Streit am Bungsberg: : „Das ist lächerlich, unverschämt!“

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Eigentümer, Gemeinde und eine Stiftung streiten um die Nutzung der Bergwiesen

shz.de von
10. Juni 2014, 15:48 Uhr

Urlauber, die das Gras runtertreten, Müll liegen lassen und sich bei der Wanderung auf den Bungsberg womöglich noch verletzen: Die Eigentümer-Familie Schnoor hat jetzt die Reißleine gezogen und die Wiesen rund um den Bungsberg abgesperrt. „Was würden Sie machen, wenn fremde Leute in Ihrem Vorgarten herumtoben?“, fragt Landwirtin Alexandra Schnoor.

Seit vielen Jahren sind die Grünflächen in Familienbesitz, seit etwa einem Monat gibt es Streit um deren Nutzung. Auslöser der Absperrmaßnahmen sei die Verkehrssicherungspflicht, so Schnoor. Denn wenn jemand auf dem Weg zum Gipfel – auf den Wiesen – zu schaden kommt, hafte die Familie, so Schnoor. Der Familie wurde geraten, das Areal entsprechend abzusperren.
Sorgen um die touristische Nutzung – insbesondere im Winter – machten die Runde. Das rief den Zweckverband Bungsberg und die Sparkassen-Stiftung Ostholstein auf den Plan, die beide den Berg
als Ausflugsziel für die ganze Familie und als außerschulischen Lernort im Rahmen des Projekts „Bildungsspaß Ostholstein“ sehen. Beide bemühten sich, die mehr als zwei Hektar großen Wiesen zu pachten – vergeblich. Denn es konnte oder mochte sich niemand auf einen Preis einigen. 5000 Euro Nutzungsentschädigung fordern die Eigentümer der Wiesen. „Das ist lächerlich, unverschämt!“, sagt Jörg Schumacher von der Sparkassenstiftung. Die Familie Schnoor befürchtet nämlich nebenbei noch, dass die landwirtschaftliche Prämien aus Brüssel gestrichen werden könnten, wenn herauskäme, dass die Wiesen nicht ausschließlich zum Heumachen, sondern touristischen Zwecken dienen.

Beim zuständigen Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume wollte man sich gestern zu diesem Einzelfall nicht äußern. „Prämienkürzungen gehören aber zu unserem Tagesgeschäft“, sagt Pressesprecher Martin Schmidt. Und die Flächenprämie für Wiesen liege zurzeit bei etwa 300 Euro pro Hektar.

„Wir haben einen fairen Kompromiss angeboten“, sagt Schumacher und verweist auf die Preislage am Wiesenmarkt: „Da gibt es schon gute Flächen für 400 Euro Pacht.“

Alexandra Schnoor möchte, dass der Urlauberbetrieb weitergeht – wie auch das Heumachen für ihre Pferde. „Bisher hat aber keiner das Gespräch mit uns gesucht“, sagt Schnoor.

Bleibt also die Sorge um den Touristenmagnet Bungsberg: „Der Aufstieg ist weiterhin
gesichert“, sagt Schönwaldes Bürgermeister Hans-Alfred Plötner. Denn der etwa drei Meter breite Pfad durch die Wiese ist Gemeindeland.

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