Deutsches Rotes Kreuz : „Das DRK muss neue Wege gehen“

Henning Kramer (links) zeichnete Henriette Gräfin von Platen-Hallermund aus.
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Henning Kramer (links) zeichnete Henriette Gräfin von Platen-Hallermund aus.

Bernd Bormann fordert: DRK soll Image eines Seniorenbetreuungsvereins abstreifen und sich endlich jüngeren Menschen widmen.

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04. November 2013, 00:33 Uhr

„Das DRK muss neue Wege gehen, sonst werden wir als DRK gehen.“ Das war das Resümee von Bernd Bormann am Sonnabend bei der Sitzung des DRK-Kreisverbands in der Rettberg-Kaserne vor rund 150 Rotkreuzlern und Gästen. Für den Leiter der Sozialarbeit laufe es in den Ortsvereinen zwar gut, doch das Konzept sei aufgrund der Altersstruktur der ehrenamtlichen Helfer von häufig über 70 Jahren „nicht mehr zeitgemäß“.

„Dabei ist jeder im DRK gefordert“, betonte Bormann. Seine derzeitige Tätigkeit verglich er mit der Arbeit aus den 1980er Jahren. Die Zukunft ließe sich nur gestalten, wenn sich die Ortsvereine verjüngen, bessere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geleistet und verbandsübergreifend gearbeitet werde. Mit Blick auf rund 32 300 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, die im Kreis Ostholstein in Armut lebten, müsse das DRK das Image eines Seniorenbetreuungsvereins abstreifen und sich jüngeren Menschen widmen. Dafür erntete Bormann nicht nur zustimmendes Nicken.

„Ich bin stolz darauf, eine so gute und kompetente Truppe zu haben“, lobte die Kreisvorsitzende Henriette Gräfin von Platen-Hallermund und gab eine Bilanz des ehrenamtlichen Standbeins des DRK ab. Insgesamt unterstützten 9000 Mitglieder in 47 Ortsvereinen das DRK Ostholstein. Rund 1000 ehrenamtliche Helfer engagierten sich in Kleiderstuben, bei der Altenbetreuung und bei Blutspendediensten. Im vergangenen Jahr spendeten 11 500 Menschen Blut, darunter 709 Erstspender. In zehn Kleiderstuben wurden knapp 118 000 Kleidungsstücke abgegeben. Und in der Breitenausbildung ließen sich bei 230 Lehrgängen rund 2600 Teilnehmer – das beste Ergebnis seit vier Jahren - zu potenziellen Lebensrettern fortbilden.

In den neun Jugendrotkreuz-Vereinigungen im Kreis seien 124 Mitglieder und 169 Schulsanitätern aktiv, gab Heiko Hahn als Vertreter des Jugendrotkreuzes einen Einblick. 29 Gruppenleiter begleiteten die Kinder und Jugendlichen mit einem Durchschnittsalter von knapp 14 Jahren bei Ausbildungen, Hilfediensten, Ausflügen und Veranstaltungen.

Das wirtschaftliche Bilanzergebnis von rund 42 000 Euro bei Umsätzen von 13,6 Millionen Euro bezeichnete der hauptamtliche DRK-Vorstand Martin Broziat als zufriedenstellend. Dabei wurden für die Kreisgeschäftsstelle ein Minus von rund 109 000 Euro und im Pflegezentrum rund 96 000 Euro als Negativergebnis verbucht. Als Gründe für die defizitären Zahlen im Pflegezentrum nannte Broziat die Steigerung von Personalkosten durch Tariferhöhungen sowie eine geringere Auslastung um sechs Prozent auf 90 Prozent. „Diese Situation wird uns ein deutliches Minus im Pflegezentrum in diesem Jahr bescheren“, kommentierte Broziat. Entsprechend müsse in den zum März 2014 neu zu verhandelnden Pflegesätzen der Umstand berücksichtigt werden.

Für schwarze Zahlen habe die Ambulante Pflege gesorgt. Trotz einer 20-prozentigen Steigerung der Personalkosten für Tariferhöhungen und Neueinstellungen sei mit rund 247 000 Euro ein Umsatzplus von 13 Prozent erwirtschaftet worden. „Wir expandieren weiter, um möglichst bald wieder im ganzen Verbandgebiet unsere Leistung anzubieten“, avisierte Broziat.

Das Thema Fahrdienst, eine Tochtergesellschaft des DRK-Kreisverbandes, sei von der Innenrevision des DRK-Landesverbandes überprüft worden. Grund dafür waren Beschwerden von Fahrern, die einen Stundenlohn von teilweise unter fünf Euro kritisierten (der OHA berichtete). Martin Broziat sagte, dass der Fahrdienst „keine enormen Gewinne“ mache. Was finanziell möglich sei, würde den Fahrern gezahlt. „Wir sind bemüht höhere Löhne durchzusetzen“, so Broziat, der nach seinen Worten kein Gehalt für seine Tätigkeit als Geschäftsführer beim Fahrdienst erhalte. „Es wird auch kein Geld vom Fahrdienst für die Finanzierung des Vorstandes verwendet, was durchaus sachgerecht wäre.

Völlig überrascht wurde Henriette Gräfin von Platen-Hallermund mit der Überreichung der Verdienstmedaille des DRK-Landesverbandes durch den Präsidenten des Landesverbandes, Henning Kramer. „Gräfin Platen setzte sich für die Belange des DRK 25 Jahre in ihrem Ortsverband und außerdem 18 Jahre als Kreisvorstand ein. Sie ist neue Wege gegangen und war in ihren Aktivitäten federführend“, nannte Kramer nur einige Gründe für die Vergabe der selten vergebenen Auszeichnung.



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