Eutin : Das Aus nach mehr als 30 Jahren

Ihr Ende ist beschlossen: Die letzte Videothek im Großraum Eutin schließt Ende März. Ein Arbeitsplatz geht dadurch verloren.
Ihr Ende ist beschlossen: Die letzte Videothek im Großraum Eutin schließt Ende März. Ein Arbeitsplatz geht dadurch verloren.

Internet zu stark: Die Videothek in der Bürgermeister-Steenbock-Straße schließt per 31. März – als vorletzte in Ostholstein.

shz.de von
14. Februar 2018, 11:01 Uhr

Wer in Eutin Videos, Computerspiele oder DVDs ausleihen möchte muss bald nach Grömitz zur dortigen Videothek ausweichen. Denn der Filmverleih in der Bürgermeister-Steenbock-Straße – einer der letzten seiner Art im Norden – schließt per 31. März nach mehr als 30 Jahren.

Insbesondere die Streaming-Dienste im Internet machen den Betreibern von Videotheken das Leben schwer. So auch dem Eutiner Verleih. „Die Menschen sind bequemer geworden“, sagt Aheel Ahmad, seit rund vier Jahren Eigentümer der Eutiner Empire-Videothek. Immer weniger Ostholsteiner würden das heimische Sofa verlassen um sich Filme und Co. auszuleihen. Ein Mausklick genügt – immer mehr Menschen schauen Kinofilme über das Internet. „Dabei stört es sie anscheinend nicht, dass das teurer und die Bildqualität schlechter ist“, sagt Ahmad.

Wie der Eutiner Videothek geht es vielen in der Branche. Der Umsatz des bundesweiten Spielfilmverleihs durch herkömmliche Videotheken fiel von 189 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 121 Millionen im Jahr 2016. Parallel dazu sanken auch die Kundenzahlen von 5,3 Millionen 2014 auf 3,9 Millionen 2016. Dies geht aus Daten des Interessenverbandes des Video- und Medienfachhandels in Deutschland mit Sitz in Düsseldorf hervor. Die klassische Videothek an der Straßenecke werde mittelfristig verschwinden, schätzt Oliver Trettin, Sprecher des Bundesverbands Audiovisuelle Medien in Hamburg, die Lage ein. „Der physische Verleih nimmt ab und wird auch weiterhin immer weniger werden.“ Der Verleih auf den „on-demand-Plattformen“ im Internet nehmen dafür stark zu. Die fünf großen in Deutschland sind nach Trettins Angaben: Amazon, Itunes, Maxdome, Videoload und Sky.

Das Sterben der Videotheken sei nur der Anfang, sagt Ahmad. „Supermärkte und Apotheken – die sind die nächsten“, ist sich der Geschäftsmann angesichts des zunehmenden Internethandels sicher. Ahmad schränkt aber auch ein: „Es liegt nicht nur am Publikum. Es kann auch an der jeweiligen Filiale liegen.“

Neben Eutin schließt Ahmad eine weitere Filiale in Buchholz in der Nordheide. Vorerst erhalten bleibt seine weitere Videothek in Hamburg. Die rund 7000 Filme der Eutiner Videothek – vom Western bis zur Hollywood-Schnulze – werden jetzt verkauft. „Unsere Besonderheit waren immer die Klassiker, die es nirgends zu kaufen gibt“, sagt Ahmad und spricht über Filme wie „Die glorreichen Sieben“. Was übrig bleibt, werde auf die anderen Filialen verteilt, so Ahmad. Bis zum 26. März kann noch ausgeliehen werden, am 31. März ist dann endgültig Schluss.

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