Kinderinsel bekommt Testat : Dazugehören mit Schnippelteppichen

Ein Testat und eine Netzwerkfliese (vorn) bekam die Kinderinsel  für die bestandene Prüfung. Außerdem übergab Ute von Bargen-Sauer, Fachreferentin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands (rechts hinten), der Kindergartenleiterin Uta Steinkamp ein Bild mit den zusammengefügten Fliesen aller Kindergärten im Land, die an der Qualitätsentwicklung teilgenommen haben. Foto: sina wilke
Ein Testat und eine Netzwerkfliese (vorn) bekam die Kinderinsel für die bestandene Prüfung. Außerdem übergab Ute von Bargen-Sauer, Fachreferentin des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands (rechts hinten), der Kindergartenleiterin Uta Steinkamp ein Bild mit den zusammengefügten Fliesen aller Kindergärten im Land, die an der Qualitätsentwicklung teilgenommen haben. Foto: sina wilke

Die "Kinderinsel" hat eine Qualitätsprüfung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands bestanden und bekam dafür am Dienstag ein Testat.

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02. Februar 2011, 10:18 Uhr

Eutin | Nein, worum es ging, wussten die Kinder der Kinderinsel nicht. Und sie verstanden es auch nicht, nachdem mehrere Gäste eine ganze Weile darüber gesprochen hatten. Inklusion, Qualitätsentwicklung, Testat, Selbstreflexion - was sollte das alles sein? Etwas Gutes passierte jedenfalls, denn die Erwachsenen freuten sich, und schließlich hatten sie extra einen Kuchen gebacken.

Erst ihre Kindergärtnerin Uta Steinkamp sprach so, dass man es verstand. Die Leiterin der Kinderinsel erzählte von Max und Marie (Namen geändert), die ganz unterschiedlich sind und doch jede Menge miteinander zu besprechen haben. Max ist sechs, er kommt bald in die Schule, trägt aber noch Windeln und spricht noch nicht so gut. Marie ist zwei und ziemlich plietsch. Jeden Morgen treffen sich die beiden an einem großen Tisch und basteln Schnippelteppiche - bemalte und mit Scheren sorgfältig zerzauste Papierblätter. "Sie sind jetzt beide Fachleute für Schnippelteppiche. So ist es möglich, dass Max einfach so dazugehört", erklärt Uta Steinkamp.

Das verstehen die Kinder. Aber die Erwachsenen nennen es Inklusion. Oder, noch komplizierter: Lernorientierte Qualitätstestierung für Kindertagesstätten plus Inklusion. Weil die Kinderinsel diese Qualitätsprüfung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes bestanden hat, gab es gestern ein Testat und eine Netzwerkfliese, die Gemeinschaft symbolisieren soll.

Qualität zu sichern und verbessern ist das Ziel. Die zentrale Frage dabei lautet: Wie gelingt Lernen am besten? In Workshops diskutierten Mitarbeiterinnen der Kinderinsel zusammen mit Erzieherinnen weiterer Kindergärten seit 2009 regelmäßig das Qualitätsmanagement in Bereichen wie Leitbild, Infrastruktur, Personal, Kooperation oder externe Kommunikation. Das Kinderinsel-Team erarbeitete auf Grundlage der Ergebnisse einen Selbstreport, in dem es die Abläufe in der Kita beschreibt und Verbesserungen entwickelt.

"Zertifizieren war für mich immer ein Aktenordner mit heißer Luft", sagte die Elternvertreterin Stephanie El-Lawn. Genau das wollten die Mitarbeiter der Kinderinsel nicht. 73 Seiten stark ist der kontrollierte Report, der für vier Jahre gültig ist und auf dessen Grundlage sie ihre Arbeit immer wieder überprüfen wollen.

Uta Steinkamp nennt Beispiele: Die Einarbeitung neuer Mitarbeiter sei bisher unstrukturiert gewesen - in Zukunft gibt es eine klare Anleitung dafür. Die Kinder brachten ihr Frühstück selbst mit, und nicht immer war das gesund - nun bekommen alle vor Ort ihr Frühstück.

Der Leitgedanke bei allem ist die Inklusion - die Einbeziehung aller in die Gemeinschaft. "Wir haben Kontakt zu Behindertenwerkstätten aufgenommen und wollen auch behinderten Menschen die Möglichkeit geben, hier einen Arbeitsplatz zu finden", erklärt Uta Steinkamp. Mit Grundschulen will die Einrichtung enger kooperieren, um den Kindern den Übergang in die Schule zu erleichtern.

Und manchmal reicht es auch schlicht, morgens einen großen Tisch mit Schere, Papier und Buntstiften für alle aufzustellen. An dem die zweijährige Marie und der sechsjährige Max die feinsten Schnippelteppiche basteln und dabei herausfinden, dass sie doch gar nicht so verschieden sind.

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