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Zarnekau : „Da vorne kommt eine Kurve, gib Gas“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine über Jahrzehnte geltende 50-km/h-Beschränkung zwischen Zarnekau und Sandfeld wurde aufgehoben. Die Intervention des Dorfvorstandes blieb noch ohne Erfolg.

Die von der Kreisverkehrsbehörde betriebene Reduzierung des Schilderwaldes erntet in betroffenen Orten häufig Kopfschütteln und Ablehnung. 2013 hatten die Anwohner von Broderdammskamp erfolglos gegen eine Aufhebung der Tempo-30-Zone protestiert. Jetzt wird in Zarnekau beklagt, dass zwischen dem Ortskern und dem Ortsteil Sandfeld ausgerechnet in einer Kurve die Begrenzung von 50 Kilometer pro Stunde (km/h) nicht mehr gilt.

„Ich muss da immer an einen Witz aus einem Italienurlaub denken: ,Die Ampel zeigt rot, gib Gas‘. In Zarnekau kann es jetzt heißen: Da kommt eine Kurve, gib Gas“, schildert Dorfvorsteherin Bärbel Krauskopf die umstrittene Temporegelung. Über Jahrzehnte hinweg galt für die 400 Meter lange Straße zwischen dem Sandfeld und dem Ortsschild in Höhe der Straße am Bähnken eine Beschränkung von 50 km/h. Im vergangenen Jahr wurden die 50-Schilder versetzt. Nun können Kraftfahrer in Richtung Sandfeld für rund 300 Meter auf 100 beschleunigen. In der Gegenrichtung wird nach der 30-km/h-Zone am Sandfeld das Tempo auf 50 km/h begrenzt. Diese Beschränkung wird aber durch die Einmündung des Krummen Weges wieder aufgehoben, von da an darf ebenfalls beschleunigt werden. Anfangs dachte der Dorfstand an ein Versehen und beantragte ein Verbleib der 50-km/h-Beschränkung vor allem wegen der Gefährdung für Fußgänger in der Kurve.

Die Antwort der Kreisverkehrsbehörde: „Die Benutzung von Fahrbahnen durch Fußgänger wird durch § 25 StVO geregelt. Sind keine Gehwege vorhanden, so müssen Fußgänger außerhalb geschlossener Ortschaften am linken Fahrbahnrand gehen, damit sie den entgegen kommenden Fahrzeugverkehr rechtzeitig erkennen und notfalls ausweichen können. Andererseits müssen auch die Fahrzeugführer im ländlichen Bereich mit Fußgängern zwischen zwei Ortschaften bzw. Ortsteilen rechnen und ihre Geschwindigkeit darauf einstellen, insbesondere, wenn die Ortsteile so dicht beieinander liegen wie Zarnekau und Sandfeld. Aus polizeilicher Sicht gibt es dort keine Auffälligkeiten. Unfälle wurden ebenfalls nicht registriert.“

Und weiter: Es lägen keine konkreten Gefährdungspotenziale vor, außerdem werde die Straße fast ausschließlich von Ortskundigen genutzt, die sich dort auskennten. Es gebe also keine Gründe für eine Geschwindigkeitsbegrenzung da auf 50 km/h. Im übrigen sei zu erkennen, dass ein Trampelpfad hinter einem Knick von Fußgängern genutzt werde.

Bärbel Krauskopf: „Richtig ist, dass hier vor allem Ortskundige fahren. Das allein bedeutet noch nicht, dass langsam gefahren wird. Nach meiner Überzeugung wird auch die Stärke des Verkehrs unterschätzt, denn auch die Griebeler und Vinzierer fahren hier durch.“

Besonders bedenkenswert sei, dass der Trampelpfad hinter dem Knick garantiert nicht von Müttern mit Kinderwagen oder Personen, die auf einen Rollator angewiesen sind, genutzt werde: „Die bleiben an der Straße. Und weil die Banketten ausgefahren sind, bleiben sie auch auf der Straße, und das in der Kurve.“

Nachdem der OHA bei der Kreisverkehrsbehörde nachgehakt hatte, sei die Beschilderung „unter Beteiligung der Polizei“ noch einmal überprüft worden, teilt die Sprecherin des Kreises, Anja Sieks-Pfaff, mit. Die wenig überraschende Antwort: „Einer weiteren Beschilderung bedarf es für diesen Streckenabschnitt aufgrund des Straßenverlaufs nicht.“

Seltsam: In einem Kurvenabschnitt ist Tempo 100 erlaubt, aber für einen 100 Meter langen, gut einsehbaren Abschnitt gilt eine 50-km/h-Beschränkung. Ist das sinnvoll? Ja, sagt die die Kreisverkehrsbehörde. Denn das geschehe in Richtung Sandfeld zur Vorbereitung auf die Bebauung und die 30-km/h-Zone. Und: „In der Gegenrichtung ist beim Verlassen des Ortsteils Sandfeld die Geschwindigkeit wegen des unbefestigten Seitenstreifens für ein kurzes Stück auf 50 km/h begrenzt. Durch die folgende Einmündung des zur L 57 führenden Weges wird diese Begrenzung jedoch wieder aufgehoben, so dass, wie in der Gegenrichtung, bis Zarnekau keine Geschwindigkeitsbegrenzung mehr angezeigt wird.“

Und dann kommt der generelle Hinweis: „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ergibt sich aus der Grundregel des § 3 Abs. 1 der StVO, wonach jeder nur so schnell fahren darf, dass er sein Fahrzeug ständig beherrscht. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften des Fahrzeugs anzupassen.“

Bärbel Krauskopf: „Wenn jeder diese Grundregel beherzigt, bräuchte man doch eigentlich gar keine Schilder mehr.“

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