Das Gesicht als Bühne

Jens Peter Mardersteig  hat Werke des Eutiner Hofmalers Ludwig Philipp Strack neu entdeckt..
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Jens Peter Mardersteig hat Werke des Eutiner Hofmalers Ludwig Philipp Strack neu entdeckt..

„Aufgedeckt. Wandel im Porträt“: Neue Ausstellung im Eutiner Schloss stellt historischen Gemälden moderne Porträts gegenüber

shz.de von
17. Juli 2018, 18:06 Uhr

Der Kieler Künstler Thomas Judisch hatte es in den historischen Räumen der Beletage vorgemacht – erneut gibt es im Schloss ein Wechselspiel von moderner Kunst und klassischen Werken zu erleben. „Aufgedeckt. Wandel im Porträt“ hat Kuratorin Susanne Petersen die neue Ausstellung benannt, die ab Freitag im Schloss zu sehen ist.

Die Ausstellung stellt Gemälde aus dem Schlossbestand modernen Porträts gegenüber. „Sie erzeugt damit eine Spannung, die die Besucher zu neuen Gedanken und Einsichten motivieren will“, sagt Kuratorin Susanne Petersen. Die neue Werkschau sorge dafür, „dass wir nicht in der Vergangenheit verhaftet bleiben, sondern in die Gegenwart gezogen werden“, sagte Schloss-Chefin Brigitta Herrmann (kl. Foto).

Die sechs Künstler – Thorsten Brinkmann, Felix Gyamfi, Birte Lühmann, Minjee Kim, Janine Dasbeck und Stephan Schakulat – waren „total begeistert“, so Petersen, im Schloss ausstellen zu dürfen. Deren Werke seien ein „guter Einstieg zu den Werken aus der Schloss-Sammlung“, sagt Petersen. So lassen sich die originellen Bilder von Thorsten Brinkmann neben dem historischen Wandteppich und dem Bild von Hedwig Eleonora von Schweden mit Prinz Karl Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf aus dem Jahr 1704 im Gobelin-Zimmer nun direkt betrachten. „Elemente der Werke sind vergleichbar“, sagt Petersen.

Das klassische Porträt ist in den blutjungen Exponaten vielfach nicht auf den ersten Blick zu entdecken – wie in der Installation von Janine Dasbeck über ihre Arbeit mit Demenz-Kranken. Aber das sei auch nicht Sinn und Zweck der Ausstellung. „In den Porträts aus dem 20. und 21. Jahrhundert tritt der Porträtierte in den Hintergrund, in den Vordergrund gelangt die Wahrnehmung des Künstlers und des Betrachters im Sinne des Sich-selbst-im-Anderen sehen“, sagt Petersen. Auch die Bildstrategien haben sich über die Jahrzehnte hinweg verändert: Trackingprogramme nehmen Alltagshandlungen auf, Überwachungskameras observieren private Räume – diese Einflüsse hat Birte Lühmann beispielsweise in ihre Werke einfließen lassen. Sieben ihrer Dreier-Serien sind in der Ausstellung zu sehen und zeigen Aquarelle, die auf Bildern von privaten Überwachungskameras basieren.

Anders im 18. und 19. Jahrhundert: „Stolz, Würde, Status – vieles lässt sich an den historischen Porträts ablesen“, so Petersen. Neben der realistischen oder idealisierten Physiognomie des Porträtierten werden auch dessen Vorlieben sichtbar.

Die Ausstellung sei insgesamt „ein riesiger Sprung vom Barock in die Moderne“, so Petersen. Wie auch die Sparkasse Holstein unterstützte der Freundeskreis Schloss Eutin die Schau finanziell. „Wieder ein großer Vertrauensbeweis“, sagt Hermann.

Die Sonderausstellung „Aufgedeckt. Wandel im Porträt“ wird morgen um 19 Uhr eröffnet. Nach einem Grußwort von Brigitta Herrmann werden Kuratorin Susanne Petersen und Dr. Maren Welsch (Schleswig-Holsteinischer Kunstverein) in die Ausstellung einführen. Die musikalische Begleitung der Eröffnung übernimmt Jiri Halada. Die Ausstellung ist ab Freitag, 20. Juli, bis zum 16. September täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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