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Dealer muss nicht in Haft – Geldstrafe ist seine letzte Chance

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 10:03 Uhr

Die Strafe ist ernst zu nehmen, doch das Gericht hatte ein Einsehen mit den beiden Angeklagten. Das Schöffengericht um Richter Otto Witt verurteilte einen Eutiner wegen Drogenhandels zu 1200 Euro Strafe. Der Mitangeklagte aus Malente kam mit 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon.

Der Hauptangeklagte, ein ungelernter, arbeitsloser 28-Jähriger musste sich gestern für drei Taten vor dem Amtsgericht Eutin verantworten. Er hatte in der Zeit von September bis November 2014 zweimal je 50 Gramm Marihuana für 400 Euro erstanden und weiterverkauft. Die dritte Tat am 10. November war mit 102 Gramm für 830 Euro nicht nur im Umfang höher. Der THC-Gehalt des Stoffes lag nach Angabe des Landeskriminalamtes damals bei 12,7 Gramm. Der Wert war damit fast doppelt so hoch wie der vom Gesetzgeber noch als niedrig eingestufte Maximalgehalt von 7,5 Gramm des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol (THC). Bei einer solchen Höhe, eben mehr als 7,5 Gramm Cannabis, greift die Rechtsprechung für Verbrechen. Man spricht nicht mehr von Vergehen. Verbrechen werden theoretisch mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr geahndet. Praktisch können mildernde Umstände greifen.

Der Angeklagte sei sehr kooperativ gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Peter Lofing. Die Polizei habe er bereitwillig in seine Wohnung gelassen und die Sachlage geschildert. Richter Otto Witt, unterstützt von zwei Schöffen, hielt dem Mann zugute: „Sie haben Reue gezeigt. Wir haben das Gefühl, dass es Ihnen nahe gegangen ist.“ Er warnte den 28-Jährigen, die Geldstrafe auf die leichte Schulter zu nehmen. „Werden Sie wieder straffällig, gehen Sie ins Gefängnis.“ Witt riet dem Mann eindringlich, sich ambulant helfen zu lassen. Sonst sei seine Verlobte eines Tages weg. „Sie haben eine sehr stabile Partnerin an Ihrer Seite.“

Die Verlobte hatte als Zeugin ausgesagt und dazu beigetragen, dass auch der Mitangeklagte Malenter gestand. Ihm war vorgeworfen worden, den Angeklagten bei seiner dritten Tat zum Intermar, dem Ort der Rauschmittelübergabe, gefahren zu haben. Der 23-Jährige will von dem Grund der Fahrt nichts gewusst haben. Bis zur Aussage der Zeugin schwieg er, besann sich dann aber und gestand seinem Verteidiger Andreas Hillesheim in kurzer Pause, von dem Grund der Tour, dem Beschaffen des Marihuanas, gewusst zu haben.

Da er, wie der Hauptangeklagte, nicht vorbestraft aber ebenso ohne Arbeit ist, plädierte der Oberstaatsanwalt statt einer Geldstrafe für gemeinnützige Arbeit. „Ich halte es für sinnvoll, Rhythmus in Ihr Leben zu bringen, dass Sie wieder in den Arbeitsprozess kommen.“ Das Schöffengericht stellte das Verfahren ein und verordnete dem 23-Jährigen 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit bei der Gemeinde Malente.

Der Hauptangeklagte indes kam nicht so glimpflich, aber noch ohne Freiheitsstrafe davon. Während sein Verteidiger Jochen Veen alle Taten als Vergehen beurteilt wissen wollte und 100 Tagessätze forderte, schloss sich das Gericht der Staatsanwaltschaft an und verhängte 120 Tagessätze à 10 Euro, monatlich mit 30 Euro zu begleichen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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