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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 22:15 Uhr

Das Theater lässt die Räuber rocken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Sommeroper zeigt Schillers Erstling „Die Räuber“ / Die Kettcar-Musiker Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff komponieren die Songs

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Die Sommeroper in der Landeshauptstadt fällt in dieser Saison äußerst rockig aus. Nach der Shakespeares berühmter Tragödie „Romeo und Julia“ (2014) und der Verdi-Oper „Nabucco“ (2015) kommen jetzt „Die Räuber“ von Friedrich Schiller auf die Bühne. Generalintendant Daniel Karasek übernimmt die Inszenierung, ihm zur Seite steht Dramaturg Jens Paulsen. Der Clou: Die Musik zum klassischen Literatur-Drama schreiben Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff – bekannt als Songwriter der deutschen Band „Kettcar“. Premiere wird am Freitag, 1. Juli, sein. Bis zum 17. Juli laufen 15 Vorstellungen. In den Vorjahren waren die Veranstaltungen stets ausverkauft. Zudem erlebten Tausende begeisterter Zuschauer die Premiere der Open-Air-Aufführung bei den Live-Übertragungen in vier Stadtteile.

„Die Räuber“ ist das Erstlingswerk des zornigen, gerade einmal 22 Jahre alten Friedrich Schiller. Es wird der „Sturm-und-Drang-Periode“ der deutschen Literatur zugerechnet. Der Autor heizt mit den grundlegenden Fragen nach Freiheit und Rebellion, nach Aufbruch und Liebe den klassischen Bruder-Konflikt auf: Die völlig unterschiedlichen Söhne Franz und Karl ringen um das Ansehen ihres Vaters Maximilian Moor. Tyrannischer Hausherr wird der eine, Räuberhauptmann der andere – das Stück läuft auf ein blutiges Duell ohne Sieger hinaus.

Wiebusch wie Bustorff hatten in Vor-Kettcar-Zeiten in Punk-Bands Musik gemacht. Das ist eine nützliche Erfahrung für die Arbeit am Kieler Stück. Denn eben diese Rebellion, diese lautstarke Auflehnung gegen das Bestehende zeichnet auch Karl Moor aus, den Schiller am Vorabend der Französischen Revolution als Räuber mit Moral gezeichnet hat. Karl träumt von einer besseren Gesellschaft. „Tod oder Freiheit“ heißt eines der insgesamt 14 Lieder, die das Duo Wiebusch & Bustorff komponiert hat – für die Räuberbande vor der Schlacht gegen die Obrigkeit.

Aber auch an Bruder Franz, dem bürgerlichen Scheusal, haben sie Gefallen gefunden. „Böse Charaktere sind immer faszinierend“, sagt Wiebusch. Die Musiker sind sich darüber im Klaren, dass sie bei ihrer Arbeit am Schiller-Stück „in großen Schuhen unterwegs“ sind, wenn es beispielsweise gilt, einen markanten Monolog auf zweieinhalb Minuten Musik herunterzubrechen, ohne in seichten Kitsch zu verfallen. 60 bis 70 Prozent der Arbeit, so schätzen sie, sind bereits fertig. Ein paar Monate Zeit haben sie noch – die Proben für „Die Räuber“ beginnen im Mai.
 

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