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Amtsgericht Plön: : Demo zum Prozessauftakt um Hundehaltung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Es ist kein leichter Fall, den das Amtsgericht Plön derzeit verhandelt, ein Fall, der sehr viele Emotionen schürt und Facetten hat.

Angeklagt ist eine 59-jährige Frau aus einem Dorf bei Lütjenburg. Die Staatsanwaltschaft wirft der Autorin eines Doggenbuches und Hundeexpertin vor, eben ihre 3 Deutschen Doggen nicht artgerecht gehalten zu haben und damit einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Die Angeklagte wiederum sieht sich als Sprecherin des „Arbeitskreises gerechter Tierschutz“ als Opfer und Verfolgte der Staatsanwaltschaft. Sie wirft der Anklagebehörde vor, völlig zu Unrecht und ohne Grund ihre Doggen beschlagnahmt zu haben. Allerdings hat das Landgericht die Beschlagnahme der Tiere erst am 18. August Aufrecht erhalten, zwei der Hunde sind noch in Pflege untergebracht, ein drittes Tier ist mittlerweile verstorben.
Schon vor Prozessbeginn demonstrierte ein Dutzend Freunde und Sympathisanten der Anklagten zusammen mit ihr mit Plakaten und Trillerpfeifen vor dem Plöner Amtsgericht, prangerten dabei die Willkür der Staatsanwaltschaft bei der Beschlagnahme von Tieren an. Im Gerichtssaal selbst gut zwei Dutzend Zuhörer. Bevor überhaupt die Personalien erörtert und die Anklage verlesen werden kann, stellt die Verteidigung den Antrag, sechs Zuhörer als möglich zu benennende Zeuge des Saales zu verweisen. Überhaupt sei die Anklage fehlerhaft und deshalb das Strafverfahren einzustellen. Beweismittel würden unterschlagen und eine mangelnde Ernährung der Hunde habe es gar nicht gegeben. Was der Angeklagten vorgeworfen werde sei „hanebüchen“, so ihr Anwalt. Laut der Angeklagten gab es keine äußerlichen Anzeigen für einen schlechten Zustand der Tiere. Das Gericht weist den Antrag zurück.
Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Als die Tiere am 22. April vergangenen Jahres sichergestellt wurden, habe es in dem Haus „penetrant gestunken“, es habe nach „Kot, Urin und Futterresten gestunken“. Einer der Hunde sei in einem nur 5 qm großen Raum hinter der Haustür gehalten worden, ein anderer im wenig größeren Badezimmer. Der dritte, ein Rüde, in einem verschlossenen Anbau. Alle Tiere wiesen eine „hochgradige Unterernährung mit kaum noch eingelagertem Körperfett auf“, so die Anklage wörtlich. Am ärgsten sei der Zustand der Rüden gewesen. Dabei habe die Angeklagte „wissentlich gehandelt, sie wusste welche Folgen auf die Tiere durch die mangelnde Ernährung zukommt“, so der Ankläger.
In einer langen Erklärung weist die Angeklagte Verena R. die Vorwürfe zurück. Die Tiere seien artgerecht gehalten worden, sie hätten auch auf einem rund 1000 qm großen Gelände ausreichen Auslauf und Bewegung gehabt. Allerdings seien die Hunde erkrankt gewesen und hätten deshalb an Gewicht verloren. Sie befanden sich aber schon auf dem Weg der Besserung. „Niemand würde für die Tiere so viel tun wie ich“, beteuert die 59-jährige vor dem Gericht. „Meine Hunde sind meine Weggefährten“. Sechs Stunden täglich habe sie sich um die Doggen gekümmert. Sie hätte auch Spezialfutter vom Tierarzt bezogen. „Da war kein Kot und kein Urin“. Mit einem Babyphone habe sie nachts über die rekonvaleszierenden Tiere gewacht. „Im Übrigen sei einer der Hunde 44 Tage nach der Beschlagnahme in der Obhut der Staatsanwaltschaft verstorben, was mir nun zur Last gelegt wird“.
Ein ganz anderes Bild zeichnet dann die als Zeugin befragte Amtstierärztin des Kreises Plön, Dr. Kirstin Schwartau, die im April 2013 die Hunde im Beisein der Staatsanwaltschaft bei der Eigentümerin sicherstellte. Das erste Tier, die Hündin „Blanchette“ war in einem nur 5 qm großen Raum „tierschutzwidrig untergebracht ohne Bewegungsfläche“. Ein großer Raum daneben war vollgestellt. Eine Treppe höher war „Benedetta“ in einem Bad untergebracht. „Beide Hunde waren sehr dünn“. Es war zudem „sehr, sehr“ dreckig und stank, so die Amtstierärztin Kirstin Schwartau. Am schlimmsten aber erging es aus ihrer Sicht dem Rüden „Borega“. Sein Strohbett im Anbau war nur noch unbeschreiblich nass. Weil seine Schlafbox feucht und vollgekotet war, schlief der Hund auf dem Boden. Dadurch zog er sich schmerzende Schwielen als Liegeschäden zu. Er war „abgemagert zu einem Skelett von Haut und Knochen“. „Ich habe selten so einen Rüden gesehen“, sagte die Amtstierärztin wörtlich. Aus ihrer Sicht wurden die Hunde überwiegend im Haus gehalten, hatten viel zu wenig Auslauf. Schockierend seien die Kratzspuren an den Wänden gewesen, ein Zeichen für den Bewegungsmangel. Alle Tiere müssten viel zu wenig zu fressen bekommen haben. „Die Doggen haben explizit unter zu wenig Bewegung gelitten“. Das erkläre auch die Krankheiten – Magendrehungen und Aufgasungen, beides für Doggen durchaus typische Erkrankungen bei stark eingeschränkter Bewegung. Die Gesamtumstände hätten deshalb ein „erhebliches Leiden für die Hunde in einer solchen Umgebung“ bedeutet, sagte Kirstin Schwartau.
War es nur die falsche Ernährung, das falsche oder zu wenig Futter. Waren die Umstände vor Ort, die zur Beschlagnahme der Tiere führte, wirklich so schlimm? Und was führte letztlich zum Tod des einen Tieres in der Beschlagnahme. Das sind Fragen, denen das Gericht nun mit der Befragung weiterer Zeugen und Gutachten nachgehen wird. Der Prozess soll zunächst am Freitag fortgesetzt werden. Ob aber schon am 1. Oktober mit einem Urteil gerechnet werden kann ist mittlerweile mehr als fraglich.

Jörg Wilhelmy

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erstellt am 24.Sep.2014 | 18:58 Uhr

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