Das Thema Tod enttabuisieren

„Ich habe das Gefühl, ich bemale meinen eigenen Sarg, das ist eine tolle Idee“ – (v. re.) Madame Liné, Elke Schneede-Will und Enno Bünning griffen zu Farbtopf und Pinsel.
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„Ich habe das Gefühl, ich bemale meinen eigenen Sarg, das ist eine tolle Idee“ – (v. re.) Madame Liné, Elke Schneede-Will und Enno Bünning griffen zu Farbtopf und Pinsel.

Der „Andere Totensonntag“ bot erstmals am Kreismuseum Infos und Aktionen rund um Trauer und Co.

shz.de von
27. Mai 2018, 16:00 Uhr

Draußen im Sonnenschein, mitten im Frühling den „Anderen Totensonntag“ feiern: Diese Idee setzte Holger Stenkamp aus Wittmoldt, Bestatter und Vorstandsmitglied der Plöner Hospiz-Initiative, gestern erstmals in Plön am Kreismuseum mit der Hospiz-Initiative und Ausstellern um. Das Ziel: Berührungsängste abbauen und das Thema Tod enttabuisieren.

Ein bunter Markt der Möglichkeiten lud dazu ein, Blumenschmuck zu binden, einen Sarg zu bemalen und darin Probe zu liegen, Urnen und Geschenkkarten zu gestalten, weiße Luftballone in den Himmel zu schicken, Stempel zu schnitzen und Stelen zu bemalen. Eine Ausstellung zeigte Fotos von Friedhöfen. Wer wollte, griff zu Pinsel und Farbe wie Madame Liné, Elke Schneede-Will und Enno Bünning und verwandelte den schlichten Holzsarg in eine bunte Landschaft. Andere versahen weiße Luftballons mit beschrifteten Kärtchen zum Gedenken des Lebens und der Toten und entsandte sie gen Himmel.

Pastor Lutz Thiele eröffnete den Nachmittag mit einer Andacht open air vor der Johanniskirche und zitierte Zeilen aus „Tears in heaven“ von Eric Clapton. Stenkamp sprach dazu einfühlsame Gedanken, wie sich Trauer und Gefühlen gerecht werden ließe. Sascha Janx (Gitarre) hatte eigens für diesen Anlass ein Stück komponiert. „Verdrängen wir den Tod aus dem Leben, geht dem Leben Tiefe verloren. Der Tod gehört zum Leben, wie Verstorbene zum Leben gehört haben“, so Thiele. „Ziel ist es, den Tod ins Gespräch, in die Gesellschaft zu bringen. Je mehr wir den Tod verdrängen und sprachlos werden, desto schwieriger ist es für unser Wohlbefinden. Wir würdigen das Leben ganz anders, wenn wir uns mit dem Tod beschäftigen.“ Früher hätten die Menschen zu Hause Abschied genommen, und auch heute noch sei es Brauch auf Föhr, mit den Verstorbenen an die Orte zu fahren, die ihnen wichtig waren.

„Es ist wichtig, sich Zeit für den Abschied zu nehmen, den Menschen bei sich zu halten und nicht wie Sondermüll aus dem Haus zu schaffen. Der Tod gehört dazu wie die Geburt“, erzählte Besucherin Jutta Ziegler. Stenkamp habe ihre Mutter und ihren Schwiegervater begleitet. „Es hat sehr geholfen, dass wir Zeit hatten, uns zu verabschieden. Das kann eine sehr persönliche Geschichte sein. Ich möchte Mut machen, sich davon anrühren zu lassen“, meinte die Plönerin.

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