„Danke für Ihre Zivilcourage“

Eine „Vorzeige-Zeugin“ loben Polizist Henrik Bockwoldt und Holger Dabelstein vom Weißen Ring Ostholstein. Die Hilfsroganisation, die sich sonst für Kriminalitätsopfer einsetzt, würdigte das große Engagement der jungen Frau mit einem Blumenstrauß.
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Eine „Vorzeige-Zeugin“ loben Polizist Henrik Bockwoldt und Holger Dabelstein vom Weißen Ring Ostholstein. Die Hilfsroganisation, die sich sonst für Kriminalitätsopfer einsetzt, würdigte das große Engagement der jungen Frau mit einem Blumenstrauß.

Zwei Autos sind nach dem Unfall Schrott: Dank Mandy F. konnte der Fahrer ermittelt werden / Weißer Ring und Polizei würdigen Einsatz

shz.de von
20. Januar 2018, 00:12 Uhr

Mandy F. (21) wäre eigentlich eine geborene Polizistin: couragiert, dem Täter auf der Spur und erstklassig
in der Beweismittelsicherung. Das hat die junge Frau am Abend des 17. Dezember 2017 gezeigt: Ein alkoholisierter Fahrer war in der 90-Grad-Kurve von der Rosen- in die Voßstraße auf der vermutlich winterglatten Fahrbahn von der Straße abgekommen, durch ein Beet, über ein Verkehrsschild in ein parkendes Auto gefahren und anschließend in die Steinmauer gekracht (wir berichteten). Mandy F., die den großen Krach am Sonntagabend kurz vor halb neun gehört hatte, schaute sofort, was passiert war.

„Ich sah ein Auto, das 20 Meter weiter weg auf der Fahrbahn stand und einen Mann. Erst dachte ich, er wäre auch ein Zeuge“, erzählt Mandy F., doch dann sei ihr das komisch vorgekommen. Sie verfolgte den Mann, der sich vom Unfallort entfernte und immer wieder nach ihr umdrehte, sprach ihn an. „Warten Sie doch, sie machen es nur schlimmer, wenn Sie jetzt davon laufen“, erinnert sich die zierliche Frau, denn ihr dämmerte, dass er der Fahrer gewesen sein könnte. Sie roch eine starke Fahne. „Er sagte immer nur ‚Ich nix fahren, nix mein Auto‘.“ Sie verfolgte den fast 1,90 Meter großen Mann weiter. Auch der Miteigentümer des geparkten beschädigten Wagens war mittlerweile auf die Straße gekommen. „Er war wütend, es war laut, ich musste die beiden erstmal beruhigen.“ Sie rief die Polizei während sie dem Fahrer des Unfallwagens weiter folgte, beschrieb ihn für den Polizisten am Telefon in Eutin, schilderte den Unfallort und das Geschehen und versuchte, den Mann zur Umkehr zu bewegen. „Ich habe das Telefon nochmal auf Lautsprecher gemacht und der Polizist sagte auch, dass er wieder mit zurückkommen soll, das hat er dann auch gemacht.“ Überhaupt habe ihr der Polizist am anderen Ende der Leitung sehr geholfen, „er blieb die ganze Zeit dran, legte nicht auf, bis seine Kollegen da waren. Das tat wirklich gut“, sagt Mandy F. heute. Gut 500 Meter war sie dem polnischen Unfallverursacher gefolgt – und wieder mit ihm zurückgegangen.
Dort wartete das nächste Problem: „Mittlerweile waren so viele Menschen auf der Straße, die auf uns zustürmten und schimpften, die musste ich auch erstmal bitten, uns in Ruhe zu lassen“, erinnert sie sich. Als die Polizei kam, „übergab“ sie den Mann in die Hände der Beamten – und schaute sich den Unfallwagen an. „Ich hatte zwischendurch immer mal wieder den Gedanken, was ist, wenn da noch jemand sitzt, wenn er wirklich nicht gefahren ist?“ Aber da sei keiner gewesen und die Zahl der Menschen, die vor Ort ebenfalls den Knall gehört hatten, hätten sich dann um Verletzte kümmern können, so ihr Fazit.

„Das Auto war gefroren, es war ja kalt. Aber auf der Beifahrerseite war kein Handabdruck vom Öffnen zu erkennen. Aber auf der Fahrerseite konnte man sehen, wie die Tür von außen auch zugeschlagen wurde, das hab ich den Polizisten noch erzählt.“ Und auch als die Anwohner die Scherben und Splitter von der Straße fegen wollten, stoppte sie das zugunsten der Beweissicherung.

Dem stellvertretenden Dienststellenleiter Henrik Bockwoldt aus Malente blieb da gestern nur das volle Lob: „Sie haben wirklich vorbildliche Arbeit geleistet.“ Und Holger Dabelstein vom Weißen Ring Ostholstein schloss sich an: „Das ist ein enormer Einsatz gewesen, so etwas habe ich selbst noch nicht erlebt.“ Mandy F. fühlte sich geschmeichelt und erklärte auf die Frage nach Zweifeln oder Angst nur: „Für mich ist es normal zu helfen, wenn man helfen kann.Ich würde mir auch wünschen, wenn mir so etwas passiert, dass mir andere helfen.“ Ihre Mutter habe im Anschluss aus Sorge geschimpft, sei letztlich aber auch stolz gewesen.

Mandy F. würde wieder helfen – und Holger Dabelstein vom Weißen Ring kann nur zur Zivilcourage ermutigen. „Wird man einmal Opfer einer Straftat und merkt, dass viele nur hinschauen und keiner hilft, kann das sehr schwerwiegende Folgen haben.“ So ein Einsatz sei sehr lobenswert.



Weitere Infos über die Arbeit des Weißen Rings unter www.weisser-ring.de.

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