Demokratie im Kindergarten

Die Erzieherinnen Claudia Priewe, Franziska Schaper, Tatjana Pitzner und Antonia Wagener (von links) überreichten den beteiligten Kindern zum Abschluss des Projekts eine Urkunde.
Die Erzieherinnen Claudia Priewe, Franziska Schaper, Tatjana Pitzner und Antonia Wagener (von links) überreichten den beteiligten Kindern zum Abschluss des Projekts eine Urkunde.

Im Awo-Kinderhaus wird Partizipation künftig großgeschrieben. Dafür wurden die Kleinen an der Ausarbeitung der Regeln für das Außengelände beteiligt

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30. Juni 2014, 11:23 Uhr

In der Grundschule gibt es einen Klassensprecher, in den weiterführenden Schulen Schülervertretungen, aber Mitbestimmung im Kindergarten? Bislang erschien es selbstverständlich, dass Erwachsene die Regeln vorgeben, an die sich die Kleinen zu halten haben. Das Awo-Kinderhaus an der Kellerseestraße hat nun neue Wege beschritten. Die Kinder durften sich nach demokratischem Vorbild selbst Regeln geben: Konkret ging es dabei um das neu gestaltete Außengelände.

Im März gingen die Kita-Kinder zur Wahl: Jede Gruppe, ausgenommen die Kleinsten, wählten ihre Kindervertreter. Nach spannenden Minuten der Auswertung kamen insgesamt 18 „kleine“ Kindervertreter aus allen fünf großen Gruppen im Bewegungsraum zusammen und beschnupperten sich in ihrer neuen Rolle. „Ein Hauch von Stolz lag in der Luft“, berichtet Kita-Leiterin Annett Klöfkorn-Papke.

Die erste gemeinsame Aufgabe der Kindervertreter war die Wahl der Mitarbeiter, die sie bei diesem Projekt begleiten sollten. Ganz anonym und jeder für sich suchte nun anhand von Fotos ihren „Wunschmitarbeiter“ aus. Und nun war es soweit: Die 18 „Kleinen“ und die drei „Großen“ setzten sich seitdem jeden Freitag zusammen.

Zunächst ging es darum, gemeinsam Sicherheitsregeln für das Außengelände zu erarbeiten. Mit viel Eifer, Engagement und Motivation haben die Kinder selbstständig Fotos gemacht, Bilder gemalt und Plakate beklebt.

Danach stand eine Begehung des Spielplatzes an. Der großen Wunsch der Jungen, der Wiederaufbau der Fußballtore, wurde schnell in die Tat umgesetzt. „Jetzt können wir endlich einen Elfmeter ins Tor schießen“, meinte Max. Anschließend entschieden die Kinder nach und nach, in gewohnt diskussionsfreudiger Runde, weitere Spielplatzwünsche. Spannend war ein Ausflug zur Kindertagesstätte Kinderinsel in Eutin. „Mit großer Offenheit wurden die Kinder und Mitarbeiter in Eutin empfangen“, berichtete Annett Klöfkorn-Papke. Seitdem Besuch habe es zwei Riesenwünsche bei den Kindern gegeben: „Eine echte Baustelle und zwei Holzpferde sollten auch unbedingt auf unseren Spielplatz.“

Zum Abschluss des Projekts sahen sich die Kinder einen Film über das Projekt an. Antonia Wagener, Erzieherin im Kinderhaus, filmt als Kamerafrau alle Entscheidungen, Besichtigungen und Abstimmungen. Schnell stellte sich heraus, dass in den vergangenen drei Monaten viel Positives erreicht wurde. Die Kinder drückten ihre Gedanken in gemalten Bildern aus. Jelle und Payton fanden gut, dass jetzt alle wissen, dass nicht mit Steinen geworfen werden darf. Mia kann es kaum abwarten, bis die „echten Werkzeuge“ für die Baustelle kommen, und Henner ist über den Fußballplatz besonders glücklich.

Für das Awo-Kinderhaus war das Beteiligungsprojekt ein Meilenstein des zweijährigen Weges zur Partizipationskindertagesstätte. Als solches sollen bis 2016 alle Awo-Kitas in Schleswig-Holstein zertifiziert werden.

Nur ein großes Problem auf dem Außengelände des Kinderhauses geblieben: Die Wartezeiten vor der Schaukel sind einfach zu lang. Das muss unbedingt noch gelöst werden, war das klare Votum der Kinder.

Zum Abschluss bekamen alle Kindervertreter von Tatjana Pitzer, Claudia Priewe, Franziska Schaper und Antonia Wagener eine Urkunde überreicht. „Wir alle haben seither das Gefühl, dass unsere „Kleinen“ ein ganz großes Stück gewachsen sind. Es hat Spaß gemacht, denn die Kinder haben uns jeden Freitag neu überrascht“ , sagten die Mitarbeiter des Kinderhauses.

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