Das Ende von Freundschaften: Als Graf Stolberg katholisch wurde

Das Eutiner Voß-Haus um 1860, wie es ein historischer  Holzschnitt zeigt. Das Wohnhaus von Johann Heinrich Voß  wurde zu einem wichtigen Schauplatz für viele  im Vortrag behandelte Ereignisse des Jahres 1800.  Foto: Quelle: Eutiner Landesbibliothek
Das Eutiner Voß-Haus um 1860, wie es ein historischer Holzschnitt zeigt. Das Wohnhaus von Johann Heinrich Voß wurde zu einem wichtigen Schauplatz für viele im Vortrag behandelte Ereignisse des Jahres 1800. Foto: Quelle: Eutiner Landesbibliothek

"Kein Abschied in Eutin - Das Ende der Freundschaft zwischen Johann Heinrich Voß und Friedrich Leopold Graf zu Stolberg" heißt ein Vortrag.

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20. Oktober 2011, 10:11 Uhr

eutin | Dr. Frank Baudach hält ihn am Donnerstag, 27. Oktober, um 19.30 Uhr im Seminarraum der Eutiner Landesbibliothek.

Geradezu dramatische Ereignisse beleuchtet der Leiter der Landesbibliothek in seinem Vortrag: Im August des Jahres 1800 ging die Nachricht wie ein Lauffeuer durch Eutin, dass Friedrich Leopold Graf zu Stolberg, der fürstbischöfliche Kammerpräsident und zweithöchste Staatsmann im Eutinischen, in Münster zur katholischen Kirche übergetreten war und sämtlichen Ämter aufgegeben hatte. Die Eutiner Bürger waren geschockt: Katholisch zu werden war im protestantischen Norden ein ganz unerhörter Akt, der auf völliges Unverständnis stieß.

Vielen erschien er geradezu als Verrat an den Idealen der Aufklärung, der Vernunft und der Denkfreiheit, und nicht wenige rätselten, was den hoch geachteten Dichter und Staatsmann zu so einer unsinnigen Tat hatte verleiten können. Unverständnis und Abscheu gingen so weit, dass sich sogar seine besten Eutiner Freunde, der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi und der Rektor Johann Heinrich Voß, von ihm abwandten.

Als Stolberg noch einmal nach Eutin zurückkehrte, weigerten sich beide, ihn zu treffen, sie flohen geradezu vor ihm. Noch Wochen danach, als Stolberg mit seiner Familie endgültig aus Eutin abreiste und nach Münster übersiedelte, blieb sein Jugendfreund Voß unversöhnlich und verweigerte ihm hartnäckig den persönlichen Abschied - es war das bittere Ende einer langjährigen Freundschaft.

In seinem Vortrag stellt Dr. Baudach die Ereignisse dieser Wochen in Eutin und ihren ideengeschichtlichen Hintergrund dar. Im Mittelpunkt stehen dabei die letzten Briefe und Billets, die zwischen dem Stolberg- und Voßhaus gewechselt wurden und in die auch die Familienmitglieder, allen voran Voß Ehefrau Ernestine, eingebunden waren.

Zu dem Vortrag laden die Freunde der Eutiner Landesbibliothek, die Johann-Heinrich-Voß-Gesellschaft und die Eutiner Landesbibliothek ein. Der Eintritt ist frei.

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