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Demenz: Krankenhaus will Beratungsnetzwerk gründen

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Oft ist es ein schleichender Prozess, bis die Diagnose feststeht: Demenz. „Zunächst ist es nur der Einkauf, den die Tochter für ihre alte Mutter übernimmt, später auch das Putzen und Kochen“, schildert Jochen Gust, der als Altenpfleger im Fachdienst Geriatrie des Sankt-Elisabeth-Krankenhauses arbeitet. Doch wenn die Selbstständigkeit schwinde und die Desorientierung zunehme, werde die Pflege schnell zu einer Vollzeitbeschäftigung.

Morgen ist nicht nur Bundestagswahl, sondern auch der Welt-Alzheimer-Tag. Mehr als 40 000 Betroffene leben in Schleswig-Holstein, bis zu 4000 im Kreis Ostholstein. Und diese Zahl dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb hat sich das Sankt-Elisabeth-Krankenhaus das Ziel gesetzt, ein Beratungsnetzwerk für Angehörige zu schaffen. Schon jetzt ist die Klinik eine zentrale Anlaufstelle in Ostholstein: „Angehörige können sich bei uns melden und beraten lassen“, schildert Gust, der Schulungen für Pfleger und Angehörige anbietet. Oft bräuchten sie Hilfe bei der Orientierung: Welche Angebote gibt es in Ostholstein? Welche Unterstützung kann ich in Anspruch nehmen? Andere suchten auch einfach das Gespräch, um ihre Probleme offen ansprechen zu können.

„Die Angehörigen müssen stärker in den Fokus der Bemühungen“, betont Gust. Durch umfassende Beratungen und gezielte Schulungen könnten viele Einweisungen ins Krankenhaus oder ins Heim vermieden werden. Oft liege dafür gar keine medizinische Notwendigkeit vor. Es gelte vielmehr, die speziellen Verhaltensweisen dementer Menschen zu verstehen und mit ihnen umgehen zu lernen. Wenn ein Betroffener beispielsweise täglich seinen Schrank durchwühle, dann könne man als Angehöriger – statt zu schimpfen – seine eigenen Ordnungsvorstellungen überdenken. „Die Frage ist immer: Wer hat eigentlich das Problem? Und oft ist das der Angehörige“, schmunzelt Gust.

Doch der Umgang mit Demenz muss gelernt sein: Eine große Hürde sei oft das gegenseitige Unverständnis – fast als spreche man verschiedene Sprachen. Im Gespräch Brücken zu bauen, um beschämende Situationen zu vermeiden, oder auf sinnlose Diskussionen zu verzichten: Jochen Gust gibt Angehörigen praktische Hinweise, wie der Alltag mit einem Demenzkranken bewältigt werden kann. Um Betroffene im Alltag noch gezielter unterstützen zu können, brauche man aber zusätzliche Versorgungsangebote. Gust nennt hierbei die „aufsuchende Hilfe“ – geschultes Personal, das Betroffene direkt zu Hause unterstützen könnte. Auf die Schließung dieser Versorgungslücke arbeite die Klinik hin.

„Die Demenz selbst können wir nicht heilen“, betont Dr. Hartmut Niefer, der Ärztliche Direktor und Chefarzt für innere Medizin und Geriatrie. „Doch wir können uns ihr anpassen.“ Und dabei sind die Angehörigen in Ostholstein nicht allein. Jochen Gust ist unter Telefon 04521/802121 oder per Mail an gust@sek-eutin.de zu erreichen.

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