenste Soldatenfriedhöfe anzuschauen und weiter mit dem Thema „Krieg vor Ort“ zu beschäftigen.


Wer Nachfahre ist, das Projekt unterstützen möchte, oder weiß, wem die Schule dieses handschriftlich erfasste Schülerverzeichnis zu verdanken hat, kann sich an Katharina Pörksen (katharina.poerksen@t-online.de) wenden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen