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„Das schlimmste aber war der Judenstern“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Helen Waldstein Wilkes, Angehörige einer nach Kanada geflohenen jüdischen Familie, war zu Gast bei der Waldorfschule

Einen ergreifenden Vortrag mit Lesung aus ihrem Buch „Das Schlimmste aber war der Judenstern“ hielt Helen Waldstein Wilkes (Foto) vor den Oberstufenschülern der Waldorfschule und Gästen der Inselschule Fehmarn. Das Buchmotto brachte sie dabei so auf den Punkt: „Die Erinnerung an die Toten zu verlieren wäre, als würde man sie ein zweites Mal ermorden“. 15. März 1939: Hitler steht auf der Prager Burg, am selben Tag bekommen Helens Eltern die Genehmigung für die Ausreise der jüdischen Familie nach Kanada. In einer Schachtel findet Helen Waldstein Wilkes erst lange nach dem Tod des Vaters Briefe, geschrieben von Verwandten, die den Weg aus Hitler-Deutschland nicht mehr geschafft hatten. Die Briefe werden seltener, bleiben schließlich ganz aus. Helen Waldstein Wilkes liest sie, reist zu Recherchen nach Europa und schreibt schließlich ihr Buch.

Den Schülern erklärt sie: „Ich wusste, dass nur ich diese Geschichte schreiben konnte – und dass ich sie schreiben musste. Wie kann man das Schicksal von 6 Millionen Menschen vergessen? Auch die einfachen Menschen sind von Bedeutung, jedes Leben zählt. Aus jeder Seite meines Buches entspringt ein Mensch zurück ins Leben.“#

Bei ihrer Lesung aus dem Buch spart sie bewusst die Schilderungen der Greuel aus, aber die mit Bedacht ausgewählten Textpassagen erzielen auch so einen tiefen Eindruck bei den jungen Zuhörern, sie beschreiben gut die perfide und systematisch entwürdigende Behandlung von Menschen im 3. Reich.

Die Schüler haben eine Reihe von Fragen an die Autorin. Eher pessimistisch äußert sich Helen Waldstein Wilkes zur aktuellen politischen Weltlage und zum weltweit anhaltenden latenten oder offenen Antisemitismus. Und doch blitzt auch eine Hoffnung auf. Immer weder betont sie, am liebsten vor jungem Publikum zu sprechen, das noch so viel Zukunft gestalten und die Dinge verbessern könne. Und ihr Vater hatte gesagt: „Das Wichtigste im Leben ist, ein guter Mensch zu sein.“

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erstellt am 06.Sep.2014 | 18:18 Uhr

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