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Lübeck/Eutin : Das Jahr 2016 wird recht sportlich

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die 45-jährige Diplom-Designerin Julia Jankowsky hat das neue Jahr ironisch zusammengefasst

von
erstellt am 01.Jan.2016 | 13:50 Uhr

Die Fußball-Europameisterschaft (11. Juni bis 12. Juli) und die Olympischen Sommerspiele in Brasilien (5. bis 21. August) sind 2016 die sportlichen Höhepunkte. Und auch sonst ist einiges los. Spitze Rechner von günstig gelegenen Brücken-Urlaubstagen erwarten 2016 allerdings gemischte Gefühle: Die 45-jährige Grafik-Designerin Julia Jankowsky hat 366 ereignisreiche Tage des bevorstehenden Schaltjahres in ihrem satirisch-spitzfindigen Kalendarium mit feinen Buntstift-Zeichnungen zusammengefasst.

1973 als origineller Weihnachtsgruß ihrer Mutter Birgid entstanden und nach ihrem frühen Tod von 1977 bis 2003 von Vater Günter Jankowsky († 2008) weiterentwickelt, führt Tochter Julia das kalendarische Gitterwerk ihrer verstorbenen Eltern seit 2003 weiter. In den vergangenen Jahren hat sie den Kalender, der in vielen tausend Exemplaren in aller Welt bewundert wird, weiter entwickelt. Dabei hat sie ihren eigenen ironischen Stil gefunden, wird immer mutiger. Julia Jankowsky ist längst in ihrem Kalendarium angekommen – bunt, ein wenig politisch, mit Witz und Platz für Notizen. Der Jankowsky-Kalender lässt seinen Betrachtern jede Menge Freiraum für Interpretationen.

„Irgendwie fängt das neue Jahr mit einem ‚langen Wochenende’ richtig gut an“, meint Julia Jankowsky und zeichnet einen verlassenen
Silvesterfeierer, der seinen Rausch ausschläft. Über die Heiligen Drei Könige geht es im Januar zu einem Schneemann-Paar. Die Einschätzung der Geschlechtlichkeit der beiden überlässt sie den Betrachtern. Aktuell nimmt sie mit zwei Schulmädchen
die Flüchtlingssituation in Deutschland auf. Für Julia Jankowsky gehören Integration und Bildung ganz eng zusammen: „Die beiden Kinder verstehen sich prächtig, haben sogar eine gleiche Schultasche.“ Weiter geht es über den künstlerischen Schlittschuhläufer anlässlich des 125. Jahrestages der ersten Eiskunst-Europameisterschaft in Hamburg zum Wassermann.

Mit Schneebällen wirft ein junger Mann Anfang Februar auf die Torwand des aktuellen Sportstudios, die es am 5. Februar seit 50 Jahren gibt. „Selbst mit Schneebällen sind die beiden Tor-Löcher nur schwer zu treffen“, zeichnete Julia Jankowsky. Die fiebrige Taube symbolisiert am 14. Februar den 10. Jahrestag des Ausbruches der Vogelgrippe in Deutschland. „Bloody Mary“ (18. Februar) ist nicht nur der Name eines Cocktails, sondern auch der Beiname von Mary Tudor, Königin von England, die 300 Protestanten hinrichten ließ. Sie würde am 18. Februar 500 Jahre alt. Der Fisch als Sternzeichen wird in „Die Zeit“ eingewickelt und das Blatt wird am 21. Februar 70 Jahre alt. Am 27. Februar erklimmt Julia Jankowsky ihre eigene Torte zum 46. Geburtstag.

Der Leuchtturm „Tegeler Plate“ in der Wesermündung eröffnet den März. Vater Günter bekommt zum Geburtstag am 10. März ein kleines Glas mit Rotwein gefüllt. Der 13. März ist ein Superwahl-Sonntag: Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz wählen neue Landtage. Der Gondoliere feiert am 20. März den 425. Geburtstag der „Rialto-Brücke“ mit Blumen zum Frühlingsanfang. „Ostern wird Schnee den Osterhasen frösteln lassen“, prophezeit Julia Jankowsky zum frühen Osterfest. Der Osterhase hat sich – wie Ostereier und Uhrumstellung auch – mit Pudelmützen darauf eingestellt.

Ein Amseleier transportierender Gartenzwerg läutet den April ein bevor der Widder schon mal vorsichtig die Wassertemperatur überprüft. Aprilwetter: eine junge Frau tanzt trotz des Regens gut gelaunt durch die Kalender-Landschaft. Julia Jankowsky lässt den Schriftsteller William Shakespeare zu seinem 400. Todestag am 23. April auf dem Stier durch das Kalendarium reiten. Der Super-Gau von Tschernobyl ist am 26. April vor 30 Jahren passiert.

„Mit dem Wechsel auf den Mai ist vor 25 Jahren der letzte Trabant vom Produktionsband in Zwickau gefahren“, rechnet Julia Jankowski vor. Das umgedrehte, klassische Einbahnstraßen-Schild weist auf den Himmelfahrtstag hin bevor sie das Frühstück am Muttertag mit einem Fischbrötchen und einem „Süß-Getränk“ zu einem Katerfrühstück macht. Coca-Cola wird an diesem Tag 130 Jahre alt. Der Strauß Margeriten steht für den Todestag von Vater Günter. Zu Pfingsten gibt es einen „Aus-Flug“. Circus Roncalli feiert am 18. Mai seinen 40. Geburtstag und Zwillinge – frei nach dem Sternzeichen – lesen gemeinsam in einem Buch bevor der Leuchtturm in Moritzburg in Sachsen den Monat beendet.

Mit einer Hommage an die Bienen, die es mit dem Jakobskreuzkraut so schwer haben, beginnt Julia Jankowsky den Juni. Mit einem kräftigen Torschuss eröffnet sie in blau-weiß-roten Stutzen die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich bevor ein Wochenende später die „Kieler Woche“ eröffnet wird. Nicht zufällig hat die Diplom-Designerin dafür ein Buddelschiff gewählt: „Von Alkohol geleerte Flaschen spielen bei der Kieler Woche ja eine große Rolle.“ Und Ende Juni trifft eine Garnele als Synonym für das Sternzeichen Krebs am Strand auf einen Verwandten (Leuchtturm), der genau so aussieht wie sie.

Erstmals hat Julia Jankowsky Anfang Juli das Schleswig-Holstein-Musik-Festival (2. Juli bis 28. August) mit dem Schwerpunkt Streicher thematisiert. Das Schaf am 5. Juli heißt „Dolly“ und ist das vor 20 Jahren erste geklonte Schaf. Der Torwart hält den am 10. Juli abgeschossenen Fußball zum Ende der Fußball-EM in Paris sicher. 2016 ist der Stieglitz der Vogel des Jahres.

Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 5. August in Rio de Janeiro mit einem bunten Hula-Hop-Tanz einer braungebrannten Brasilianerin. Sportlich ist auch das Paar, das auf einer Banane über den See reitet. Mit einer Gießkanne löscht Julia Jankowsky am 21. August das olympische Feuer. Die Tipps von Dr. Sommer in der „Bravo“ lassen eine Jungfrau (Sternzeichen) erröten. Die bekannte Jugendzeitschrift wird am 26. August 60 Jahre alt und Julia Jankowsky hat die originale Titelseite nachgezeichnet.

Der Pleitegeier kreist am ersten Wochenende im September über dem Flughafenschild von Berlin: schließlich war am 5. September vor zehn Jahren bereits der erste Spatenstich der „Never-Ending-Story“. So zeichnet Julia Jankowsky einen Jungen der im September bereits seine Drachen steigen lässt. Eine Prognose wagt sie für den Preis einer Maß auf dem Münchener Oktoberfest: 11 Euro! Ein Mann versucht die Waage (Sternzeichen) einbeinig und mit Helium gefüllten Ballons um ein paar Kilo zu „betrügen“.

DerOktober beginnt mit einem langen Wochenende und mit einem Bier zum Erntedank-Fest, dem Tag der Deutschen Einheit und einem Lebkuchen-Herz zum Ende der Wies’n in München mit der süßen Aufschrift „Des war’s“. Laubpuster erfreuen Julia Jankowsky überhaupt nicht und trotzdem erhalten sie ihren Platz im Kalendarium. Ein junges Paar hat am 15./16. Oktober ein erstes Date – allerdings ohne persönliche Unterhaltung, sondern über ihre Smartphones. Zum Ende der Frankfurter Buchmesse besteigt ein Mann mühevoll eine Treppe, die aus Büchern geformt wurde. Und der Skorpion sorgt am Ende des Monats mit Bonbons für Helloween gleichzeitig für die Zeitumstellung.

„Phyllis Cormack“ heißt der schrottreife Fischkutter, mit dem Greenpeace 1971 seine erste Aktion gegen Nukleartest startete. Am 6. November ist das bereits 45 Jahre her. Der dritte Leuchtturm im Bunde ist das Leuchtfeuer Pagensand-Mitte an der Elbe. Etwas verzweifelt sitzt der wenig treffsichere Schütze (Sternzeichen) vor seiner Zielscheibe auf dem ersten Weihnachtspaket. Das steht für den 1. Advent. Die Pakete formt Julia Jankowsky im Dezember nach und nach zu einem Weihnachts-Paketbaum bis sie vom Weihnachtsmann ausgefahren werden. Eine große Kanone beendet das Jahr.

 

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