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Ostholstein : „Das haben wir schon mal geschafft“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Chef der Arbeitsagentur Lübeck sieht die Integration von Flüchtlingen als möglich und große Chance für die regionale Wirtschaft

„Das haben wir schon mal geschafft,“ sagt Markus Dusch, „solche Flüchtlingszahlen hatten wir schon mal. Exakt die gleichen Dimensionen – 1991 nach Ausbruch des Balkankrieges, und das zwei Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze.“

Dusch, Chef der für Ostholstein zuständigen Arbeitsagentur Lübeck, und Karsten Marzian, Leiter des Jobcenters Ostholstein, hatten gestern zum traditionellen Pressegespräch geladen: Rückblick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes 2015 und Blick auf die bevorstehenden Herausforderungen. Naturgemäß stand ein Thema im Fokus: Die Integration der Menschen, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland geflüchtet sind.

In der Gruppe der Arbeitssuchenden spielen Asylbewerber, wie Dusch und Marzian ausführten, noch keine Rolle: Von rund 4000 Arbeitslosen, die das Jobcenter betreut, sind 134 Flüchtlinge, also etwas mehr als drei Prozent. Doch klar ist, dass wachsende Zahlen von Arbeitssuchenden, die mit Aussicht auf erfolgreiche Asylverfahren bleiben dürfen, erst noch kommen.

Die Arbeitsverwaltung sei sehr aktiv in dem Bemühen, die mit der Vermittlung dieser neuen Arbeitskräfte verbundene Herausforderung zu meistern, betonte Dusch. Dazu gehörten Deutschkurse für Erwachsene: Für 1700 Flüchtlinge zahle derzeit die Agentur Kurse, die das Angebot des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ergänzten, denn Sprachkenntnis sei der Schlüssel für berufliche Integration. Die Agentur sei daneben sehr bemüht, Berufsorientierung zu bieten, also den Flüchtlingen zu erklären, welche Möglichkeiten es in Deutschland überhaupt gibt. „Fast alle sagen, sie wollen studieren, damit meinen sie aber keine Universität, sondern eine Berufsausbildung“ Und die Vielfalt dieser Angebote müsse vermittelt werden.

Da die neuen Bürger durchgehend mit einer hohen Motivation und Arbeitsbereitschaft ausgestattet seien, böten sie für die regionale Wirtschaft eine riesige Chance: „Der Fachkräftemangel zeichnet sich in vielen Branchen schon deutlich ab. Und besondere Schwierigkeiten sehen wir auf den Hotel- und Gaststättenbereich zukommen.“

In Syrien habe es auch Tourismus gegeben. Da sei eine Werbung von neuen Arbeitskräften einfacher als für Branchen, die in der Kultur der Flüchtlinge nicht verankert sei: „Es gibt viele junge Männer, die werden sie kaum in Pflegeberufe kriegen,“ nennt Dusch ein Beispiel.

Der Arbeitsmarkt sei aktuell in einer guten Grundverfassung: Die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie zuletzt 1992, die Arbeitslosenquote in Ostholstein sei unter Bundes- und Landesschnitt. Bereits das sechste Jahr in Folge steige die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Es gebe keine Hinweise, dass der gesetzliche Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet habe.

Und die Prognosen für die nahe Zukunft seien gut. Dusch: „Dennoch müssen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen, insbesondere aufgrund der prognostizierten Flüchtlingszahlen.“

Dusch und Marzian betonten, dass Agentur und Jobcenter für die Betreuung von Flüchtlingen zusätzliches Personal und Geld bekämen. Aber alles das werde nicht zu Lasten der anderen Kunden bei Agentur und Jobcenter gehen. Dusch betont: „Denen wird nichts weggenommen.“

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erstellt am 04.Mär.2016 | 11:15 Uhr

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