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Vortrag : „Das Geld ist stabil. Und trotzdem ist etwas faul.“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon fordert in einem Vortrag bei der Sparkasse Holstein eine schnelle Zinswende.

Wer Geld auf die hohe Kante legen will, reibt sich die Augen: Für die meisten Beträge steht bei dem von Banken angebotenen Zinssatz eine Null vor dem Komma. Allmählich verdirbt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken auch den erklärten Freunden des Sparens die Laune. Georg Fahrenschon jedenfalls, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, machte als Gastredner bei der Sparkasse Holstein seinem Ärger kräftig Luft: „Die Europäische Zentralbank muss jetzt möglichst schnell die Zinswende einleiten.“

Fahrenschon hatte im Hause der Sparkasse Holstein zunächst mit Vorstand und Verwaltungsräten Themen wie die internationale Finanzlage, aber auch die regionale Geschäftssituation erörtert. Er nehme sich gerne Zeit für ein gründliches Kennenlernen der Lage vor Ort. „Schnell hin und gleich wieder weg ist nicht mein Ding“, betonte er vor einer abendlichen Kundenveranstaltung im Marstall am Ahrensburger Schloss. Dort nahm der ehemalige bayrische Finanzminister, der seit Mai 2012 als Oberhaupt der deutschen Sparkassen-Familie mit rund 600 Unternehmen amtiert, Stellung zum Thema „Heute Vermögensvernichtung durch niedrige Zinsen – und morgen Vermögensvernichtung durch Inflation?“ Dabei konzedierte er der Europäischen Zentralbank, sie habe mit ihrer Flutung der Geldmärkte wirksam die internationale Finanzkrise bekämpft. Zudem verharre die europäische Preisentwicklung mit derzeit zwei Prozent im kalkulierbaren Rahmen.

Doch Fahrenschon warnte: „Das Geld ist stabil. Und trotzdem ist etwas faul. Denn Niedrigzinsen enteignen Sparer, weil sie bei ihren Anlagen angesichts der Inflationsrate negative Realzinsen hinnehmen müssen. Das führt zu erheblichen Lücken in der privaten Altersvorsorge – und das bei einer dramatisch alternden Gesellschaft.“

Der Verbandschef verwies zudem auf negative Folgen günstiger Kredite für Unternehmen und Krisenstaaten. Die einen würden in hohe Risiken gelockt, die anderen könnten dem Reformdruck ausweichen. „Die Märkte haben sich längst an die Droge des billigen Geldes gewöhnt. Der weitere Konsum wird aber unweigerlich eines Tages zum Zusammenbruch führen.“

Vor diesem Hintergrund appellierte Fahrenschon an die künftige Bundesregierung die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen und auf europäischer Ebene „die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in den Vordergrund zu stellen“. Dazu gehöre auch ein stabiles Bankensystem – und dort seien noch etliche Hausaufgaben zu erledigen. So müssten die Großbanken, die zum Teil viel mehr Geld bewegten als viele Staaten, noch zu mehr Risikovorsorge angehalten werden. Die Sparkassen hingegen seien aufgrund ihrer kommunalen Verankerung und gegenseitigen Einlagensicherung ein „zentraler Stabilisator regionaler Wirtschaftskreisläufe“. Fahrenschon betonte deren solides Geschäftsmodell: „Die deutschen Sparkassen haben 130 Milliarden Euro mehr Einlagen als Ausleihungen in den Büchern. Es gibt für uns keinen Grund, bei der EZB vorsingen zu müssen.“

Stormarns Landrat Klaus Plöger begrüßte „die klare Art, mit der Georg Fahrenschon die Probleme anspricht.“ Sein ostholsteinischer Kollege Reinhard Sager unterstrich die dramatischen Konsequenzen anhaltend niedriger Zinsen für die Altersvorsorge. Und Martin Lüdiger, Chef der Sparkasse Holstein, beschwor die Kunden, für höhere Zinsen jetzt keine waghalsigen Anlagemanöver zu fahren: „Einen kleinen Vermögensverlust in Kauf zu nehmen ist vernünftiger als zocken.“

 

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erstellt am 21.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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