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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 05:56 Uhr

Das Team geht gestärkt in die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Festspiele-Geschäftsführerin Sabine Kuhnert spricht über ihr „härtestes Jahr“ im Arbeitsleben, „von dem aber viel Positives bleibt“

shz.de von
erstellt am 28.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Jetzt ist es amtlich: Der Verkauf der Festspiele von der Eutiner Wirtschaftsvereinigung an die Cautus GmbH (52 Prozent), Arend Knoop und Dr. Joachim Scheele wurde gestern Vormittag beim Notar besiegelt.

Was bedeutet das nach einem Jahr voller Hochs und Tiefs für Sie als Geschäftsführerin, Frau Kuhnert, und für die Festspiele?
Sabine Kuhnert: Für die Festspiele und für mich bedeutet es, dass jetzt Ruhe einkehrt und wir mit Freude wieder an die Arbeit gehen können. Das ist vorrangig für beide – die Festspiele und mich.

Die Diskussionen im Sommer spielten sich – Sie sagten es selbst – auch unter der Gürtellinie ab. Haben Sie irgendwann mal daran gezweifelt, dass Sie und die Festspiele überhaupt eine gemeinsame Zukunft haben?

Das habe ich häufiger getan, mich gefragt, bin ich eigentlich die Richtige oder wie wäre es ohne mich. Das muss man selbstkritisch denken. Aber dann kam die Verkettung. Wäre ich weggegangen, wäre das Team weggegangen und dann hätte es die Festspiele nicht mehr gegeben.

War der Verkauf der Festspiele durch die WVE die einzige Möglichkeit, die Festspiele ein zweites Mal zu retten?

Es wäre so nicht mehr lange weiter gegangen. Es war damals allergrößtes bürgerschaftliches und vorbildliches Engagement, die Festspiele zu retten. Aber es muss dann auch erkannt werden, wann ein Unternehmen in die nächste Phase gehen muss. Und das war jetzt wirklich allerhöchste Zeit – unabhängig von meiner Person.

Die Cautus GmbH, der schon die Opernscheune gehört, hält 52 Prozent der Anteile. Dr. Joachim Scheele und Arend Knoop als Technischer Direktor teilen sich die 48 Prozent zu gleichen Teilen. Bedeutet das, dass die Cautus GmbH bei Entscheidungen künftig das letzte Wort hat?

Definitiv nicht. Herr Stemmler von der Cautus GmbH bleibt treu in der Kontinuität dessen, was Herr Ulbrich für Eutin damals getan hat. Es ist ein klarer nächster Schritt. Nichts anderes war es damals, als die Opernscheune verkauft wurde. Ich gehe davon aus, dass im Sinne der Festspiele inhaltliche Entscheidungen gefällt werden. Wir wollen künftig, und das ist allen Eignern und uns als Team wichtig, über die Inhalte sprechen und in die Zukunft schauen, nicht zurück. Das Image der Festspiele muss wieder in positive Richtung gebracht werden.

Hat dieses Jahr dem Image der Festspiele so geschadet?

Ja, es hat gelitten. Unsere vordergründige Aufgabe, dieses Image wieder aufzupolieren, wird uns gelingen durch die hervorragende Qualität, die wir bieten können. Noch gibt es keine abschließenden Zahlen, aber wir haben in diesem Jahr eine 64-prozentige Auslastung geschafft und das ist das beste Ergebnis seit Bestehen der Neuen Eutiner Festspiele.

Und was nehmen Sie aus diesem Jahr mit?
Es war das härteste Jahr in meinem ganzen Arbeitsleben, aber es ist auch ganz viel Positives übrig geblieben für mich. Ich habe viel menschliche Zuwendung erfahren und ich fühlte mich sehr gestärkt in vielen Einzelgesprächen durch unsere institutionellen Förderer – ob Land, Kreis oder Kommune. Das hat geholfen und gut getan.

Ist die Zukunft der Festspiele jetzt gesichert?

Sie ist auf jeden Fall viel stabiler als es vorher gewesen ist. Es ist eine zukunftsweisende Entscheidung gewesen. Stabilität hat etwas mit Kontinuität zu tun. Dazu gehören auch Menschen, ein Team, was längerfristig dabei ist. Und wir als Team, also Intendantin Dominique Caron, Arend Knoop und ich, haben uns verpflichtet, mindestens zwei Jahre zusammen weiter zu machen. Das war auch eine Bedingung seitens der Gesellschafter zu dem Verkauf.

Was hat dieses ganze Auf und Ab mit ihnen als Team gemacht?

Wir wussten immer, dass wir uns aufeinander verlassen können und Hand in Hand arbeiten. Deshalb haben wir immer gesagt, dass wir im Sinne der Festspiele nur gemeinsam arbeiten wollen. Vertrauen ist das Wichtigste in einer so engen Zusammenarbeit. Dazu gehört auch, dass jeder von uns seine festen Verantwortungsbereiche hat. Dominique Caron ist als Intendantin für den gesamten künstlerischen Bereich verantwortlich, Arend Knoop als Technischer Direktor für den gesamten technischen Betrieb. Ich habe die Gesamtverantwortung, aber alles geschieht in direkter Absprache. Ich käme nie auf die Idee, die Künstlerauswahl der Intendantin zu hinterfragen oder Arend Knoop bei seiner Technik hineinzureden.

Schauen wir nach vorn. Welche Herausforderungen neben dem Aufpolieren des Festspiele-Images warten jetzt?

Wir sollten zunehmend mehr mit anderen kulturellen Institutionen kooperieren. Das hat etwas mit Finanzen und Inhalten zu tun. Beispielsweise mit dem Schleswig-Holstein Musikfestival (SHMF), dem Landestheater, der Landesbibliothek und den Museen vor Ort. Das werde ich pflegen und anstoßen. Das werden die Aufgaben der Zukunft sein, wenn wir das Jahr 2016 abgearbeitet haben. Langfristig müssen wir auch das Publikum in kleinen Schritten verjüngen.

Wie kann das klappen?
In dem wir solche Experimente wie die Movie-Night wagen. Die Zufriedenheit der Gäste war bei 100 Prozent. Beim nächsten Mal müssen nur noch die Zahlen dazu stimmen.

Sie sprachen es eben selber an: Das nächste Jahr wird nicht nur wegen der neuen Strukturen der Festspiele ein besonderes, sondern auch, weil sie mitten in der LGS stattfinden werden. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie in der Zusammenarbeit mit der LGS?

Die Zusammenarbeit hat sich in eine sehr gute Richtung entwickelt, konstruktiv und pragmatisch. Das ist auch der einzig mögliche Weg, dieser gemeinsame Herausforderung stand zu halten. Die LGS hat die Festspiele im Blick aber es wird vieles auch erst kurzfristig geregelt werden können. Wir sind im ständigen Dialog.

Wird es gelingen, das Bühnenbild geheim zu halten, sind Schauproben oder ähnliches geplant, um die LGS-Besucher neugierig auf die Festspiele zu machen?

Das Bühnenbild wird fertig sein zur LGS-Eröffnung. Das Bild als solches ist eine Sache; die Beleuchtung und Inszenierung eine andere. Ja, es sind Schauproben geplant, zu denen kleine Gruppen zugelassen werden. Auch Auftritte im Rahmen der Kulturbühnen auf dem LGS-Gelände sind eine Idee. Was wir aber in jedem Fall machen werden: Wir werben zusammen mit der LGS in der Lübecker und in der Kieler Bucht auch mit den Künstlern. Denn ich glaube, dass der LGS-Besucher eher nicht spontan abends auch noch zu den Festspielen geht. Das muss vorher geplant sein. Was wir schon merken, ist der Anstieg der Busreiseunternehmen um 25 bis 30 Prozent, die ein Gesamtpackage von LGS und Festspielen anbieten. Und wir öffnen unser Kartenhäuschen im Jungfernstieg, wo ja auch viele Besucher vorbeigehen.

Wird es neben den geplanten Aufführungen der Festspiele auch andere Veranstaltungen zur LGS auf der Freilichtbühne geben?

Das SHMF kommt einmal im Jahr nach Eutin. Ob es darüber hinaus noch mehr geben wird, wird gerade besprochen. Es gibt einen ganzen Pool von Ideen, aber das hat letztlich auch etwas mit Finanzen zu tun. Das wird sich erst im Frühjahr entscheiden. Aber man muss auch fair bleiben. Die LGS plant 2000 Veranstaltungen. Ich denke, dass wir da auch gut bedient sind mit zwei Opern und der Operette.

Wen sehen wir von den Künstlern im nächsten Jahr wieder?

Die Besetzung des Vogelhändlers ist die gleiche. Aber mehr darüber erzählt Dominique Caron am Montag in einer Pressekonferenz.

Können Sie jetzt entspannt in die Weihnachtszeit starten?

Ja, weil es für die Festspiele eine positive Wendung gab. Sie sind ein wirkliches Kleinod in Holstein aber auch im ganzen Land, das es wert ist, dafür zu kämpfen. Und man muss echt stolz sein, dass es die Festspiele hier in Eutin gibt.




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