Ostholstein : Das Sterben der Insekten

Zwischen beiden Aufnahmen liegt fast exakt ein Jahr: Der Außenspiegel eines Pkw nach rund 2000 Kilometern im September 2016 (oben) und nach rund 6000 Kilometern ein Jahr später.
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Zwischen beiden Aufnahmen liegt fast exakt ein Jahr: Der Außenspiegel eines Pkw nach rund 2000 Kilometern im September 2016 (oben) und nach rund 6000 Kilometern ein Jahr später.

Während Wissenschaftler über Methoden und Dimensionen streiten, kann jeder den Insektenschwund sehen.

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06. Januar 2018, 13:00 Uhr

Es gehörte zu den herausragenden Themen des vergangenen Jahres, aber es bleibt die Frage, ob ihm schon der Stellenwert beigemessen wird, den es verdient: Das Problem des in weiten Teilen Europas sichtbaren Insektenschwundes. Während sich Wissenschaftler mehr oder weniger ernsthaft mit der Frage beschäftigen, wie sich die Dimension des Insektenschwundes seriös nachweisen lässt, kann jeder Laie die Zeichen lesen.

Es gibt vermutlich nur wenig Autofahrer, die nicht registrieren, dass es immer weniger Insekten gibt. Eine klare Sprache sprechen zwei Fotos, die zufällig mit einem Abstand von einem Jahr gemacht wurden: Das erste zeigt den Außenspiegel eines Pkw am 15. September 2016 nach einer Fahrt, die von Eutin nach München und zurück führte. Rund 2000 Kilometer wurden dabei zurück gelegt, die auf der Spiegelrückseite und der Front des Autos hängen gebliebenen Insekten bilden fast eine geschlossene Schicht.

Das zweite Foto stammt vom 18. September 2017 nach einer Urlaubsreise von Eutin nach Sardinien und zurück: Knapp 6000 Kilometer hatte das Auto zurückgelegt – und selbst die Strecke durch die wärmeren Gefilde südlich der Alpen und die Fahrten auf der zweitgrößten Insel des Mittelmeeres hatten keinen signifikanten „Insektenfriedhof“ auf dem Auto hinterlassen.

Sicher ist das kein Beweis im wissenschaftlichen Sinn. Aber es wird schwer sein, sie anders zu erklären als mit einer deutlich geringeren Zahl an Insekten, die in diesen Septembertagen in der Luft schwirrten.

Deutlich klarer als der Befund sind die Antworten auf die Frage nach der Ursache; und erstaunlich ist angesichts des Ausmaßes dieser dramatischen Entwicklung, wie wenig wissenschaftliche Forschung es dazu überhaupt gibt.

Der Ostholsteiner Anzeiger hat zwei Naturexperten aus Eutin gebeten, das Phänomen aus ihrer Sicht zu beleuchten. Die beiden Beiträge stehen auf dieser Seite. Holger Jürgensen ist Vorsitzender der Vogelschutzgruppe Eutin-Malente und war als Diplom-Agraringenieur Mitarbeiter eines Saatgutunternehmens. Oscar Klose ist Vorsitzender des Naturschutzbundes Eutin.

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